Kultur auf den Halligen : Hüftschwünge und Selfies mit Sarajane

Kokettierte immer wieder mit dem Publikum: Sarajane.
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Kokettierte immer wieder mit dem Publikum: Sarajane.

Die Britin bringt erstmals Soulpop nach Langeneß – und Wingenfelder verzückt die Fans mit neuen Songs.

shz.de von
04. Juni 2018, 09:00 Uhr

„Soulpop hatten wir bisher noch nicht auf Langeneß.“ Mit diesen Worten eröffnet Veranstalter Malte Jochimsen das Konzert der aus Hamburg auf die Hallig gekommenen Künstlerin Sarajane. Und die – mit zartem Käthe-Kruse-Puppengesicht unter extravaganter Frisur, kurzem Kleid und überlangen Kniestrümpfen – macht der Jochimsen’schen Ankündigung alle Ehre: als „Soulröhre, deren unfassbare Stimme die Seehunde im Wattenmeer hören können“.

In ihrem zehnten Konzertjahr nimmt die sommerliche Eventreihe „Kultur auf den Halligen“ Fahrt auf mit der britischstämmigen Wahl-Hamburgerin. Sarajane zeigt bei Soulpop mit einem Hauch von Jazz die Bandbreite ihrer Stimme: mal rau, heiß und rockig, mal cool, gezähmt und sanftmütig, mal hüpf-jauchzend und kieksend, mühelos hinauf in die Höhe gleitend und gleich darauf mit weichem, dunklem Timbre ganz tief aufs Zwerchfell hinabstürzend.

„Im dunklen, nassen November werdet ihr euch noch an diesen wunderbar warmen Abend erinnern, an dem ihr alle nackt im Schafstall zur Musik von Sarajane getanzt habt“, wärmt die Künstlerin voller Humor ihr Publikum an. So freizügig präsentieren sich die rund 70 Gäste denn nun doch nicht, aber mitgerockt und getanzt wird allenthalben schon – die Musik von Sarajane und ihrer dreiköpfigen Band, bestehend aus Philipp, Daniel und Robin, geht einfach zu sehr ins Blut.

Sarajane präsentiert einerseits Eigenkompositionen in tanzbarem, üppigem Sound und andererseits nahezu balladeske Stücke wie „For You“, die Ode an die Freundschaft, die in einer schlaflosen Nacht auf dem Küchensofa ihrer winzigen Wohnung entstanden sei, als Freundin und Schwester ihr Bett bevölkerten – die Herzen voll von Liebeskummer über ihre schuftigen Partner. Sarajane erzählt charmant aus ihrem Leben – weist sich dabei einen „Migrationshintergrund“ zu, was bedeute, dass ihr nicht unbedingt alle deutschen Wörter auf Anhieb einfallen müssen: „Wenn ihr was in meinen englischen Texten nicht versteht – fragt mich nach der Show.“ Und dann gibt es noch ein wenig „Show“ gemeinsam mit dem Publikum: ein Selfie mit ihr, der Band und den wild winkenden Zuschauern und etwas, das sich nach ihren Worten eignet als „Warming Up“ für schwerfällige Morgenfrühe: Hüftschwung nach links und rechts – und diese Übung führt dann auch gleich mal hinein in einen ihrer Songs.

Die nächsten zwei Abende haben die Songschreiber, Sänger und Gitarristen Thorsten und Kai Wingenfelder mit ihren beiden Bandmitgliedern voll im Griff. „Wir kommen gerade von dem Kreuzfahrtschiff ‚Queen Mary II‘, auf dem wir Peter Maffay begleitet haben“, erzählen sie noch auf dem Schiff, das sie zur Hallig übersetzt. Bei all dem „Nebel von Southampton bis Cuxhaven“ seien sie schwer begeistert von den stillen klaren Mondnächten auf Langeneß, ohne surrende Klima-Anlagen und ohne künstliches Licht: „Einfach herrlich entspannend.“ Ganz besonders begeistert sind sie aber von ihrem Publikum, das ihre neuen acht Songs, die auch auf dem Album „Sieben Himmel hoch“ zu hören sind, gehörig feiert. Die Fangemeinde setzt über auf der bis auf den letzten Platz besetzten „Seeadler“, die Kapitän Heini von Holdt zuverlässig und bedächtig durch das Wattenmeer steuert.

Gras knuspernde und laut schnuffelnde, zuweilen blökende Schafe, Austernfischer mit ihrem schrillenden „Kui-kui“-Ruf, eine Gemeinschaft aus Fans und Künstlern, die sich schon auf dem Wasser näherkommt, Grill-Buffet als Verpflegung und ein Schafstall, in dem Leckerbissen für die Ohren präsentiert werden: Das Konzept von „Kultur auf den Halligen“ besticht durch die enge Verquickung des unverwechselbaren Charakters der Halligwelt mit Perlen aus der Musik.

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