Zum Abschied gibt’s reichlich Konfetti : Husums Disco „Sturm & Drang“ muss schließen

Party-Stimmung im „Sturm & Drang. Des einen Freude ist des anderen Leid.
Party-Stimmung im „Sturm & Drang". Des einen Freude ist des anderen Leid.

Eine Disco weniger: Der benachbarter Hotelbetrieb hat die Immobilie des Sturm & Drang-Clubs gekauft, um seinen Gästen endlich Ruhe garantieren zu können.

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25. März 2017, 16:00 Uhr

Husum | Nein, diese Schließung ist keine Folge des großen Disco-Sterbens. Die Club-Lounge „Sturm & Drang“ auf der Neustadt macht zu, weil ein Nachbar die Immobilie gekauft hat – inklusive zweier Wohnungen mit anderen Besitzern. Also aus und vorbei? Ja. Ende April. Aber warum?

Der Käufer und Chef des benachbarten Best-Western-Plus-Theodor-Storm-Hotels, Karl-Heinz Häuber, findet deutliche Worte: „Mit der Diskothek haben wir schon seit 20 Jahren Stress.“ Mehr als einmal habe er Hotelgästen Geld zurückzahlen müssen, weil diese vor allem an den Wochenenden über ruhestörenden Lärm geklagt hätten. „Das hat uns viel Geld und Nerven gekostet. Und mehr als einmal haben wir versucht, die Situation zu beenden“, sagt Häuber unter Hinweis auf Anrufe bei Polizei und Ordnungsamt. Allerdings habe er sich von beiden nicht immer recht verstanden gefühlt.

Immerhin: Irgendwann sei der Seiteneingang des „Clubs“ neben dem Hotel geschlossen worden. Doch an den dröhnenden Bässen und dem oft lautstarken Rein und Raus der Besucher habe das natürlich nichts geändert. Außerdem wurde es im Laufe der Abende auch draußen vor der Tür immer lauter. Als das Haus dann Ende vergangenen Jahres zwangsversteigert wurde, „sahen wir unsere Chance gekommen“, erläutert Häuber. Und so steigt am 30. April die letzte Party im „Sturm & Drang“. „Dann haben wir Ruhe“, sagt Häuber und man kann das „endlich“ zwischen „wir“ und „Ruhe“ förmlich hören, obwohl er es nicht ausspricht.

Die Betreiber des Etablissements bedauern natürlich, dass sie ihr „erfolgreiches Konzept“ in der Neustadt nicht fortführen können. „Wir haben der Stadt mehrfach Vorschläge gemacht, wie wir die Situation verbessern können“, sagt André Cardell und verweist auf eine Verlegung des Taxi-Parkplatzes, eine bessere Dämmung sowie weitere bauliche und verkehrstechnische Veränderungen. „Doch eine Antwort aus dem Rathaus gab es nicht.“ Der Leiter des Ordnungsamtes, Malte Hansen, bestätigt den Empfang der Eingaben, sagt aber auch, dass er und sein Team nach dem Verkauf der Immobilie keinen Handlungsbedarf mehr gesehen hätten.

Betreiber Marc Hielscher und Cardell haben noch keinen Plan, wie es nach dem 30. April weitergeht. Natürlich sind sie traurig, dass in der Neustadt Schluss sein soll. „Immerhin wird unser Konzept im Vergleich zu dem vieler anderer Diskotheken und Clubs sehr gut angenommen“, erklärt Cardell. Tatsächlich hat der „Club“ von Rock- auf elektronische Musik umgestellt und damit nach Auffassung seiner Pächter offenbar einen Nerv getroffen. „Schon tragisch, dass das verloren geht“, sagen Hielscher und Cardell.

Was mit der Immobilie geschehen soll, steht ebenso in den Sternen. „Im Augenblick machen wir mal gar nichts“, sagt Häuber, „aber wir sind natürlich Unternehmer“, und deshalb werde es dabei nicht bleiben. „Aber so viel kann ich schon jetzt sagen: Eine Disko kommt da nicht wieder rein.“ Da erscheint es ihm schon wichtiger, „dass unsere Gäste eine ruhige und beschauliche Nacht haben“. Und wieder hört man ein unausgesprochenes „endlich“ mitschwingen.

Die Club-Lounge selbst verabschiedet sich am 30. April mit Understatement: Auf dem Programm steht eine Konfetti-Schlacht.> Das Sturm & Drang-Team wird auch künftig Veranstaltungen organisieren. Infos dazu gibt es bei Facebook.

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