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Mit Video : „Ich dachte, da ist ein Tank explodiert“

vom

Bei Oldersbek ist eine Windkraftanlage gesprengt worden – ein seltenes Verfahren, das viele Fragen aufwirft.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 13:48 Uhr

Oldersbek | Ein lautstarker Knall – dann kippt eine tonnenschwere Windkraftanlage krachend zu Boden. Bei Oldersbek (Kreis Nordfriesland) ist am Donnerstagnachmittag eine Windkraftanlage gesprengt worden. Die gewaltige Detonation war bis Rantrum zu hören, das rund drei Kilometer entfernt liegt.

„Ich dachte, da ist ein Gas-Tank explodiert und bin sofort ans Fenster gelaufen, um nachzusehen“, berichtete ein Rantrumer Einwohner, der überrascht war, dass eine Anlage auf diese Art und Weise abgebaut wird.

Dieses Video wurde shz.de bei Facebook zugeschickt:

Und auch Fin Lorenzen ist eine Aufnahme gelungen:

Schon in der vergangenen Woche war versucht worden, die Anlage mit Seilen und großen Maschinen zu Fall zu bringen, was misslang. Grund für den Abriss der ungewöhnlichen Art ist das sogenannte Repowering, bei dem viele kleinere Alt-Anlagen durch wenige große und leistungsstärkere Exemplare ersetzt werden. Auf dem Gelände in Oldersbek sollen drei neue Mühlen entstehen, dafür müssen die alten weichen. Erst vor wenigen Monaten hat auf der gleichen Fläche eine 1,3 Megawatt-Windkraftanlage Feuer gefangen und ist ausgebrannt.

Doch ist so ein Abriss der schnellen Art und mit geballter Sprengkraft überhaupt erlaubt? Das fragen sich vor allem die Anwohner. Um eine Antwort zu finden, musste die Redaktion sich durch den Behörden-Dschungel kämpfen –  mit dem Telefon.

„Als Gemeinde haben wir mit dem Repowering und wie genau dabei verfahren wird, relativ wenig zu tun“, sagt der Oldersbeker Bürgermeister Hans Joachim-Müller und verweist auf das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), das für das Genehmigungsverfahren zuständig ist. Seinen Unterlagen zufolge gebe es auf dem  Oldersbeker Gelände drei alte Anlagen, von denen zwei abgerissen werden sollen, erklärt LLUR-Sprecher Martin Schmidt. Darüber hinaus sei der  Bau von vier neuen Anlagen beantragt worden. Davon wurden allerdings nur drei genehmigt, weil die vierte auf einer so genannten Richtfunkstrecke stehe, die frei von Hindernissen sein muss.

Neuer Betreiber der Anlagen ist der Bürgerwindpark Oldersbek.  Der Besitzer des nun gesprengten  Windrades ist der Unternehmer Claus Clausen. Doch der  hat für den Rückbau wiederum ein Abriss-Unternehmen beauftragt. „Und hier wird es kompliziert“, gibt Schmidt zu bedenken. Denn wenn herkömmliche Abbruchmaßnahmen nicht mehr greifen und eine Sprengung anvisiert wird, „dann muss das der Staatlichen Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord angezeigt werden“. Doch so eine Anzeige liege in Kiel  noch nicht vor. Geht es also doch nicht mit rechten Dingen zu? Eine Sprecherin der Staatlichen Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord, kurz StAUK, gibt Entwarnung: „Die Sprengung ist bei uns angezeigt worden. Der Spreng-Berechtigte hat sich an die Vorgaben des Sprengstoffrechts gehalten“, erklärt sie.

Mittlerweile sind die Aufräumarbeiten auf dem Gelände in vollem Gange. Die tonnenschweren Trümmer müssen verladen und abtransportiert werden. Ein Grund zur Sorge  könnte das große Rotoren-Haus mitsamt  des Schweröl-Inhalts sein. Sollten Umwelt-Fragen auftauchen, dann würde  wiederum der Kreis Nordfriesland als Untere Naturschutzbehörde ins Spiel kommen.

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