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Ehemaligen-Treffen : Husums erste Düsenflieger

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor 55 Jahren wurde die Storm-Stadt Heimat für ein Geschwader der neuen Luftwaffe. Jetzt treffen sich Piloten und Techniker von damals wieder und erinnern sich an die Aufbauzeit, die sie in Gemeinschaftsarbeit leisteten.

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erstellt am 18.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Es ist schon eine ganz besondere Gruppe, die der Husumer Siegfried Gründer da für ein Treffen zusammengeholt hat – zum achten Mal übrigens. Denn das, was die 50 Teilnehmer verbindet, liegt schon ein gutes halbes Jahrhundert zurück. Am 16. Oktober 1959 war in der Storm-Stadt das Jagdbombergeschwader 35 in Dienst gestellt worden – und diese Männer flogen oder reparierten die Düsenflugzeuge vom Typ F-84F Thunderstreak, die die Amerikaner als Erstausstattung für die neue bundesdeutsche Luftwaffe zur Verfügung gestellt hatten.

„Entsprechend ist der Altersdurchschnitt auch schon 75 plus“, sagt Hauptmann a. D. Gründer schmunzelnd, selbst schon 78 Jahre alt und mit 8800 Stunden im Flugbuch einer der erfahrensten Flugzeugführer auf der dreitägigen Zusammenkunft. Die begann gestern (Freitag, 17. Oktober) mit einem Klönschnack und Buffett im Offizierheim der Fliegerhorstkaserne und setzt sich heute (Sonnabend, 18. Oktober) mit einem Besuch in den Traditionsräumen des Geschwaders, einem Nachmittag auf den Krabbentagen sowie einem gemütlichen Beisammensein im Storm-Hotel fort. Morgen (Sonntag, 19. Oktober) gibt es noch einen Frühschoppen, bevor sich die Teilnehmer wieder in alle Welt zerstreuen.

Zumindest ein großer Teil der 35 ehemaligen Piloten, denn von denen wohnen nur noch fünf in der Husumer Gegend, wie Gründer erzählt. „Aber die Techniker sind noch fast alle hier.“ Hochkarätig besetzt sei das Treffen, erzählt er: „Allein vier frühere Generäle sind dabei, der fünfte hat leider abgesagt.“ Zwei von ihnen, die Generalmajore a. D. Jürgen Schlüter und Christmuth Eberlein, standen zudem als Kommodore an der Spitze des Husumer Geschwaders, ebenso wie Oberst a. D. Hans-Dietert Rulle. Der erschien in seiner alten Fliegerkombi, die er schon seit 21 Jahren nicht mehr getragen hatte.

Rulle kann sich noch gut an die Anfangszeit erinnern: „Als ich 1961 nach Husum kam, wollte ich eigentlich gleich wieder weg und in ein anderes Geschwader nach Büchel versetzt werden – da wohnte meine Freundin in der Nähe und es wurde auch mehr geflogen.“ Das allerdings sahen seine Vorgesetzten nicht als triftige Versetzungsgründe an. „Da habe ich das Gesuch zerrissen – und das war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Von dem habe er dann 18 Jahre in Husum verbracht.

Schlüter war bereits 1959 in die Storm-Stadt gekommen und erinnert sich an die Aufbruchstimmung, die auf dem spartanisch ausgestatteten Flugplatz Schwesing herrschte: „Wir waren alle junge Piloten, für die die Fliegerei das größte war. Aber durch die zehn Jahre Abstand zwischen Kriegsende und dem Aufbau der Bundeswehr fehlten erfahrene Leute, die uns hätten anleiten können – und so mussten wir uns alles selbst erarbeiten. Der Aufbau des Geschwaders war Gemeinschaftarbeit.“

Zusammengeschweißt hat sie auch der Umstand, dass die Fliegerei mit der F-84F alles andere als ungefährlich war: „Wir haben von 1959 bis 1965, als die F-84F ausgemustert wurde, acht Kameraden durch Flugunfälle verloren“, sagt Gründer. Auf dem Nachfolgemuster Fiat G.91, das von 1963 bis 1982 und damit immerhin mehr als drei Mal so lang in Husum flog, gab es hingegen nur vier Tote und in den zehn Jahren von 1982 bis 1992 mit dem Alpha Jet nur einen.

Neu bei diesem achten Treffen ist, dass auch sechs ehemalige G.91-Flieger dabei sind. „Das sind die ersten Piloten, die von 1963 bis 1965 ins Geschwader kamen, als wir noch beide Flugzeugmuster parallel betrieben“, sagt Gründer. Allen Vorschlägen, die Treffen insgesamt auf den Kreis der Fiat-Flieger zu erweitern, hat er aber eine Absage erteilt: „Der Vorteil ist, dass hier alle aus einer Generation sind und jeder jeden kennt. Wenn ich nun all die Flugzeugführer mit dazunehme, die nach 1965 kamen, werden es viel zu viele.“

Ohnehin sei es wohl die letzte von ihm organisierte Zusammenkunft dieser Art: „Wir haben uns meist in Abständen von drei bis fünf Jahren getroffen – und 2017 ist die 25-Jahr-Feier der Traditionsgemeinschaft des Geschwaders, da sehen wir uns sowieso. Dann noch mal ein paar Jahre weiter . . . wir werden ja nicht jünger.“ Der erste Staffelkapitän sei schon 93 Jahre alt. „Den holen wir normalerweise immer aus dem Seniorenheim in Tarp ab und fahren ihn auch wieder dorthin zurück, aber dieses Mal ist er leider krank geworden.“ Und die Organisation so eines Treffens koste auch meist ein Jahr. „Aber“, und jetzt schmunzelt Gründer wieder: „Man soll ja nie nie sagen.“

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