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Behörden und Internet : Husumer wollen ihre Identität lieber schützen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der elektronische Personalausweis findet kaum Interesse. Seit 2010 hat die Online-Funktion nur jeder fünfte Antragsteller aktivieren lassen.

Eine umfangreiche Broschüre, ein vierseitiger Brief von der Stadt mit PIN- und PUK-Nummern sowie Kennwörtern – das war viel Post auf einmal, die Hans-Joachim von Homeyer (84) von der Stadt bekommen hatte. Er konnte sich all das nicht recht erklären, denn er hatte nichts weiter als einen neuen Personalausweis in Scheckkartengröße bei der Meldebehörde bestellt. Den holte er sich auch ab und schaute erst später noch einmal genauer in die Papiere. Die Stadt warb bei ihm dafür, gleichzeitig die Online-Ausweisfunktion zu aktivieren. Damit wäre von Homeyer im Besitz eines Personalausweises mit elektronischem Identitätsnachweis (eID), wie das offiziell heißt. Offenbar braucht so etwas aber kaum einer. 2010 eingeführt, haben seitdem in Husum 12  300 Bürger einen Personalausweis beantragt. Von denen haben nur 2700 die Funktion freischalten lassen – eine Quote von 22 Prozent, weniger als im Bundesdurchschnitt (ein Drittel).

Dienen soll das dazu, sich im Internet gegenüber Behörden und Unternehmen sowie an Automaten zweifelsfrei legitimieren zu können. Dazu sind im Chip auf der Ausweiskarte Vor- und Familienname, Geburtsort und -datum sowie die Anschrift gespeichert. Der Besitzer entscheidet im Einzelfall, ob die Daten übermittelt werden sollen – und gibt dazu jene PIN ein, wie sie von Homeyer zugeschickt worden war.

Ihm war die Entscheidung noch freigestellt worden, ob er seine Identität per Internet preisgeben möchte oder nicht. Die Freiwilligkeit wird nun aber eingeschränkt. Die Große Koalition in Berlin hat kürzlich gegen die Stimmen von Grünen und Linken entschieden, dass alle neuen Personalausweise künftig nur noch mit einer startklaren Onlinefunktion ausgehändigt werden. Im selben Atemzug wurden Sicherheitsbehörden weitergehende Zugriffsrechte eingeräumt: Ab 2021 sollen sämtliche Geheimdienste etwa auf biometrische Passbilder zugreifen können. Dieser „nahezu voraussetzungslose Abruf“ wurde von den Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder abgelehnt – und verhallte ungehört im Gesetzgebungsverfahren.

Hans-Joachim von Homeyer ist mit Computern vertraut, schreibt Essays und Vorträge am Rechner und hält per Mails mit Kindern und Enkeln Kontakt. Doch Surfen im Netz ist nicht sein Ding. Seine Bücher kauft er im lokalen Handel. Überweisungen lässt er am Schalter seines Geldinstituts erledigen. Seine Skepsis gegenüber dem Internet: „Das ist ein großer öffentlicher Verkehrsraum für Kommunikation, doch wir haben bislang kaum verlässliche Regeln dafür gefunden – und außerdem lesen wir immer wieder von Cyber-Unfällen.“

Die Zurückhaltung auch der anderen Husumer an dem Projekt lässt sich zusätzlich an mangelnden Einsatzmöglichkeiten festmachen. Wer sich beim Kraftfahrt-Bundesamt damit ausweist, erhält Einblick in seinen Punktestand. Das Bundesamt für Justiz stellt Führungszeugnisse aus. Auch die Arbeitsagentur stellt verstärkt darauf um. Finanzämter sind noch zu erwähnen, die Steuererklärungen online mit der Software Elster übermittelt haben möchten. Das war es dann aber auch im Großen und Ganzen.

Und bei Bestellungen im weltweiten Netz hat sich die Identitätsfeststellung über die jeweiligen Anbieter der Internetdienste (Provider) – häufig einfach per Smartphone oder Tablet – fest etabliert.

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