Sportliches Ziel : Husums Traum vom Volleyball-Märchen

Visionäre am Ball: Oliver Wagner, Uwe Schmitz, Ole Singelmann und Peter Becker (von links).
Visionäre am Ball: Oliver Wagner, Uwe Schmitz, Ole Singelmann und Peter Becker (von links).

Eine ambitionierte Vision: Mit den WattVolleys soll in der Saison 2017/18 ein neues Team per Wildcard in der Volleyball-Bundesliga antreten. Dafür ziehen alle an einem Strang.

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12. Januar 2017, 16:00 Uhr

Mit einem Schlag soll Husum auf die Volleyball-Landkarte geschmettert werden. Klingt irgendwie balla-balla. Das wissen auch die Protagonisten, die im Hintergrund bereits alle Hebel in Bewegung setzen, um Nordfrieslands quasi über Nacht zu einem Herausforderer etablierter Spitzenteams wie VfB Friedrichshafen und Berlin Recycling Volleys zu machen. „Wer nicht irgendwo positiv verrückt ist und eine Idee verfolgt, wird Visionen nicht umsetzen können“, stellt Husums Bürgermeister Uwe Schmitz fest und spricht damit allen anderen Beteiligten, die in der Messe Husum & Congress zusammengekommen sind, um die Katze aus dem Volleyball-Sack zu lassen, aus der Seele. „Mehr als die Erkenntnis, dass es nicht klappt, kann am Ende schlimmstenfalls ja nicht herauskommen.“

Doch warum einen Gedanken daran verschwenden, dass dieses ambitionierte Projekt scheitern könnte. Zu reizvoll ist der Gedanke, schon in wenigen Monaten an der Westküste einstudierte Spielzüge der United Volleys Rhein-Main am Netz abzublocken. Abgewehrt von einer hünenhaften Zweimann-Mauer der WattVolleys, die von 2500 begeisterten Zuschauern in der Husumer Messehalle umjubelt wird. „Wir wollen in der Saison 2017/18 in der Volleyball-Bundesliga mitmischen“, kündigt Oliver Wagner an. Noch ist der 50-Jährige beim TSV Husum 1875 als Trainer in der Landesliga tätig, künftig will er die aus dem Hallenboden gestampften WattVolleys coachen. Die nötige A-Lizenz dafür hat er schon lange in der Tasche.

Die Gelegenheit, mit einer im Hauruck-Verfahren gegründeten Spielbetriebsgesellschaft gleich in Deutschlands höchster Spielklasse zu pritschen, ist günstig: Um die Sportart zu professionalisieren und endgültig vom Mief der engen Turnhallen zu befreien, stockt die Volleyball Bundesliga GmbH das Teilnehmerfeld laut Wagner von zehn auf maximal 14 auf – und verteilt erstmals vier Wildcards. Der entsprechende Antrag muss bis zum 1. April eingereicht werden – genauso wie die Lizenz-Unterlagen.

Noch ist also ein wenig Zeit, um einen tragfähigen Etat aufzustellen. 700.000 bis 800.000 Euro sind pro Spielzeit nötig, um sich einen Tabellenplatz im unteren Mittelfeld zu sichern, weiß Wagner. Die Sponsoren-Suche läuft. Dabei hilft auch Ole Singelmann mit, als Aufsichtsratsmitglied der Messe und Vorsitzender der Husumer Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost eine Art Bindeglied zur Wirtschaft. „Für Husum ist das eine einmalige Geschichte, aus der sich viele Synergieneffekte für den Tourismus, die Messe und den Standort Husum ergeben“, sagt der Geschäftsmann. Bürgermeister Schmitz sichert dem „großen Projekt“ jede erdenkliche ideelle Hilfe zu, denkt dabei unter anderem an Stadtmarketing und Trainingsstätten. „So wie ich die Sportart verstanden habe, müssen die Hallen eine gewisse Höhe haben.“

Mindestens 2500 Zuschauer muss eine Spielstätte in der Volleyball-Bundesliga fassen können, das ist Vorschrift. An einem multifunktionalen Austragungsort wie die Husumer Messe geht das nur mit Teleskoptribünen. Die können platzsparend vorgehalten werden und lassen sich bei Bedarf ausfahren. Messe-Geschäftsführer Peter Becker prüft gerade mit Hochdruck, wie sich das Ganze technisch umsetzen lässt – und wo weitere Nutzungsmöglichkeiten liegen. „Denn eine solche Investition lohnt sich erst, wenn man über den Volleyball-Rand hinausblickt“, so Becker und Singelmann. Man sei mit unheimlich großer positiver Energie am Werk, es müsse aber auch noch ganz viel geprüft und durchgerechnet werden.

Eine Mannschaft aufzutreiben, scheint da noch das geringste Problem zu sein. „Jeder Aufsteiger muss sich seine zwölf bis 14 Spieler komplett neu zusammenziehen“, sagt Wagner, der designierte sportliche Leiter. Die WattVolleys würden zwar ihre Heimspiele in Husum austragen, sich aber als „Team für den ganzen Norden“ verstehen. Ein bis zwei Spieler sollen laut Wagner aus der Region geholt werden, der Rest aus Deutschland und Nordamerika. „Die kommen direkt vom College für ein Appel und ein Ei – und eine Wohnung.“ Als künftiger Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft ist Oliver Camp mit im Boot. Der 48-Jährige mit der A-Trainer-Lizenz ist in der Hamburger Szene tief verwurzelt und bestens vernetzt. Den Husumer Plan hält er für verrückt. Aber die Vision hat ihn ebenso überzeugt: „Es geht vor allem um Nachhaltigkeit, darum, den Volleyball in der Breite zu verankern – in den Schulen und Vereinen.“

Beim Deutschen Volleyball-Verband werden die Visionen mit großem Interesse verfolgt. Husum sei zwar ein weißer Fleck in Sachen Volleyball, „die Bundesliga an einen solchen Ort zu holen, ist aber schon sehr interessant“, sagt Frank Bleydorn, Pressesprecher der Volleyball-Bundesliga, auf Anfrage unserer Zeitung. Man habe beim Verband in Berlin durchaus den Eindruck gewonnen, dass da im hohen Norden Leute mit Herz und Leidenschaft für die Sache am Werk sind. „Das hat alles Hand und Fuß“, so Bleydorn. „Husum geht sicher nicht chancenlos ins Rennen um eine Wildcard.“

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