Neubau des Hallenbads : Husums Wirtschaft fordert Besonnenheit

Am 28. Juni soll die Husumer Stadtvertretung entscheiden, wo das neue Hallenbad gebaut wird.
1 von 2
Am 28. Juni soll die Husumer Stadtvertretung entscheiden, wo das neue Hallenbad gebaut wird.

Ende des Monats sollen Husums Stadtvertreter über den Standort des neuen Hallenbads entscheiden. Dies sorgte am Mittwoch auf einer Info-Veranstaltung für Streit.

von
15. Juni 2018, 09:55 Uhr

Wirklich überraschen kann diese Erkenntnis niemanden: Wenn man das neue Hallenbad in Husum lediglich mit dem Ziel bauen würde, möglichst viele Touristen anzulocken, sollte es lieber am Dockkoog oder auf dem Porrenkoog-Parkplatz stehen als im Gewerbegebiet neben Obi. Diese Nachricht überbrachte Christian Kuhn am Mittwochabend knapp 150 Gästen im Ratssaal. Kuhn ist Geschäftsführer der Deutsche Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft und arbeitet mit der Stadt Husum seit eineinhalb Jahren an einem Konzept für ein neues Hallenbad.

Die Husumer Wirtschaft hatte darauf gedrängt, dass Kuhn zudem den Auftrag erhält, die drei verschiedenen Standort-Möglichkeiten unter touristischen Gesichtspunkten unter die Lupe zu nehmen. Zuvor hatte sich abzeichnet, dass sich die Politik mehrheitlich für den Standort im Gewerbegebiet entscheiden wird (wir berichteten). Ein Plan, der nicht im Sinne vieler Hoteliers und Gewerbetreibenden ist – sie befürchten, dass ein Bad dort nicht die nötige touristische Zugkraft haben wird und wollen, dass der Neubau in ein umfassendes touristisches Konzept eingebunden wird.

Peter Cohrs bat Politik und Verwaltung am Mittwochabend deshalb im Namen des Commerziums eindringlich darum, „mögliche Fehler auszuschließen“ und die Entscheidung über den Standort um ein paar Monate zu verschieben. In dieser Zeit könnte ein Abgleich mit den grundsätzlichen touristischen Zielen der Stadt erfolgen. Er verstehe dies als Appell, erklärte Bürgermeister Uwe Schmitz – und den habe er vernommen. Mehr wollte er zu Cohrs’ Bitte nicht sagen.

Feuer erhielten Politik und Verwaltung auch von Hotelier Karl-Heinz Häuber: „Was für eine Veranstaltung ist das hier eigentlich?“, fragte der Dehoga-Vorsitzende. Der Standort im Gewerbegebiet sei doch offensichtlich schon politisch abgesegnet. Dass es sich um eine „Alibi-Veranstaltung“ handele, verneinte Schmitz. Doch dass die Verwaltung den Standort bei Obi zur Abstimmung stellen wollte, bestätigte er. Dafür gebe es gute Gründe: Unter anderem hat die Stadt die nötigen Flächen im Gewerbegebiet jüngst erworben – beim Dockkoog oder auf dem Porrenkoog-Parkplatz müsste man erst versuchen, sie zu kaufen. Und ohnehin: Die Stadt habe sich umfassend mit verschiedensten Möglichkeiten auseinandergesetzt, wo das Bad gebaut werden könnte.

Warum die Öffentlichkeit erst nach eineinhalb Jahren in die Diskussion eingebunden wird, diese Frage beschäftigte mehrere Besucher der Veranstaltung. Interessant war für sie natürlich auch, was das neue Bad denn bieten soll. Die prägnanteste Antwort lieferte wahrscheinlich Stadtwerke-Chef Benn-Olaf Kretschmann: „Bauen wir ein zu kleines Bad, ist es schade. Bauen wir es zu groß, ist es ein finanzielles Desaster.“ Übrigens: Welchen Standort er selbst bevorzugen würde, wollte Kretschmann partout nicht verraten. Die Stadtwerke sollen das Hallenbad später betreiben.

Aber zurück zur Ausstattung: Das Husumer Bad soll auf Wunsch des Arbeitskreises attraktiver als das jetzige werden – aber kein wirkliches touristisches Highlight wie eine Therme, die viele Gäste von außerhalb anzieht. Die Baukosten für das jetzt geplante Familienbad: Gut 20 Millionen Euro. Eine Therme als Touristen-Magnet wäre deutlich teurer, so Kuhn, könne sich aber dennoch rentieren. „Das hat sich der Arbeitskreis aber nicht getraut.“

Sollte die Wirtschaft eine Therme wünschen, fügte der Bad-Experte hinzu, könne man natürlich überlegen, dass sie als diejenigen, die vom Tourismus profitieren, einen „Bäderpfennig“ zahlen.

Auch die aus dem Publikum vorgebrachte Idee, das Bad an einen Hotelneubau zu koppeln, könne er sich theoretisch durchaus vorstellen, ging Kuhn auf die nächste Variante ein: „Dazu müssen Sie einen Hotelier finden.“ (Einsatz Häuber: „Den hatten wir schon. Den hat die Politik verprellt“.)

Was Kuhn sehr deutlich machte: Sollten sich die Husumer nun dazu entscheiden, noch einmal ganz neu zu diskutieren, was für ein Bad sie bauen wollen, könnte derart viel Zeit ins Land gehen, dass das jetzige, abgängige Schwimmbad in der Zwischenzeit geschlossen werden muss. „Wir diskutieren jetzt eineinhalb Jahre darüber. Andere Kommunen kloppen so eine Entscheidung in drei Monaten durch.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen