Streit um Mast-Anlage : Husum: Landesamt schafft Platz für Schweine

Knapp 3000 Mastplätze werden künftig auf diesem Hof in Simonsberg zur Verfügung stehen.
Knapp 3000 Mastplätze werden künftig auf diesem Hof in Simonsberg zur Verfügung stehen.

Das Landesamt in Flensburg hat die Erweiterung der Mastschweine-Anlage genehmigt. Gegner wollen klagen.

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09. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Simonsberg | Diese Entscheidung wird viele Menschen in Husum und im Umland sehr enttäuschen: Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat die Erweiterung einer Schweinemastanlage im Simonsberger Ortsteil Finkhaushallig genehmigt. Im Vorfeld hatte sich reger Widerstand gegen das Projekt erhoben. So hatte sich in der benachbarten Wohnsiedlung „Rieke Reech“ die Bürgerinitiative „Gute Luft für Finkhaus“ gebildet, die etliche Protestaktionen und Infoveranstaltungen organisierte. Gegen das Vorhaben gingen 302 Einwendungen von 362 Bürgern und Verbänden beim LLUR ein. Mitte März wurden sie in einer Veranstaltung im Kreishaus mit allen Beteiligten erörtert.

Der Antragsteller, Landwirt Sönke Knudsen, dagegen ist sehr zufrieden mit der Genehmigung. Wann er mit dem Bau beginnen wird, steht allerdings noch nicht fest, wie er auf Anfrage erklärte. Laut Bescheid muss er damit innerhalb der nächsten zwei Jahre anfangen und spätestens drei Jahre nach Zustellung der Genehmigung mit dem Betrieb begonnen haben, andernfalls erlischt die Erlaubnis. Er kann aber eine Verlängerung beantragen. Knudsen möchte mit der Aufstockung seinen Betrieb, zu dem 170 Hektar Ackerland gehören, zukunftsfähig machen. Die Familie betreibt seit drei Generationen Landwirtschaft in Simonsberg, die vierte steht schon in den Startlöchern.

Im Einzelnen plant Knudsen die Erweiterung seines Betriebs von 900 auf 2986 Schweine-Mastplätze. Dazu werden drei Ställe umgebaut. Außerdem sollen drei Futtersilos mit je 30 Tonnen Lagerkapazität, ein Güllehochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 2668 Kubikmeter und ein Verladeplatz mit Vorgrube neu errichtet werden. Die Sauen- und Ferkelhaltung wird dagegen komplett eingestellt.

Die Kritiker des Projekts sehen wegen der zusätzlichen Schweine vor allen Dingen Nachteile für die Lebensqualität und den Tourismus in der Region – durch Güllegestank und die Abluft aus den Ställen. Zweiter großer Kritikpunkt ist der Tier- und der Naturschutz, besonders mit Blick auf die Nähe zum Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer.

Die Stellungnahmen des LLUR zu diesen Einwendungen sind im Bescheid nach Themen geordnet abgedruckt. Der Großteil wird zurückgewiesen. Nur in zwei Punkten geht das Amt von Beeinträchtigungen für die Umwelt aus. Demnach wird die Geruchsbelastung für die Bevölkerung zunehmen, auch wenn keine gesetzlichen Werte überschritten werden. Außerdem wird der zusätzliche Stickstoffeintrag aus der Luft im Nahbereich deutlich, der Critical Load (kritische Belastung) mit Stickstoff im Wattenmeer wird nahezu ausgeschöpft.

Es werden bestimmte Geruchsimmissions-Begrenzungen für den Betrieb Knudsen festgesetzt. Demnach dürfen folgende Wahrnehmungshäufigkeiten nicht überschritten werden: am Biohof, der in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, 11,7 Prozent der Jahresstunden, in der Siedlung Rieke Reech 5,2 Prozent und bei den Anliegern in der Hauptstraße 2,1 Prozent. Besonders die Bewohner der Rieke Reech, die rund 500 Meter östlich von dem Hof der Knudsens liegt, fürchten die Geruchsbelastungen und damit einhergehend auch den Wertverlust ihrer Immobilien. Eine besondere Filteranlage muss übrigens nicht eingebaut werden, da der Antrag noch vor der neuen Regelung eingereicht worden war.

Doch kampflos wollen Mitglieder der Bürgerinitiative das Feld nicht räumen, sie wollen Widerspruch einlegen, wie die BI auf Anfrage erklärte. Dafür haben sie einen Monat Zeit. Es wird derzeit auch geprüft, ob Klage erhoben wird. Der Widerspruch wird allerdings nach Aussage des LLUR keine aufschiebende Wirkung für den Bau haben, da der Landwirt bereits im Vorfeld die sofortige Vollziehung der Genehmigung beantragt hatte. Dem hat das Amt stattgegeben. Die Antragsgegner müssten nun vor dem Verwaltungsgericht die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung beantragen.

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