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Vor der Wahl : Husums Bürgermeister stellt sich den Fragen seiner Bürger

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Er will am 7. Mai wiedergewählt werden: Uwe Schmitz stand den Husumern im Ratssaal Rede und Antwort.

von
erstellt am 29.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Ganz am Ende war es dann doch zu viel der warmen Worte: „Also, gewählt werden muss er schon noch!“, schallte es aus dem Publikum, nachdem Bürgervorsteher Peter Empen erklärte, er freue sich sehr darauf, nun auch die kommenden Jahre gemeinsam mit Uwe Schmitz zusammenarbeiten zu können. Aber die Spannung eines wirklichen Wahlkampfs konnte man von diesem Abend ohnehin nicht erwarten: Ein Bürgermeister, der von allen Fraktionen unterstützt wird und keinen Gegenkandidaten hat, stellt sich zur Wiederwahl und deshalb den Fragen des ihm sehr zugewandt wirkenden Propstes Jürgen Jessen-Thiessen als Moderator des Abends und denen seiner Bürger, die an diesem Abend recht friedlich blieben. Viele waren allerdings auch gleich zu Hause geblieben, im Ratssaal waren etwas mehr als 40 Plätze besetzt.

Was Uwe Schmitz seinen Husumern bieten konnte: Den Versuch, seinen Beruf, die Komplexität von Verwaltungshandeln zu erklären. Und einige Einblicke in seine persönliche Haltung zum Verhältnis Bürger und Staat.

So erklärte er auf die Frage einer Schobüllerin, die wissen wollte, wie denn nun schnelles Internet in ihren Ortsteil kommen soll, nachdem die Breitbandnetzgesellschaft dort am mangelnden Interesse der Bevölkerung gescheitert ist. Er habe kein Verständis dafür, dass die Schobüller das Angebot der Breitbandnetzgesellschaft nicht angenommen haben, erklärte Schmitz. Die Kommunen hätten dieses Projekt „mit ehrlichen Anstrengungen“ unterstützt – ohne Erfolg. Die Stadt werde sich weiter mit der Problematik befassen, doch einen Alternativweg sehe er derzeit nicht. Schmitz machte am Beispiel Glasfaser-Ausbau deutlich, dass er manche Anspruchshaltungen nicht nachvollziehen könne: „So lange mit etwas Geld zu machen ist, ist es Sache der Wirtschaft. Fließt das Geld nicht mehr, ist es auf einmal Daseinsvorsorge.“

„Ich kann Ihnen auch nicht sagen, wie Sie nun schnelles Internet bekommen. Ich schiebe den gleichen Frust wie Sie“, so Schmitz am Ende zu dieser Frage.

Eine weitere Frage, die der Bürgermeister eher grundsätzlich beantwortete: Ob eine moderne Verwaltung nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen aufgebaut sein müsste? Wirtschaftliche Aspekte dürften im Verwaltungsdenken natürlich nicht außer Acht gelassen werden, sagte Schmitz. Allerdings dürfe man die sozialen Aufgaben der öffentlichen Hand nicht vernachlässigen – würde die Stadt wie ein Wirtschaftsunternehmen agieren und unlukrative Bereiche abstoßen, würde die Daseinsvorsorge in vielen Bereichen leiden, und nicht nur in den sozialen, versuchte der Bürgermeister zu vermitteln.

Moderator Propst Jessen-Thiessen, der auch sonst nicht mit Lob für Schmitz sparte, wertete diese Antwort als „völlig authentisch, völlig überzeugend“, hakte aber gegen Ende des Abends doch noch mal nach: Schmitz würde in seinen Antworten bei den meisten Themen sagen, dass es sich um komplexe, komplizierte Sachverhalte handle. Dem sei sicher so – trotzdem könne beim Bürger der Eindruck entstehen, dass immer alles kompliziert, langwierig und schwer umsetzbar sei. „Dabei erwische ich mich auch“, bestätigte Schmitz: „Wenn einer so lange im Verwaltungssystem arbeitet wie ich, macht man anders Wahlkampf als jemand, der vielleicht unbefangener Dinge versprechen kann.“ Ihm sei es aber wichtig, nicht in Trott zu verfallen und mit den Bürgern in Kontakt zu bleiben. „Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, wenn sie vernünftig miteinander umgehen, Lösungen finden können.“

Um das Verwaltungssystem, in dem Schmitz beruflich groß geworden ist, ging es auch in den eher persönlichen Fragen des Propstes, der unter anderem wissen wollte, was Schmitz in seiner Amtszeit schwer gefallen sei. Er habe ja auch vor seiner Wahl zum Bürgermeister in der Husumer Verwaltung gearbeitet und sei somit vom Kollegen zum Chef aufgestiegen, erinnerte Schmitz und deutete an, dass ihm dieser Rollenwechsel nicht immer leicht gefallen sei. „Ich bin dadurch ein Stück weit einsamer geworden.“

Wenn er das Gefühl habe, jemand versuche, ihn zu manipulieren, kratze das an ihm – genau wie Bürger, die sich im Ton vergreifen. „Ich versuche immer, den Schein zu wahren. Doch das eine oder andere frisst mich schon an.“

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