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Umzug aus Platzgründen : Husum adé: Tadsen geht nach Oster-Ohrstedt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Getränkefachgroßhändler sieht sich Oster-Ohrstedt für die Zukunft besser aufgestellt – und scheidet mit einem weinenden Auge. In der Nachbargemeinde steht ihm jetzt ausreichend Platz zur Verfügung.

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erstellt am 03.Mai.2017 | 09:00 Uhr

„Seit 1887 arbeiten wir an der norddeutschen Westküste – mit einem Getränkefachgroßhandel für die Gastronomie und Hotellerie, der viel mehr bietet als die Anlieferung von Bier, alkoholfreien Getränken, Wein und Spirituosen“, heißt es im Werbeprospekt des Unternehmens. Tadsen ist ein Familienunternehmen in fünfter Generation – und eines, das 1997 – im 100. Jahr seines Bestehens – durch die Übernahme der Firma Herbert Petersen GmbH & Co. KG in Husum ansässig wurde. Von hier aus wurden die Niederlassungen Bredstedt, Büsum und Alkersum auf Föhr bestückt. „Es fällt uns schon schwer, Husum künftig nicht mehr im Namen zu tragen“, sagt Senior-Chef Kalle Tadsen.

Aber genauso wird es kommen, denn das Unternehmen zieht um. Die Gewerbefläche in der Gutenbergstraße hat trotz des Neubaus einer Halle im Jahr 2012 ihre Kapazitätsgrenze erreicht und ein Ersatzgelände, das Tadsen und seinen Söhnen im städtischen Gewerbegebiet angeboten worden war, reicht nicht aus, um sich den aktuellen und künftigen Herausforderungen des Marktes zu stellen. Deshalb suchten Tadsens nach einer Alternative – und wurden in Oster-Ohrstedt fündig.

„Nicht, dass da ein falscher Zungenschlag reinkommt, sagt Kalle Tadsen. „Wir haben mit der Stadt immer ein gutes Einvernehmen gehabt und gehen nicht im Groll.“ Doch seien die Rahmenbedingungen in Oster-Ohrstedt einfach besser. Auf dem früheren Gelände der Firma Team Hallenbau – hinter dem Schulgebäude – stehen dem Getränkefachgroßhändler 68  000 Quadratmeter zur Verfügung. „In Husum wären es 18  000 Quadratmeter gewesen“, sagt Tadsen. Und davon wären noch einmal 2000 Quadratmeter für Biotop-Maßnahmen weggegangen. Zum Vergleich: In der Gutenbergstraße verfügt Tadsen derzeit über 8000 Quadratmeter versiegelter Fläche. „Da wären wir schnell an unsere Grenzen gekommen“, erläutert der Senior-Chef. „Das gilt umso mehr, als nach Bauordnung Leergutstapel als Gebäude angesehen werden. Und Leergutstapel gibt es auf dem Gelände eines Getränkehandels naturgemäß zuhauf. „So hätten wir am Ende nicht viel mehr Fläche gehabt als jetzt.“

Das muss Karsten Eggers von der städtischen Bauaufsicht allerdings ein „bisschen korrigieren“: Getränkestapel seien nach Landesbauordnung keine Gebäude, sagt er auf Anfrage. Wohl aber firmierten Unterstände, in denen Leergut gelagert werde, als bauliche Anlagen und seien somit genehmigungspflichtig. Und dort, wo ein Bebauungsplan – in diesem Fall der B-Plan 30 – bestehe, gebe es eine sogenannte Grundflächenzahl, die festlegt, wie viel Fläche dort überbaut werden dürfe.

Alles gar nicht so einfach. Da haben es die Tadsens in Oster-Ohrstedt leichter. Dort gibt es ausreichend Lagerkapazitäten für Gegenwart und Zukunft. Und damit nicht genug: „Die Team AG hat dort vier Hallen zurückgelassen, die wir für unsere Zwecke umbauen“, berichtet Tadsen. Darüber hinaus gibt es noch ein Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 2012 mit 690 Quadratmetern – „möbliert“, so der Chef. „Das werden wir natürlich auch nutzen. Mit anderen Worten: Die Verwaltung zieht mit nach Oster-Ohrstedt. Diese hatte ihren Sitz bereits seit acht Jahren in einem separaten Bürogebäude Am Schulwald 9 in Husum.

In der Branche gebe es eine starke Konzentration auf Mengenlogistiker, plaudert Tadsen aus dem Nähkästchen. Die großen Markenhersteller erlauben nur noch die Abholung ganzer Sattelzüge an ihren Produktionsstätten. „Darauf müssen wir uns einstellen und unsere Abläufe optimieren.“

Gleichzeitig setzt Tadsen auf die Vermarktung von Eigenmarken – Deichlimo, Austernfischer und Schimmelreiter sowie die neue Stachelbeerschorle „Stachel Berry“ sind mittlerweile in der Region fest etabliert. Das Sterben der Landgasthöfe beschäftigt das Familienunternehmen nur bedingt: „Wir spüren, dass viele Betriebe in den vergangenen Jahren investiert haben und die Reservierungsbücher gefüllt sind“, sagt Henning Tadsen, Junior-Chef im Hause.

In Oster-Ohrstedt sind die Hallen so groß, dass Ware auch in den hochfrequentierten Sommermonaten reichlich zur Verfügung steht. „Außerdem haben wir dort ausreichend Platz für unsere Abteilung Event-Equipment mit 22 Bier- und 14 Kühlwagen“, heißt es seitens der Firmenleitung. Rund 35 der 60 Mitarbeiter an sämtlichen Standorten werden mit Tadsen von Husum nach Oster-Ohrstedt ziehen und künftig unter der Firmenadresse Oster-Ohrstedt Schule 3 firmieren.

Kalle Tadsen tut das „in der Seele weh“, wie er beteuert, aber Ortstreue ist das eine, Geschäft das andere. Und was nützt Ortstreue, wenn ein zukunftsorientiertes Unternehmen den Herausforderungen des Marktes nicht begegnen kann. Husum verliert dagegen einen Gewerbebetrieb und damit natürlich auch Gewerbesteuereinnahmen.

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