Schwabstedter Therapieprojekt : Hunde fördern das Selbstbewusstsein

Mit einem großen Tuch arbeiten  Therapiehunde mit  Menschen, die eine geistige und/oder körperliche Beeinträchtigung haben,  zusammen.
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Unter einem großen Tuch arbeiten Menschen, die eine geistige oder körperliche Beeinträchtigung haben, mit den Therapiehunden zusammen.

Auf dem Schwabstedter Hof Hemme läuft ein ungewöhnliches Therapieprojekt: Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen arbeiten gemeinsam mit den beiden Hunden Rasmus und Ragna.

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12. Juni 2014, 17:00 Uhr

Norbert ist glücklich. Immer wieder streichelt er „Rasmus“, krault sein Fell. Der Golden-Retriever-Mischling und der Behinderte sind offensichtlich ein Team. Harmonie liegt in der Luft. Übungen mit dem Hund bereiten dem 34-Jährigen ebenso viel Freude wie die Schmuseeinheiten, mit denen er seinen „Rasmus“ verwöhnt. Das wöchentliche Training ist etwas Besonderes für beide. Und Teil eines Projektes, das Kirsten Wegner-Thomsen, Vorsitzende des Dachverbandes für tierbegleitende Arbeit, Förderung und Fortbildung (DV-Taff) gemeinsam mit Betreuer Heinz Dieter Huhn vom Hof Hemme seit ein paar Wochen durchführt. Dabei arbeiten Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen mit Therapiehunden. In diesem Fall Menschen mit einem Down-Syndrom, die in der Regel typische körperliche Merkmale aufweisen und in ihren kognitiven Fähigkeiten meist so beeinträchtigt sind, dass sie als geistig behindert gelten. Eine weitere übliche Bezeichnung ist Trisomie 21.

Norbert, einer von 20 Bewohnern des Hofs Hemme, und „Rasmus“, einer von sechs Therapiehunden, bilden eine Einheit. Sieben Heimbewohner nehmen an diesem Projekt teil. Zunächst tollen die Hunde von Kirsten Wegner-Thomsen und ihrer Kollegin Marlies Albertsen herum. Gegenseitiges Beschnuppern vom „Herrchen“ und zugeteiltem Hund. Wiedersehensfreude. Sie können sich riechen.

Am Sonnabend, 14. Juni, sollen die Trainingserfolge der Öffentlichkeit vorgeführt werden. Bei der Generalprobe in dieser Woche waren alle Beteiligten schon ein wenig aufgeregt. Kirsten Wegner-Thomsen und Marlies Albertsen arbeiten ehrenamtlich, haben schon gute Erfahrungen mit ihren Vierbeinern beim Training mit Demenzkranken gemacht: „Der Therapieerfolg geht so weit, dass am Ende sogar weniger Medikamente benötigt werden.“ Und Wegner-Thomsen ergänzt: „In Flensburg haben wir auch schon mit Behinderten gearbeitet. Das ging schneller als wir erwartet und erhofft hatten.“

Gut läuft es auch auf Hof Hemme. Die Teilnehmer haben eine sehr innige Beziehung zu ihrem Hund aufgebaut. Wie Norbert und „Rasmus“. Oder Tommy, der mit seiner gelehrigen Border-Collie-Hündin „Ragna“ schon Sitz oder Platz übt. „So ein Tier stabilisiert die Psyche“, erklärt Heinz Dieter Huhn: „Hunde schulen die Persönlichkeit, machen selbstbewusster und offener.“ Das hat er auch bei seinen „Zöglingen“ festgestellt: „Ihr ganzes Sozialverhalten ist positiv beeinflusst worden.“

Ziel des Projektes: Die Teilnehmer sollen lernen, sich und den Hund zu koordinieren und eine Bindung aufzubauen. Auch wenn nicht jeder so wild aufs Schmusen ist wie Norbert oder so ehrgeizig, seinem Hund Kunststückchen beizubringen, wie Tommy. „Bei der Vorführung werden viele Zuschauer da sein“, bereitet Kirsten Wegner-Thomsen ihre Crew auf den Tag der offenen Tür vor: „Dann müsst ihr daran denken, Leckerchen zur Belohnung für die Hunde bereit zu halten.“

Der 33-jährige Tommy würde am liebsten schon jetzt seine Solo-Nummern mit „Ragna“ vorführen, aber erst gilt es, sich einzuordnen und im Team zu arbeiten. „Wo habt ihr eure Position?“, fragt die Trainerin. Die Teilnehmer beziehen an den jeweiligen farbigen Hütchen Stellung. Erst wird mit den Hunden marschiert, dann folgen kleine Gehorsamsübungen. „Ich habe schon Hundehalter gesehen, die weniger gut mit ihren Tieren bei Fuß gegangen sind“, stellt Huhn zufrieden fest. Für den Mischlingsrüden „Twix“ werden Leckerchen versteckt, die dieser aufspüren muss. Mit einem großen Tuch arbeiten danach wieder alle zusammen. Und schließlich hat Tommy endlich sein Solo: Er lässt „Ragna“ Slalom zwischen den Beinen gehen, macht mit der Hündin „Rolle“ und „hübsch“. „Tommy ist durch den Hund richtig aufgelebt“, freut sich Huhn. Den Heimbewohnern wird der Abschied von ihren Hunden nicht leicht fallen. „Wir wünschen uns sehr, dass das Projekt weiterläuft“, hofft Kirsten Wegner-Thomsen.

Zunächst aber soll die Öffentlichkeit von 10 bis 15 Uhr auf Hof Hemme sehen, wie wunderbar Menschen mit Beeinträchtigungen mit Hunden umgehen können. Und wie glücklich sie sind.

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