Schock bei Abrechnung : Husumer soll 15.000 Euro für Strom nachzahlen

Matthias Schaper vor den Stromzählern, die zum Jahresanfang ausgetauscht worden sind.
Matthias Schaper vor den Stromzählern, die zum Jahresanfang ausgetauscht worden sind.

Die Husumer Stadtwerke schicken Mahnung über fast 15.000 Euro an Eigentümer eines Einfamilienhauses. Ein Rechenfehler?

shz.de von
11. Juli 2015, 16:00 Uhr

Matthias Schaper konnte kaum glauben, was er las – oder besser, was er bezahlen sollte. Der Husumer hielt eine Rechnung der Stadtwerke über fast 15.000 Euro für die Lieferung von Strom und Gas in den Händen: eine Nachzahlung für 2014. „Diese Summe entspricht ja dem Verbrauch eines mittelständischen Unternehmens.“ Und ein solcher sei auf den Zählern nicht abzulesen gewesen.

Mit monatlichen Abschlägen von rund 270 Euro war es dem 51-Jährigen bisher immer gelungen, dass für ein Jahr nichts mehr zusätzlich überwiesen werden musste. Er lebt zusammen mit seinem Sohn in einem Einfamilienhaus, in dem sich noch eine kleine Einliegerwohnung befindet, die an eine alleinstehende Person vermietet ist. Alle Energiekosten für die insgesamt rund 140 Quadratmeter werden über ihn abgerechnet.

Nach dem ersten Schreck widerrief Schaper die Abbuchungserlaubnis für die Stadtwerke. Sein nächster Weg führte ihn zu Anwalt Olaf Thomsen. Der legte Widerspruch gegen die Forderung ein, denn diese sei „nicht plausibel“. Die Stadtwerke boten daraufhin an, wie es laut Strom- und Gasgrundversorgungsverordnung vorgeschrieben ist, die Zähler über ihre Netz-Tochter kontrollieren zu lassen. Doch damit hatte der Husumer Probleme – denn es sei ja quasi das eigene Unternehmen, das sich dann selbst überpüfe.

Über seinen Rechtsbeistand ließ er dem Energieversorger mitteilen, dass ein objektiver Gutachter eingeschaltet werden sollte, wie es auch ein Gericht verlangen würde. Zudem bat Olaf Thomsen um die Protokolle für die Zähler, um auszuschließen, dass die Eichung der Geräte 2014 nicht mehr aktuell gewesen war. Denn Anfang 2015 sind die Zähler im Hause Schaper ausgetauscht worden. Die Protokolle wurden nicht übersandt, teilte Thomsen auf Anfrage mit.

Untätig war sein Klient in der Zwischenzeit nicht geblieben. Um auszuschließen, dass die Ursache für den überdimensionierten Verbrauch nicht auf eine fehlerhafte Haustechnik zurückzuführen ist, machte Matthias Schaper zunächst einen Sondertermin mit seinem Schornsteinfeger aus. Der Fachmann überprüfte die moderne Gastherme, an der nichts zu beanstanden war. Um auf der sicheren Seite zu sein, ließ Schaper dennoch einen „Gas-Warner“ installieren, der bei einem unkontrollierten Entweichen Alarm geben würde. Obwohl er Anfang der Neunziger nach dem Kauf des Hauses für neue Leitungen gesorgt hatte, kontaktierte Schaper auch seinen Elektriker. Der hielt schriftlich fest, dass der Strom nicht auf teure Abwege geraten kann. „Das alles hat mein Geld gekostet.“

Fast immer seien die Zähler in Ordnung, wissen Anwalt Olaf Thomsen und Schapers Elektriker durch andere Fälle. Letzterer vermutet einen Rechenfehler.

Matthias Schaper ist bereits seit Jahrzehnten Kunde der Stadtwerke – oder besser war. Inzwischen hat der Nordfriese aufgrund des Streits den Anbieter gewechselt. Aus seiner Sicht blieb ihm keine andere Wahl, denn das Unternehmen mahnte ihn im Juni an, die Forderung mit Datum vom März zu bezahlen, ansonsten werde die Versorgung zum 16. Juli unterbrochen.

„Wir versuchen gerade herauszufinden, ob die Ursache interner oder externer Natur ist“, erklärt auf Anfrage Benn Olaf Kretschmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Husum GmbH. „Mögliche Gründe für die fehlerhafte Abrechnung gibt es mehrere: Ein defekter Zähler im Haus des Kunden kann dies ebenso verursachen wie ein technischer oder kaufmännischer Fehler bei den Stadtwerken“, ist ihm bewusst. „Wir nehmen den Vorgang ernst und prüfen zur Sicherheit nochmals unsere internen Abläufe.“

Grundlage für jede Jahresverbrauchsabrechnung – egal ob Strom, Gas oder Trinkwasser – ist der Zählerstand im Haus des Kunden. Diesen übermitteln in Husum die Haushalte per E-Mail oder Postkarte an die Stadtwerke. Betreiber der Messeinrichtung ist allerdings der örtliche Netzbetreiber, in diesem Fall die Stadtwerke Husum Netz GmbH. „Der Gesetzgeber schreibt eine deutliche Trennung von Energielieferung und Netzbetrieb vor“, erläutert Kretschmann. Deshalb habe der Kunde zwei Ansprechpartner. An Letzteren müsse der Auftrag zur Überprüfung eines Zählers ergehen: „Dieser wird dann abmontiert und an einen von der staatlichen Eich-Behörde bestellten Prüfer übergeben. Dieses Prozedere ist vorgegeben und dieses haben wir dem Kunden auch so erklärt. Es tut uns leid, wenn das nicht so ankam. Als Ansprechpartner für die Abrechnung bleiben wir aber gesprächsbereit. Uns ist es wichtig, eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden“, betont der Geschäftsführer.

Aus dem Heider Büro der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war zu erfahren: „Wir haben regelmäßig Beratungen zu sehr hohen Energierechnungen in der Energie- und der Energierechtsberatung.“

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