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Erstaufnahme ohne Bewohner : Husumer Container-Dorf bleibt bezugsbereit

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Leerstandsbewirtschaftung statt Abbau: Erstaufnahme-Einrichtung wird erhalten, auch wenn ein Einzug von Flüchtlingen ungewiss ist. Trotz der begrenzten Existenzdauer gibt es keine Sonderregelung für die Husumer Anlage.

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erstellt am 13.Apr.2016 | 13:00 Uhr

Die Prognosen sahen völlig anders aus: Gegen Ende vergangenen Jahres wuchs die Zahl der Flüchtlinge in der Storm-Stadt rasant an – teilweise verdoppelte sie sich von Woche zu Woche. Die Stadt reagierte. Auf der Multifunktionsfläche des Messegeländes wurde ein Dorf mit 500 Containern errichtet, 375 davon als Wohn- und Schlafräume für jeweils vier Asylsuchende. 1000 Menschen sollten vom 1. Februar an in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes untergebracht werden – aber nur bis Mitte nächsten Jahres: Im Vertrag mit der Husumer Messegesellschaft, der Pächterin des stadteigenen Geländes, wurde festgeschrieben, dass die Fläche am 1. August 2017 „besenrein“ übergeben wird, damit die Messe Husum Wind vorbereitet werden kann.

Doch weder am 1. Februar noch am Folgetermin, dem 1. April, wurde die Unterkunft belegt. Verschoben auf unbestimmte Zeit, hieß es. Innenminister Stefan Studt (SPD) will die leerstehenden Einrichtungen im Land jedoch weiter vorhalten, sagte er in Kiel. Und das gilt auch für die in der Storm-Stadt, trotz deren begrenzter Lebensdauer.

„Wir bewirtschaften die Anlage in Husum jetzt im Leerstand – die Container werden regelmäßig gelüftet und die Rohre durchgespült“, sagt Magdalena Drywa, die Pressesprecherin des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten. Sonderpläne für die Husumer Einrichtung existierten nicht, obwohl die Zeit ihrer geplanten Existenz immer weiter schrumpft. „Als die Unterkunft geplant wurde, war die derzeitige Situation nicht vorherzusehen“, sagt sie. „Wir waren als Land aber in der Pflicht, entsprechend vorzuhalten, um eine große Menge Flüchtlinge aufnehmen zu können.“ Und da niemand mit Bestimmtheit sagen könne, wie sich die Situation in Zukunft entwickele, wäre es „fahrlässig“, sie jetzt abzubauen. „Leerstandsbewirtschaftung ist preiswerter als alles wieder neu aus dem Boden zu stampfen“, so Drywa. „Wir können nichts weiter tun als abwarten.“

Das macht auch die Polizei. „Wenn die Einrichtung belegt wird, bekommen wir – wie für die in Seeth – eine Verstärkung von fünf Vollzugsbeamten von der Polizeidirektion in Flensburg für die Besetzung der zur Unterkunft gehörigen Station zugeteilt“, sagt Dirk Benzmann, der Chef des Husumer Reviers. Das geschehe jedoch erst bei einer tatsächlichen Inbetriebnahme. Bewacht wird das leere Container-Dorf von einem zivilen Wachdienst, den das Land beauftragt hat – und auch bezahlt, ebenso wie den Unterhalt der Einrichtung. Für die Stadt entstehen durch die Anlage keinerlei Kosten, wie Bürgermeister Uwe Schmitz auf der gestrigen Sitzung des Sozialausschusses auf Anfrage noch einmal betonte.

Für den Verwaltungs-Chef ist es auf jeden Fall sinnhaft, das Container-Dorf weiter vorzuhalten. „Das ist ja wie eine Versicherungs-Police, die man hat, auch wenn am Ende nichts passiert.“ Ein Rückbau sei relativ zügig möglich, wenn der festgelegte Termin näherrücke. „Und wenn plötzlich Bedarf besteht, ist auch die kürzeste Zeitspanne nützlich, um Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben“, sagt er.

Derzeit sei die Stadt gut aufgestellt, was die Unterbringung von Flüchtlingen angehe: „Wir haben die letzten Asylbewerber von Ferienwohnungen in Dauerwohnräume umquartiert und auch nichts Neues mehr angemietet.“ Plätze zur dezentralen Unterbringung seien ausreichend vorhanden. „Tatsächlich vertrösten wir derzeit potenzielle Vermieter – wir wissen ja nicht, wie es weitergeht.“ Das gelte auch für die auf der Neuen Freiheit geplanten beiden Neubauten für Flüchtlinge nach dem Kieler Modell: „Diese Planungen werden derzeit unter dem Eindruck der Entwicklung verwaltungsintern neu beleuchtet.“

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