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Husumer Nachrichten

21. November 2017 | 18:26 Uhr

Auslauf-Modell : Husums größter Staubsauger

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Hafen sorgt der Neuero-Schiffsentlader rund um die Uhr dafür, dass Ladegut schnell auf Silos und Hallen verteilt werden kann. Nach 35 Jahren im Dauereinsatz steuert er allerdings allmählich auf den Ruhestand zu.

von
erstellt am 03.Mai.2016 | 15:00 Uhr

Der Neuero-Schiffsentlader ist kein Jüngling mehr. Im Gegenteil. Mehr als drei Jahrzehnte hat er auf dem Buckel und steuert inzwischen auf den wohlverdienten Ruhestand zu. Dafür ist aber die Bedienungstechnik auf dem neuesten Stand. Ein kurzer Druck auf den Joystick der Armatur, und schon setzt sich Husums größter Staubsauger in Bewegung. Der steht am Hafen, auf dem Gelände von ATR-Landhandel, und kann pro Stunde bis zu 100 Tonnen Futtermittel-Pellets oder Schrot aus dem Laderaum eines Schiffes saugen.

„Früher wurden unsere Schiffe mit Baggern gelöscht“, berichtet Kapitän Michael Hinz, Leiter der ATR-Schifffahrtsabteilung. „Das hat natürlich sehr viel länger gedauert.“ Deshalb übernahm im Jahr 1981 ein Schiffsentlader der Firma Neuero diese Arbeit. Die ATR-eigenen Schiffe „Maike“ und „Ilka“, die beide eine Ladekapazität von jeweils rund 2000 Tonnen haben, löscht der gewaltige Rüssel innerhalb von 24 Stunden – „jedenfalls, wenn nichts dazwischen kommt“. Diese Einschränkung ist wörtlich zu nehmen, denn Futtermittel bestehen aus sehr vielen Komponenten, „und es gibt ungefähr 1360 verschiedene Rezepturen“. Da kann es schon mal sein, dass Metallteile aus einer Hammermühle in die Ladung gelangen. „Das meiste wird allerdings schon vor Ort rausgefiltert“, berichtet Hinz. „Und wenn doch etwas hängen bleibt, besorgt ein starker Magnet im Saugers den Rest. Aber das kostet Zeit.“

Auf Schienen wird das Gerät punktgenau dorthin gelenkt, wo es gebraucht wird. So kann es nach und nach die gesamte Ladung eines Schiffes löschen. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, ist der 18 Meter lange, hydraulisch gesteuerte Rüssel mit einer Fräse versehen, die selbst Ladebestandteile, die sich durch den Transport verklumpt und verhärtet haben, durchbohren und zerlegen kann. Zudem verfügt der Rüssel über einen Teleskoparm. So kann der Elevator bis zu 60 Meter lange und 13 Meter breite Laderäume entladen, ohne dass die Schiffe verholt werden müssen.

Von seiner Kabine aus kann der Stauer – er bedient den Sauger –, dank eines Glasfußbodens in alle Richtungen blicken. Gefühlvoll lenkt er den Rüssel des Elevators mit dem Joystick über die Ladefläche der „Ilka“. Durch den Rüssel gelangt das Löschgut zunächst in einen unter Vakuum gehaltenen Kessel. Dafür sorgen zwei riesige Gebläse mit je 75 Kilowattstunden. Über dem Kessel befinden sich 52 Staubfilter, die während des Betriebes automatisch gereinigt werden. Über eine Schleuse gelangt die Ladung dann in Sammelbehälter und von dort über ein vollautomatisches Fördersystem, den sogenannten Rädler, zur Waage. Je nach Warenart und Proteingehalt werden die Rohkomponenten in den Silos oder Hallen eingelagert, berichtet Hinz.

Von seiner Kabine aus kann der Stauer den Transportweg des Löschguts bis in den letzten Winkel mitverfolgen. Über das Jahr werden bei ATR-Landhandel rund 360.000 Tonnen Ladung gelöscht. Dafür läuft der Schiffsentlader häufig sieben Tage die Woche – rund um die Uhr. Der Elevator wird im Standby-Betrieb gewartet und repariert. „Er ist zweifellos unser fleißigster Mitarbeiter“, sagt Michael Hinz schmunzelnd. „Und er hat nur zwei freie Tagen im Jahr: Weihnachten und Silvester.“

 

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