zur Navigation springen

Hilfe für Jugendliche : Husum: In der Not ein Dach über dem Kopf

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Diakonische Werk in Husum hat sein Angebot erweitert und stellt vorübergehenden Wohnraum für obdachlose Jugendliche bereit. Eine geeignete Wohnung ist oft schwerer zu finden als eine Arbeit oder ein Praktikumsplatz.

Husum | „In Husum haben etwa 50 bis 70 Jugendliche nur unzureichende Wohnmöglichkeiten oder sind ganz obdachlos.“ Zu dieser Einschätzung kam Dieter Pelties bei der Vorstellung eines weiteren Streetworker-Angebotes des Diakonischen Werkes. Als Anlaufstelle sei der „Pavillon Streetwork“ in Nachbarschaft zum ZOB eingerichtet worden, so der Geschäftsbereichsleiter für Soziales und Arbeit beim Diakonischen Werk weiter. „Doch bisher hatten wir für die jungen Menschen mit schwierigen oder ungünstigen Wohnverhältnissen kein Hilfsangebot.“

Als jedoch der Landesverband des Diakonischen Werks in Rendsburg im Jahr 2012 Husum für diesen Aufgabenbereich 20 000 Euro zur Verfügung stellte, konnte ein Wohnkonzept erarbeitet werden. Der Betrag stammt aus der landesweiten Pflichtkollekte. „,Herr StÜBer‘ nennt sich das Projekt, und diese Abkürzung steht für Streetwork – Übernachtung – Beratung und Begleitung“, erläutert Streetworker Jens-Uwe Kiesbye. Zentrumsnah konnte eine Wohnung für dieses Vorhaben angemietet werden, die drei bis vier Wohnungssuchenden ein Dach über dem Kopf bietet. Vor einem halben Jahr konnte damit begonnen werden.

Der Kontakt zu den Betroffenen läuft jedoch über den „Pavillon Streetwork“. „Hier haben wir die Möglichkeit, sie und ihre Wohnprobleme näher kennen zu lernen“, sagt die Sozialpädagogin Antje Fredrich. Zusammen mit Jens Kiesbye und Carmen Lange bildet sie das Pavillon-Team. Doch bevor das Hilfsangebot umgesetzt werden konnte, musste geklärt werden, wer dieses befristete Wohnangebot und unter welchen Umständen in Anspruch nehmen kann. „Wir mussten wissen, worauf wir uns mit der Person einlassen und welche Schwierigkeiten sie mit im Gepäck hat“, so Fredrich weiter. Und noch ein weiterer Aspekt musste in den Vorgesprächen geklärt werden: „Für uns stellt sich bei jedem die Frage, ob wir den erforderlichen Betreuungsaufwand auch leisten können“, ergänzt Kiesbye. Klar sei jedoch von Anfang an gewesen, dass „Herr StÜBer“ von Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren in Anspruch genommen werden kann. Und fest steht auch, dass verbindliche Regeln eingehalten werden müssen. „Der Betroffene muss sich täglich bei uns im Pavillon melden“, lautet beispielsweise eine Regel. So sorge man für Kontinuität im Betreuungszeitraum. „Und wir weisen die Klienten darauf hin, dass es sich hierbei nur um eine Übergangslösung handelt und die angebotene Wohnung kein fester Wohnsitz ist“, sagt Kiesbye. Endziel sei immer, dem Jugendlichen eine geeignete Wohnung anzubieten und ihm eine berufliche Perspektive zu eröffnen.

Hier arbeite man eng mit dem Sozialzentrum und der Agentur für Arbeit zusammen. „Die Menschen kommen ohne jegliche Perspektive oder Lebensplanung zu uns und das wollen wir zusammen mit dem Betroffenen ändern.“ In der Regel werde für den Hilfesuchenden eher eine Arbeit oder ein Praktikumsplatz gefunden als eine geeignete Wohnung. „In Husum eine kleine und bezahlbare Wohnung für einen Single aufzutreiben, ist äußerst schwierig.“ Und damit spricht Pelties ein Problem an, das seit Jahren bekannt ist und ganz offensichtlich nicht so schnell gelöst werden kann. So sieht er es auch immer wieder als ein halbes Wunder an, wenn trotzdem eine kleine Bleibe gefunden wird. Ein Blick zurück auf das vergangene halbe Jahr zeige aber, dass sich dieses Hilfsangebot auf jeden Fall lohne. Bisher habe man mit den Bewohnern des befristeten Wohnangebotes gute Erfahrungen gemacht, bestätigen Kiesbye und Fredrich. „Und wenn wir sehen, wie sie sich entwickeln, heraus aus der Hoffnungslosigkeit hinein in eine ganz neue Lebensperspektive, dann erfüllt uns das mit sehr großer Freude.“

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen