zur Navigation springen

Rückzug von Matthias Ilgen : Husums SPD sucht einen neuen Vorsitzenden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wer kann auf Matthias Ilgen im Amt folgen? Einen Plan haben die Husumer Sozialdemokraten noch nicht.

von
erstellt am 04.Okt.2017 | 09:14 Uhr

Für den SPD-Ortsverein Husum ist es ein Paukenschlag: Nachdem Matthias Ilgen am Wochenende verkündet hat, sich aus allen politischen Ämtern zurückzuziehen, müssen sich nun auch die Husumer Sozialdemokraten bis zur Jahreshauptversammlung Anfang November Gedanken machen, wer auf den 33-Jährigen nachfolgen kann. Bis dahin wird Ilgen weiter als Vorsitzender fungieren. Ein Nachfolger steht nicht in den Startlöchern, erklärt Horst Bauer, Fraktionsvorsitzender der Husumer SPD. „Für uns stellt sich nun die Frage, ob wir versuchen, jemanden vielleicht auch nur für einen begrenzten Zeitraum zu finden – oder ob wir uns nicht durch Formalien unter Druck setzen lassen und auf eine langfristige Lösung setzen.“ Letzteres hieße, dass der Ortsvereins-Vorsitz erst einmal unbesetzt bliebe, bis die Husumer SPD einen geeigneten Kandidaten gefunden und für das Amt fit gemacht hat.

Er selbst wolle sich für diese Aufgabe nicht ins Gespräch bringen, beteuert Bauer – genauso wenig wie Ilgens Amtsvorgänger, Torsten Schumacher. Für Bauer steht fest: „Matthias Ilgens Entscheidung reißt ein großes Loch. Es wird nicht leicht, jemanden mit derartigen kommunikativen Fähigkeiten und solcher organisatorischen Kompetenz zu finden.“ Gleichzeitig habe er Verständnis für den Entschluss: „Man unterschätzt leicht, das jemand, der pointiert Politik betreibt, leicht in Kontroversen gerät.“ Aus Bauers Sicht war es „dieser komische Kreisparteitag“, der bei Matthias Ilgen das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Ilgen selbst kann nur darüber spekulieren, wie es ohne ihn weitergeht. Noch steckten wohl alle in der Schockstarre, meint der frühere Bundestagsabgeordnete und lässt offen, ob dies dem schlechten Wahlergebnis, seinem Rücktritt oder am Ende beidem geschuldet ist.

Ob er einen möglichen Nachfolger im Auge habe? Das hätten jetzt andere zu entscheiden, sagt Ilgen. Doch anders als Bauer bringt er an dieser Stelle seinen Vorgänger, Torsten Schumacher, ins Spiel.

Um die generelle Zukunft des Ortsvereins macht sich dessen scheidender Vorsitzender keine ernsthaften Sorgen: „Hier ist ja noch alles okay“, sagt er und kann sich sogar vorstellen, in fünf oder zehn Jahren in die Stadtpolitik zurückzukehren. „Sylt ist dann ja vielleicht auch schon ausgestorben“, kann sich Ilgen einen letzten Seitenhieb auf die dortigen Genossen nicht verkneifen. Die Enttäuschung, dass die sich öffentlich gegen seine eigenwillige Wahlkampagne gestellt und diese nicht hatten mittragen wollen (auch darüber berichteten wir), sitzt offenbar noch tief.

Doch auch für Husums Sozialdemokraten werde die Zeit nach Ilgen kein Zuckerlecken, glaubt der Ortsvorsitzende zu wissen. „Ich hab’ diesen Job ja quasi nebenbei gemacht.“ Jetzt müsse der Verein selbst laufen lernen. Positiv stimmt Ilgen, dass es – zumindest in Husum – um den Nachwuchs einigermaßen gut bestellt sei. Als er den Ortsverein, damals noch in der ungeliebten Funktion eines Orga-Leiters, übernommen habe, „hatten wir 185 Mitglieder. Heute sind es rund 140. “ Dieser Rückgang sei jedoch keine Folge von Austritten, sondern von „natürlicher Fluktuation“. Viele SPD-Mitglieder sind seither gestorben. Andererseits seien aber auch jüngere Genossen hinzugekommen. „Das freut mich besonders“, denn auch die SPD-Fraktion bestehe ja wesentlich aus älteren Semestern.

Und was ist mit ihm? Wie geht es mit Ilgen weiter? „Um mich braucht man sich keine Sorgen zu machen“, sagt der. „Eher um die Partei.“ Und genau der kehrt er jetzt den Rücken – jedenfalls vorerst.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen