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200. Geburtstag von Theodor Storm : Husum spielt seinen Dichter

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zum 200. Geburtstag von Theodor Storm haben sich Dr. Christian Demandt und Regisseur Frank Düwel etwas ganz Besonderes ausgedacht - und wollen die Bürger mit ins Boot holen.

Husum hat viele bekannte Söhne und Töchter. Doch Theodor Storm nimmt in diesem Kanon eine Sonderstellung ein und hat Husum zu einem Wallfahrtsort für Literaturwissenschaftler aus aller Welt gemacht.

2017 wird der 200. Geburtstag des „Schimmelreiter“-Autors gefeiert. Und die ganze Stadt feiert mit, allen voran die Theodor-Storm-Gesellschaft, der es gelungen ist, den Schriftsteller aus dem Dunstkreis des Heimatdichter-Images zu befreien und ihm seinen verdienten Platz in der Weltliteratur zuzuweisen. Und der es immer wieder gelingt, auf die ungebrochene Aktualität seines Werkes zu verweisen.

Deshalb will es die Storm-Gesellschaft zum Jubiläum auch nicht mit Lesungen und Festvorträgen bewenden lassen. Und so war es wohl auch mehr als Zufall, dass den Sekretär der Gesellschaft, Dr. Christian Demandt, mit Blick auf Storms 200. ähnliche Gedanken umtrieben wie Frank Düwel, Regisseur und Dozent für Regie an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. „Mir schwebte etwas vor, dass die ganze Stadt mit Leidenschaft in den Bann ihres Dichters zieht“, so Demandt. Und dafür hatte Düwel genau die richtige Klaviatur. Schon so manches Mal hat er mit ungewöhnlichen Theaterproduktionen auf sich aufmerksam gemacht – Projekten, die sich bewusst auch an solche Menschen richten, die nichts oder nur am Rande mit kulturellen Belangen zu tun haben.

Gut gefallen hat Demandt Düwels „Schimmelreiter“-Trilogie in Hademarschen, ein Projekt, das sich über drei Jahre erstreckte und fast den gesamten Ort mit einbezog. „So etwas wünschte ich mir 2017 für Husum“, sagt er. Und Düwel hat auch schon einen Plan. In kurzen Szenen sollen Aspekte aus Storms Leben Annäherungen an sein Leben und Werk ermöglichen. Im Zentrum steht dabei die Lyrik. Sie soll von einem Darsteller interpretiert und von einem aus drei Generationen bestehenden Chor szenisch nachgesprochen werden. „Auf diese Weise können die unterschiedlichen Haltungen Storms zu zentralen Aspekten des Lebens erkennbar werden.“

„Eine Stadt spielt ihren Dichter“, bringt es Christian Demandt auf eine ebenso simple wie tiefen-scharfe Formel. Dabei fügen sich Rhythmus, Klang, politisches Sprechen und sinnliche Begegnung zu einem Gesamtbild zusammen. „Für unseren Chor suchen wir je zehn Kinder und Jugendliche, zehn Menschen, die in der Mitte des Lebens stehen, sowie zehn Senioren.“ Zwei professionelle Schauspieler, „die in eine Situation geraten, in der sie denken, sie seien Storm“, komplettieren das Ensemble. Das klingt theoretisch, ermöglicht aber einen sehr praktischen Zugang zu Storm, „weil am Ende zwar jeder einen anderen Menschen vor Augen hat, wir ihm dadurch aber in seiner Komplexität doch viel näher kommen.“

Düwel und Demandt stellen sich eine Art Kammerspiel im Schloss vor, „weil diese Form der Annäherung auch eine gewisse Intimität erforderlich macht“. Und eine intensive Vorbereitung: Deshalb will Düwel auch erst mit dem Schreiben beginnen, wenn das Ensemble steht. „Anfang September soll es im Schloss ein Casting geben, aber nicht so wie wir das aus dem Fernsehen kennen.“ Aus seinen bisherigen Produktionen weiß Düwel, dass sich Menschen in einer fast einjährigen Probenzeit verändern. Das ist Teil des Prozesses und auch Teil der Botschaft. Premiere dieser etwas anderen Annäherung an Storm ist im September 2017. Danach geht es von Husum weiter nach Hamburg.
>Mehr Informationen unter www.storm-gesellschaft.de. Bewerbungen für das Casting Anfang September 2016 ab sofort unter Telefon 04841/8038630 oder per E-Mail an info@storm-gesellschaft.de.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 15:00 Uhr

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