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Service-Clubs : Husumer Lions-Clubs feiern gleich drei Mal Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Husum kann der 100. Geburtstag der Lions mehrfach gefeiert werden: Hier gibt es nicht nur einen, sondern gleich drei Clubs .

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Der eine ist Pastor, die andere Management-Coach und der dritte „Unruheständler“. Und alle drei sind Lions, ja derzeit sogar die Präsidenten ihrer Clubs: Andreas Raabe (53) im Lions-Club Husum (45 Mitglieder), Doris Ipsen (42) im Lions-Club Uthlande (35 Mitglieder) und Dietrich Berthold (70) im Lions-Club Husum-Goesharde (35 Mitglieder). Alle drei wollen dienen, denn das ist das Motto der Löwen, die in diesem Jahr 100. Geburtstag feiern.

Wie kam es zur Gründung der Lions?

Bertold: Die Lions wurden vor 100 Jahren in Chicago von einem Mann namens Melvin Jones gegründet und waren ursprünglich ein Club, der ausschließlich aus Geschäftsleuten bestand. Aber das war Jones zu wenig. Wenn wir erfolgreich sind, dann wollen wir auch andere daran teilhaben lassen, sagte er sich. An einem Treffen gleichgesinnter Gruppen nahm dann einige Zeit auch die Association of Lions Clubs teil, die dem Lions-Club 1917 den Namen gab. Die Grundidee lautete: We serve – wir dienen. Es geht um soziales Engagement in der Region.

Und warum gibt es in Husum gleich drei Lions-Clubs?

Raabe: Es war mal einer, aber der ist irgendwann zu groß geworden. Deshalb wurde er geteilt. Und dann kamen die Frauen und gründeten noch einen   dritten  .  .  .

Ipsen: Aber für die gute Sache ist es egal, wie viele Clubs es gibt.

Berthold: Große Clubs sind schwerer zu steuern. In kleineren fällt die Einbindung des Einzelnen leichter.

Wie sind die einzelnen Clubs organisiert? Und wie autonom sind sie?

Berthold: Es gibt verschiedene Schwerpunkte, aber wir machen auch vieles gemeinsam. Zum Beispiel das jährliche Laternelaufen „Husum leuchtet“ oder unseren Adventskalender, der inzwischen eine Auflage von 4500 Exemplaren hat.

Ipsen: Es geht ja nicht nur darum, Geld zu sammeln, sondern mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Deshalb organisieren wir auch Konzerte oder gehen mal einen Tag ins Altersheim.

Raabe: Dem dient auch unser Marktwagen im Advent. Da zeigen sich dann alle mal, und man kommt ins Gespräch. Auch die Multiple-Sklerose-Gruppe Nordfriesland wird von einem Lion geleitet. Und zum Krokusblütenfest steigen einige von uns in die Mönchskutte und verkaufen Krokusse für den guten Zweck.

Ipsen: Die Clubs könnten auch komplett separat agieren und sind absolut autonom. Aber ein Wechsel der Präsidentschaft zieht bisweilen schon eine Verlagerung der Schwerpunkte nach sich.

Wie wichtig ist das Ehrenamt in heutiger Zeit?

Ipsen: Wichtiger denn je.

Raabe: Aber es wird auch schwieriger. Die Leute sind durchaus bereit, sich kurzfristig zu binden, langfristig allerdings eher nicht.

Berthold: In puncto Verbindlichkeit und Verantwortung ist schon einiges auf der Strecke geblieben.

Ipsen: Junge Leute zu binden, ist tendenziell schwierig. Die meisten unserer Mitglieder sind 50 Jahre oder älter. Ich bin jetzt schon sieben Jahre dabei, aber mit 42 noch immer das Küken.

Hat sich die Tätigkeit der Clubs gegenüber früher verändert?

Ipsen: Oft schließen wir Lücken, wo soziale Programme nicht mehr so greifen, etwa wenn wir einer jungen Frau helfen, die ein Kind hat, weil ihr das Geld für die Verhütung fehlt.

Raabe: Oder wenn das Geld für die Klassenfahrt fehlt. Ich habe schon das Gefühl, dass das mehr wird – oder die Leute sprechen offener darüber.

Berthold: Die Gesellschaft ist im Umbruch. Und wenn irgendwo Not am Mann ist, springen wir unbürokratisch ein.

Raabe: Jeder Fall ist anders, aber das ist ja das Schöne an den Lions, wenn es um Dinge geht, die ein Club allein nicht stemmen kann, dann tun wir uns eben zusammen.

Berthold: Ich denke, die Klientel ist dieselbe geblieben, aber die Intensität der Betreuung hat spürbar zugenommen.

Was unterscheidet Lions-Clubs von anderen, etwa von den Rotariern?

Raabe: Das Motto ist fast identisch.

Ipsen: Der Name ist im Grunde auch egal. Ich wäre froh, wenn in den Köpfen hängen bliebe, dass wir keine elitären Leute sind, sondern Leute, die sich sozial und gesellschaftlich engagieren.

Berthold: Die Lions haben weltweit 1,4 Millionen Mitglieder, das ist schon ein machtvolles Instrument gegen Not, Flucht und Vertreibung. Aber am wichtigsten ist es, sich um die Dinge vor der eigenen Haustür zu kümmern.

Wie halten es die Lions mit Frauen? Ist es nicht ein bisschen rückwärtsgewandt, heute noch reine Männer-Clubs zu betreiben?

Ipsen: Ich arbeite viel mit Männern zusammen. Deshalb fühle ich mich in einer reinen Frauengruppe eigentlich ganz wohl.

Raabe: (Lacht) Und ich arbeite viel mit Frauen zusammen. Deshalb finde ich auch eine reine Männergruppe ganz nett. Aber ein bisschen rückwärtsgewandt ist es schon, das stimmt.

Ipsen: Das finde ich gar nicht. Frauen arbeiten auch noch mal ganz anders als Männer.

Raabe: Ja schon, aber ohne den Frauenclub hätten wir gewiss eine andere Debatte.

Berthold: Viele Clubangebote schließen die Frauen mit ein. Sie sind Teil der Lions-Familie.

Und ist es schwer, Frauen zu rekrutieren?

Ipsen: Also wir sind da im Moment recht gut davor.

Raabe: Da sind ja immer mehrere Aspekte zu beachten. Zum einen sollte ein Club nicht mehr als 50 Mitglieder haben. Und dann soll jede oder jeder einzelne auch in die Gruppe passen. Deswegen wird auch nur aufgenommen, wer ein einstimmiges Votum erhält. Die zentrale Frage lautet: Passt die Kandidatin, passt der Kandidat als Mensch zu uns? Und eine gewisse Vielfalt soll ja auch gewährleistet werden. Es wäre sicher nicht gut, wenn hier nur Rechtsanwältinnen oder Pastoren säßen.

Ipsen: Die Arbeitsweise ist wichtiger als Herkunft und Beruf. Unsere drei Clubs sind da sehr bodenständig.

Und was ist im Jubiläumsjahr anders als sonst?

Berthold: Also zunächst mal spenden alle sechs Clubs – also auch die auf Föhr und Sylt sowie der in Südtondern – je 500 Euro für die Hospizdienst in Niebüll und den ambulanten Hospizdienst auf Eiderstedt. Die großen Feiern in Chicago und Berlin haben wir schon hinter uns. Jetzt können wir uns wieder ganz auf unsere Arbeit konzentrieren und dienen.

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