Gefahr am Deich : Hundebesitzer ignorieren Leinenzwang

So ist es richtig: Der Vierbeiner wird an der Leine zum Spaziergang am Deich geführt.
So ist es richtig: Der Vierbeiner wird an der Leine zum Spaziergang am Deich geführt.

Frei laufende Hunde hetzen und verletzen Schafe am Deich oder schrecken Vögel im Nationalpark auf. Deshalb haben Schaf- und Ziegenzüchter 100 neue Schilder mit Hinweis auf die Anleinpflicht aufstellen lassen.

shz.de von
15. Mai 2015, 13:00 Uhr

Schleswig-Holstein hat Zehntausende Küstenschützer, die an der Nord- und Ostseeküste unentwegt damit beschäftigt sind, die Festigkeit der Deiche zu verbessern. Ihre Tätigkeit ist oftmals lebensgefährlich und nur Gras ihr Lohn. Es sind rund 50.000 Deichschafe, die mehr als 150 Schäfer auf den landeseigenen Deichen im Sommerhalbjahr weiden lassen. Die wolligen Tiere halten die Grasnarbe kurz, sodass sich mehr Wurzeln ausbilden. Mit ihren Tritten verdichten sie zudem den Boden. Beides erhöht die Festigkeit der Deiche und macht die Bollwerke bei Sturmfluten gegenüber auflaufenden Wellen widerstandsfähiger.

Trotz ganzjähriger Anleinpflicht sorgen dort frei laufende Hunde immer wieder für Unruhe bei den Tieren. Im schlimmsten Fall werden Schafe verletzt – manchmal so schwer, dass sie qualvoll sterben. Neuartige Schilder sollen Hundehalter nun so freundlich wie deutlich auf die Anleinpflicht hinweisen.

„Hunde leben ihren natürlichen Jagdtrieb aus – sie hetzen die Schafe, die aus Furcht flüchten. Dabei können sie sich verletzen, in Gräben und Prielen steckenbleiben und bei auflaufender Flut ertrinken. Mitunter werden sie von den Hunden auch direkt angegriffen. Immer wieder kommen Schafe auf diese Weise ums Leben“, weiß Janine Bruser, Geschäftsführerin des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter.

Mit finanzieller und tatkräftiger Unterstützung des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) werden an viel besuchten Deichabschnitten der Nord- und Ostseeküste nun 100 zusätzliche, augenfällige Hinweisschilder angebracht. Sie setzen groß ins Bild, was kleine Schilder und spezielle gelbe Karten, die Hundehaltern in Einzelfällen mahnend übergeben werden, bisher nur teilweise vermochten.

„In schwerwiegenden Fällen erstatten wir Anzeige. Wir möchten aber lieber an die Hundehalter appellieren, denn die Hunde können ihren Jagdtrieb nicht bändigen – die Hundehalter schon“, sagt Frank Barten, Geschäftsbereichsleiter für Küstenschutz im LKN. Er weist zudem darauf hin, dass Hunde oft Kaninchen- und Mauselöcher am Deich aufgraben. Derartige Schäden müssen von seinen Mitarbeitern aber mühevoll repariert werden, damit der Deich sicher bleibt.

Auch für Millionen von Rast- und Brutvögeln in den Vorländern vor den Deichen sind frei laufende Hunde hochproblematisch. Zugvögel werden aufgescheucht und verlieren einen Teil ihrer für den Zug wichtigen Energiereserven. Brutvögel können ihre Gelege oder den Nachwuchs nicht vor Feinden, Unterkühlung oder Überhitzung schützen. Beides mindert die Überlebenschancen der Küstenvögel.

Die ganzjährige Anleinpflicht gilt für alle Deiche und Vorländer der Nord- und Ostseeküste und ist im Nationalparkgesetz (§ 5) und im Landeswassergesetz
(§ 70) beschrieben. Viele Gemeinden haben in ihren Ortssatzungen zudem das Freilaufenlassen von Hunden geregelt und weisen dafür dann spezielle Bereiche aus.

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