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Nach dem Anschlag in Berlin : Husum trauert – und will sich nicht unterkriegen lassen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf dem Weihnachtsmarkt und in der Marienkirche wurde heute (20.) den Anschlagsopfern gedacht. Verkriechen wollen sich die Husumer jetzt aber nicht.

„Nach reiflicher Überlegung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Husumer Weihnachtsmarkt wie geplant geöffnet bleibt.“ Diese Botschaft veröffentlichten die Betreiber des Weihnachtsmarkts heute (20.) auf Facebook – verbunden mit der Einladung, um 18 Uhr zu einer Gedenkminute vor die Marienkirche zu kommen. Denn der Anschlag am Montagabend in Berlin hat auch die Husumer Standbetreiber beschäftigt: Auch sie waren gestern in Gedanken in der Hauptstadt.

Um 18 Uhr begann die Totenglocke der Marienkirche zu läuten, die Kirchentür öffnete sich und die Budenbeleuchtungen und die Sterne auf dem Weihnachtsmarkt erloschen. In der Kirche selbst erhoben sich die Besucher des Weihnachtskonzerts der Hermann-Tast-Schule zum Gedenken, draußen kehrte an den Stehtischen vor den Glühweinbuden Ruhe ein.

Dass nun weniger Menschen den Husumer Weihnachtsmarkt besuchen, dass haben die Schausteller nicht erlebt. Eher im Gegenteil: Die Leute kämen jetzt aus Prinzip.

So wie Renate Peters aus Rosendahl, die sich einen Punsch gönnte: „Das wollen die doch – dass wir jetzt zu Hause bleiben und uns verkriechen!“ Sie sorgt sich um die Konsequenzen, die der Anschlag haben könnte: „Ich habe vor dem Fernseher gesessen und gehofft, dass es ein Unfall ist“, sagt sie, „das wäre natürlich auch schlimm, aber nicht so .  .  .“

Angst habe er nicht, sagte Richard Kopicki (45). Er sieht den Anschlag auf Berlin als Folge der Flüchtlingspolitik: „Durch Frau Merkel sind viele falsche Leute nach Deutschland gekommen. Verstehen Sie mich nicht falsch – viele der Flüchtlinge haben gute Gründe, zu uns zu kommen“, betonte der Restaurantfachmann. „Aber man hätte sie besser kontrollieren sollen.“

Auch Stefan Carstens stand zwischen den Buden auf dem Marktplatz: „Wir sollten unsere Verhaltensweisen jetzt nicht ändern – dann geben wir nach, dann geben wir auf“, findet der Friedrichstädter Logopäde. Um dann hinzu zu fügen: „Na ja, ich kann ja aus dem beschaulichen Husum aus auch einfach ganz laute Töne spucken.“ Was ihn neben dem Mitgefühl für die Opfer und deren Familien am Montagabend vor dem Fernseher beschäftigt hat: „Wie medial mit solchen Katastrophen umgegangen wird.“ Das Geschehen in Berlin sei auf allen Sendern und in den sozialen Netzwerken auf eine Art und Weise ausgeschlachtet worden, die ihm widerstrebe: „Je mehr die elektronischen Medien sich in solch eine Richtung entwickeln, desto höher schätze ich die Tageszeitung – dort, scheint es mir, wird sachlicher gearbeitet.“

„Wie da spekuliert wurde – obwohl noch gar nichts klar war!“ Auch dem Husumer Peter Pauly (62) hat die Berichterstattung im Fernsehen nicht gefallen. „Und dann schreibt dieser AfD-Mensch auf Twitter: Es sind Merkels Tote .  .  . Das frustriert mich sehr.“

„Wir wollen unserer Trauer und unserem Mitgefühl Ausdruck geben“, hatten die Budenbetreiber in ihrer Einladung zur Schweigeminute geschrieben. Jetzt aber soll der Weihnachtsmarkt weiter gehen: „Wir sind dafür da, bei den Menschen für Freude und Vergnügen zu sorgen – und davon lassen wir uns auch nicht abhalten“, erklärte Matthias Böttger, der einen Getränkestand betreibt, „Wir machen Feste, keine Festungen.“

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erstellt am 20.Dez.2016 | 19:45 Uhr

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