Zur Zukunft des Dockkooges : Husumer Hallig fasziniert Stadtbewohner

Hans-Ulrich Rösner vom WWF durfte sich über reges Interesse an seinen Ausführungen freuen.
Hans-Ulrich Rösner vom WWF durfte sich über reges Interesse an seinen Ausführungen freuen.

SPD und CDU wollen sie nicht: Doch viele Nordfriesen können sich mit der Idee einer Husumer Hallig am Dockkoog anfreunden. Dies wurde bei einer Veranstaltung deutlich.

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12. Januar 2017, 08:00 Uhr

Für SPD und CDU ist die Husumer Hallig am Dockkoog durch eine von ihnen im Umwelt- und Planungsausschuss durchgeboxte Empfehlung kein Thema mehr. Eine Haltung, bei der die Politiker sich allerdings nicht darauf verlassen sollten, dass diese von allen Bürgerinnen und Bürger mitgetragen wird. Auf jeden Fall nicht von der großen Mehrheit der fast 200 Nordfriesen, die sich im Saal des Rathauses eingefunden hatten, um bei einer Informationsveranstaltung der Dockkoog-Projektgruppe Näheres über drei von vier Varianten zu erfahren, die die Gruppe, hinter der anderthalb Jahre Arbeit liegen, bevorzugen würde.

Den Unmut vieler Stadtbewohner über das Vorgehen der beiden Fraktionen, sich der Hallig-Idee zu verweigern, brachte ein Husumer auf den Punkt: „Dass darf bei einem zukunftsweisenden Projekt nicht passieren.“ Und das stand dann in der Fragestunde im Mittelpunkt.

Auch den meisten Applaus erhielt nach Vorstellung der Ideen durch den Leiter des WWF-Wattenmeerbüros, Dr. Hans-Ulrich Rösner, die Husumer Hallig, die später sein WWF-Kollege Jannes Fröhlich als „spannendste und ungewöhnlichste Variante“ anpries. Fröhlich: „Wir bereiten uns auf den Klimawandel durch Sedimentation vor. Sonst bleibt es dabei, dass das Meer steigt – und die Marsch absinkt.“

Das „Mini-Eiland“ kann entstehen, wenn der Porrenkoog- zum Landesschutzdeich ausgebaut und der Dockkoog-Deich nördlich der Spitze geöffnet wird. Im Westen besteht dann die Möglichkeit, eine Warft ( 2,5 Hektar groß) aufzuschütten, die Platz für ein Hotel bietet (siehe Grafik). Die Badestelle bleibt unberührt, konnte Rösner die Sorge eines Husumers aus der Welt schaffen – ebenso bei der Verstärkung des Dockkoog-Deiches mit einem Hotel entweder hinter dem Bollwerk oder stadtnah.

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„Dass wir der Stadt zwei Angebote gemacht haben, ist ein Novum“, betonte der Direktor des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH), Dr. Johannes Oelerich. Denn es sind die Küstenschützer, die die Verstärkung des Porrenkoog-Deiches in den Ring geworfen haben. Oelerich beteuerte mehrfach, dass es auch bei einer Öffnung des Deiches „die gleiche Sicherheit“ für die Stadt geben würde. Hans-Ulrich Rösner verwies bei diesem Aspekt auf die Bedeutung des Vorlandes, das ja im geöffneten Bereich des Dockkooges entstehen würde. „Husum ist vom Meeresspiegelanstieg betroffen, für den bis zum Jahr 2100 von 50 Zentimetern bis zu einem Meter oder mehr ausgegangen wird. Wir müssen mit dem Meer wachsen.“ Unterstützung erhielt der Fachmann von einem Uelvesbüller aus dem Publikum: „Das Wasser kommt. Und es ist gut, vorausschauend den Deich zu öffnen, um zu beobachten, wie sich alles entwickelt – so bietet der Meeresspiegelanstieg eine große Chance. Mein ganzer Bekanntenkreis will eine Husumer Hallig“, plädierte der Nordfriese dafür, einen Dockkoog-Bürgerentscheid zu initiieren.

Auch Peter Cohrs, Geschäftsführer der Firma C. J. Schmidt und Sprecher der Werbegemeinschaft Husum, kann dem Hallig-Vorschlag viel abgewinnen. Er sprach von einem „Jahrhundert-Projekt“, das die Ausstrahlung der Stadt verändern würde. Cohrs bekundete Verständnis dafür, dass die Stadtpolitik die Kosten im Blick behalten muss. Aber wenn die zu verstärkende Deichlinie im Porrenkoog kürzer sei, spare das Land schließlich Millionen – „darüber kann man doch in kleinem Kreis einmal sprechen“. Oelerich nahm diesen Faden auf und machte Mut: „Man sollte sich nicht scheuen, die zu fragen, die etwas geben könnten.“ Die Landeigentümer im Koog müssten allerdings auch zustimmen.

Dass in Husum „endlich“ etwas passieren sollte – vor allem in Bezug auf einen nachhaltigen Hotelbetrieb, unterstrich Frank Ketter, Geschäftsführer des Nordsee-Tourismus-Services, mit Verweis auf St. Peter-Ording und Büsum.

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