Flüchtlinge in Seeth : Humanitäre Hilfe im Vordergrund

Mehr als 300 Flüchtlinge sind inzwischen in der ehemaligen Stapelholmer Kaserne in Seeth untergebracht.
Foto:
1 von 3
Mehr als 300 Flüchtlinge sind inzwischen in der ehemaligen Stapelholmer Kaserne in Seeth untergebracht.

Das Land hat beim DRK Nordfriesland nachgefragt, ob es die Betreuung der Asylsuchenden in der ehemaligen Seether Kaserne übernehmen kann. Das Rote Kreuz stellt sich dieser Aufgabe.

von
31. Juli 2015, 07:15 Uhr

Das Land ruft und die Rot-Kreuzler stellen sich der Aufgabe: Das DRK Nordfriesland soll die Betreuung der Flüchtlinge in der neuen Erstaufnahme-Einrichtung in der Gemeinde Seeth übernehmen. In der ehemaligen Stapelholmer Kaserne wohnen inzwischen bereits mehr als 300 Asylsuchende. Bis zu 600 – so wurde es mit der Gemeinde vereinbart – sollen es in der nächsten Zeit werden, jedenfalls nach offiziellen Angaben des Landes.

Viele haben dabei mitgeholfen, dass die vorläufige Erstaufnahme-Unterkunft hergerichtet, die Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgt und betreut werden. Neben Hilfsorganisationen wie Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und DRK-Bereitschaften engagierten sich auch sehr viele Bürger spontan für die zum Teil traumatisierten Neuankömmlinge. Aber schon heute wissen oder zumindest ahnen viele, dass sich das alles über viele Monate, womöglich Jahre, kaum ehrenamtlich bewerkstelligen lässt.

Das Land hat deshalb den DRK-Kreisverband Nordfriesland gebeten, diese Aufgabe in eigener Regie zu übernehmen. Das bestätigten der neue DRK-Kreisvorsitzende Frank Millack und sein Stellvertreter Rainer Bruns auf Anfrage unserer Zeitung. Ein entsprechendes Vertragswerk ist bislang weder ausgehandelt noch unterzeichnet. Aber das Präsidium des Roten Kreuzes Nordfriesland hat demnach bereits sein grundsätzliches Okay gegeben, diese Aufgabe zu übernehmen.

Der Kreisverband – er zählt rund 9600 Mitglieder in 61 Ortsvereinen – hat Erfahrung mit der Betreuung von Asylsuchenden. Seit vielen Jahren betreibt er in Niebüll erfolgreich und geräuschlos eine Gemeinschaftsunterkunft, in der jeweils rund 30 Menschen vorübergehend untergebracht sind.

Aber selbst für das Rote Kreuz wird die Betreuung der um ein Vielfaches größeren Einrichtung in der Seether Ex-Kaserne ein Kraftakt. Für die Organisation und Logistik zeichnet in den nächsten Monaten Nordfrieslands DRK-Kreisbereitschaftsführer Lars Christophersen verantwortlich. Er ist hauptamtlich beschäftigt in der Rettungsleitstelle in Harrislee und wird von seinem Arbeitgeber, dem Kreis Nordfriesland, für drei Monate freigestellt werden. Überdies sollen nach jetziger Kalkulation rund 20 Vollzeitstellen geschaffen werden für Sozialarbeiter, Pflege- und Verwaltungskräfte. „Den Leuten, die wir einstellen, muss man auch eine Perspektive geben“, betonen Millack und Bruns. Deshalb möchte das DRK Nordfriesland mit dem Land einen Vertrag mit einer Laufzeit von mindestens zwei Jahren abschließen. Das ist auch Beschlusslage des Präsidiums. Kalkuliert wird dabei mit Kosten, die sich im siebenstelligen Bereich bewegen – pro Jahr. Die DRK-Verantwortlichen betonen, dass das Rote Kreuz ausschließlich gegen Kostenerstattung für das Land tätig werden würde. „Es stehen keine finanziellen oder anderen Gründe im Vordergrund“, so Bruns. Und: „Für uns geht es hier um eine humanitäre Aufgabe, der wir uns stellen, das ist auch das Selbstverständnis des DRK.“

„Den Menschen muss im Rahmen dessen, was möglich ist, geholfen werden. Politik ist nicht unsere Baustelle“, betont auch Kreisvorsitzender Millack. Nordfrieslands DRK-Spitze ist sich aber einig, dass es parallel zur Hilfe für Bedürftige auch schneller Entscheidungen auf Bundesebene bedarf, damit Asylsuchende aus sicheren Herkunftsländern zeitnah in diese zurück müssen. Zurzeit kommen in der Erstaufnahme in Neumünster immer mehr Menschen an, die dort auch alle medizinisch untersucht werden. Künftig soll das auch in Seeth möglich sein.

Zum Thema Betreuung verweist das Landesamt für Ausländerangelegenheiten lediglich darauf, dass das Vergabeverfahren noch läuft. Und: Die ehemalige Stapelholmer Kaserne in Seeth solle nur solange genutzt werden, bis eine dauerhafte Erstaufnahme-Einrichtung in Heide für 600 Personen geschaffen ist. „Das erwarten wir 2017“, so Landesamts-Sprecherin Susanne Berndt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert