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Soziales Engagement : „Ich denke jetzt anders über das Altern“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Anna Lena Clausen leistet ihren Bundesfreiwilligendienst in der Tagespflege der Diakoniestation in Winnert – und berichtet aus ihrem Alltag.

von
erstellt am 21.Mai.2017 | 16:00 Uhr

„Ich bin dran!“, ruft Erika Seifert gut gelaunt. Gekonnt lässt die 97-Jährige den Würfel über ihre Handfläche gleiten und wirft. „Schon wieder eine Sechs! Also sowas!“ Anna Lena Clausen schüttelt den Kopf und grinst ihre Mitspielerin an. „Beim Mensch-ärgere-dich-nicht habe ich bei ihr kaum eine Chance, zu gewinnen“, sagt die 20-Jährige.

Seit fast zehn Monaten gehört Clausen zum Team der Tagespflege der Diakoniestation Schwabstedt-Ostenfeld in Winnert. Dort leistet sie ihren Bundesfreiwilligendienst. „Nach dem Abi wollte ich mir die Zeit nehmen, mich beruflich zu orientieren – und gleichzeitig etwas Sinnvolles zu tun“, erklärt sie. Den Tipp, ein Jahr als sogenannter Bufdi in der Tagespflege zu arbeiten, gab ihr eine Pastorin. Nach einem Schnuppertag war die junge Frau Feuer und Flamme. „Ich hätte keine bessere Wahl treffen können“, sagt sie heute. „Schon jetzt weiß ich, dass ich die Zeit hier vermissen werde, wenn ich Ende Juli gehen muss.“ Und vermissen werden Erika Seifert und die anderen Gästen, die das Angebot der Tagespflege nutzen, ihre Anna Lena ebenfalls. „Wenn wir sie brauchen, ist sie immer für uns da“, sagt die 90-jährige Anneliese Mast, die seit drei Jahren regelmäßig in der Einrichtung an der Hauptstraße 52a den Vor- und Nachmittag verbringt.

Die Tagespflege der Diakoniestation Schwabstedt-Ostenfeld gibt es seit 2014. Getragen wird sie von den Kirchengemeinden Ostenfeld und Schwabstedt sowie den dazugehörigen Kommunen Fresendelf, Hude, Ostenfeld, Ramstedt, Schwabstedt, Süderhöft, Winnert, Wisch und Wittbek. Insgesamt 15 Mitarbeiter sind dort beschäftigt und kümmern sich täglich um rund zwölf Gäste. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Hilfe- und Betreuungsbedarf und einer Pflegestufe. So werden gleichzeitig die Angehörigen entlastet. „Wer zu Hause alleine sitzt, vereinsamt auch“, sagt Pflegedienstleiterin Elisabeth Wendt, die mehr als 20 Jahre Erfahrungen in der ambulanten Pflege gesammelt hat. „Und hier ist immer was los“, erklärt sie und nickt der 103-jährigen Agnes Fichtner zu, die amüsiert das Treiben um sich herum beobachtet. Einige haben sich zum Kartenspielen zusammengefunden, andere spielen Mensch-ärgere-dich-nicht während zwei Senioren Bilder ausmalen. „Doch wir sind kein Hotel. Wir arbeiten nach dem Konzept aktivierende Hilfe – die Leute werden mental und motorisch gefordert“, so Wendt.

Tagespflege verhindere stationäre Einweisung oder erleichtere sie, ist Wendt überzeugt. „In den Köpfen vieler Leute hat sich der Irrglaube festgesetzt, dass sich kaum jemand eine Tagespflege leisten kann“, sagt Wolfgang Schäfer, der für den Finanzbereich der Einrichtung verantwortlich ist. Doch die Kosten für die werden zum größten Teil von der Kranken- oder Pflegeversicherung übernommen. „Man muss sich wundern, wie wenige Menschen darüber Bescheid wissen, wie es bei der ambulanten Pflege und der Tagespflege funktioniert “, fügt Wendt hinzu. „Ich denke jetzt ganz anders über das Älterwerden“, erklärt auch Anna Lena Clausen, die nach ihrer Zeit als Bufdi Ökotrophologie in Kiel oder Flensburg studieren möchte. Sie habe keine Angst, aber mehr Respekt vor dem Altern als noch vor einem Jahr.

Und wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Ihre Aufgaben seien sehr vielfältig – vom Einkaufen übers Brote schmieren bis hin zu Büroarbeiten, antwortet die 20-Jährige. „Morgens übernehme ich häufig die erste Tour, um unsere Gäste aus Schwabstedt abzuholen. Und mittags hole ich das Essen aus dem Kirchspielkrug Ostenfeld.“ In Absprache übe die Ostenfelderin auch pflegerische Tätigkeiten unter Anleitung aus – aber nur, wenn sie es sich auch zutraue. „Meine schönste Aufgabe besteht aber darin, den Gästen einfach zuzuhören. Und ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu“, erklärt sie. Plötzlich wird sie von der Seite angestupst. „Du bist dran“, sagt Erika Seifert grinsend und zeigt auf das Spielbrett.

Bufdi gesucht

Ab 1. August ist in der Tagespflege der Diakoniestation in Winnert die Vollzeit-Stelle für den Bundesfreiwilligendienst zu vergeben. Bewerber sollten zwischen 16 und 27 Jahre alt sein. Die Dauer beträgt sechs bis zwölf Monate. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Mai. Nähere Info gibt es unter Telefon 04845/79190-14 und online unter www.bundesfreiwilligendienst.de

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