Weil er nicht mehr Personal bekommt : Husums Jugendpfleger schmeißt hin

Bernd Biermann
Bernd Biermann

Im Dezember wandte sich Bernd Biermann mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit, nun hat er gekündigt. Warum, erklärt er im Gespräch mit den Husumer Nachrichten.

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29. März 2017, 09:00 Uhr

29 Jahre lang hat sich Bernd Biermann als Jugendpfleger der Stadt Husum für die Belange der Kinder und Jugendlichen dieser Stadt eingesetzt. Ab Juni dieses Jahres nun gibt er seinen Posten im Jugendzentrum Biss auf.

Warum er geht? Da wird Biermann deutlich: „Ich habe nicht mehr die Substanz, in Zeiten wie diesen weiterzumachen. Zeiten, in denen meine Arbeit durch technokratische Vorschriften und politischen Druck beziehungsweise politische Ignoranz bestimmt wird“, erklärt der 52-Jährige seine Kündigung bei der Stadt Husum. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe vor wenigen Monaten die Entscheidung der Politik, ihm keine zusätzliche halbe sozialpädagogische Assistentenstelle zu genehmigen.

„Ich habe zum ersten Mal in meinem Berufsleben eine Forderung nach mehr Personal gestellt“, sagt Biermann, „eine Minimalforderung. Ich habe die am schlechtesten bezahlte Stelle, die es im pädagogischen Bereich gibt, beantragt.“ Der Hintergrund dieser Bitte nach Unterstützung: Das Biss wurde und wird zunehmend von jugendlichen Flüchtlingen besucht. Für diese zusätzliche Herausforderung sei das Jugendzentrum mit insgesamt dreieinhalb festen Stellen nicht gewappnet, erklärte Biermann im vergangenen Dezember öffentlich. Sein Team, so sagte er, „gehe auf dem Zahnfleisch“ (wir berichteten).

Doch eine Erhöhung des Personals lehnte die Politik mehrheitlich ab. Gegen wen sich der Ärger des Pädagogen in dieser Sache richtet, ist klar: „Ich hätte erwartet, dass eine Partei, die sich sozialdemokratisch nennt, vehement für solch eine Stelle einsetzt. Und nicht, dass sie sie ablehnt und dann noch einen draufsattelt, indem sie uns einen erweiterten Prüfbericht aufs Auge drückt.“

Seine Stelle werde die Stadt nach seinem Kenntnisstand ausschreiben. Und was wünscht der Pädagoge seinem Nachfolger? „Mehr Diplomatie und Fingerspitzengefühl als ich es habe, aber auch mindestens genauso viel Kreativität. Ich wünsche ihm ein traumhaftes Team, so wie ich eines hatte.“ Nach kurzem Nachdenken fügt er hinzu: „Und dass er so gut mit der Husumer Verwaltung klar kommt wie ich. Das war immer eine sehr gute Zusammenarbeit.“

Gerne erinnert er sich auch an all die Projekte zurück, die er in seinen Jahrzehnten als Jugendpfleger begleitet hat: Daran, dass einst die gesamte Fernsehmannschaft der Serie „Lindenstraße“ in Husum auflief. An die vielen Fahrten mit den Jugendlichen – „bis nach Amerika“. Und vor allem an die vielen Kinder aus schwierigen Verhältnissen, die er begleiten konnte: „Die nicht im Gefängnis gelandet sind und jetzt eine eigene Firma leiten.“

Er bedauert, dass die Kinderstadt Lüttsum in diesem Jahr ausfallen muss. Und freut sich, dass es für die Husumer Kinder 2017 „den dicksten Ferienpass aller Zeiten“ geben wird. Diese Idee – „mein Baby“ – bereitet Bernd Biermann gerade mit vor. In den Sommerferien aber wird er selbst nicht mehr dabei sein. Sondern, wie er sagt, im neuen Lebensabschnitt selbstständig arbeiten.

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