Sommerpausen-Plauderei : Horst Bauer: „Ich musste nichts verknusen“

Horst Bauer
Horst Bauer

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31. Juli 2018, 12:00 Uhr

Husum | Sommerpausen-Plauderei: Während der Ferien geben wir den Fraktionsvorsitzenden der Husumer Parteien Gelegenheit, Revue passieren zu lassen, was sie im vergangenen Jahr besonders beschäftigt hat, und sprechen über Themen, die nach der Sommerpause anstehen.

Eine erste Frage zum Interview vom vergangenen Sommer: Da ging es darum, ob der Deich am Dockkoog wirklich bis zum Jahr 2023 verstärkt wird. Sie haben gesagt, dass Sie dafür eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent sehen. Und heute?

Wenn ich ehrlich bin, bin ich sehr enttäuscht darüber, was sich im letzten Jahr am Dockkoog getan hat. Das ist kein Ruhmesstück, insbesondere der Verwaltung. Nun kam dieser Brand. Und das ausgebrannte Hotel zeigt uns eigentlich nur eines: Niemand will das Thema Dockkoog anfassen. Der Eigentümer kann nichts tun, die Brandursache ist offiziell noch nicht geklärt, die Eigentumsverhältnisse sind kompliziert – da lassen wir es lieber liegen.

Da bin ich als jemand, der gerne etwas anpackt und etwas schafft, entsetzt. Ich weiß nicht, ob unsere politische Kraft in Husum ausreicht, um ein bisschen mehr Dynamik in das Thema zu bringen. Denn die Stadt hat eigentlich nach wie vor die Möglichkeit, dort aktiv einzugreifen, die Gespräche könnten geführt werden.

Ein Beispiel: Vor einem Jahr war schon klar, dass man mit der Unteren Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet sprechen müsste. Das ist bis heute nicht passiert.

Nachdem wir also praktisch ein Jahr keinen Fortschritt erzielt haben, nur neue Probleme on top bekommen haben, wie diese Brandruine, ist die Chance auf eine Realisierung bis 2023 auf zehn Prozent gesunken.

Die Zahl der wütenden Leserbriefe, die sich dazu kritisch äußern, wird irgendwann zunehmen. Ich habe jetzt schon ein Gefühl dafür, wie die Antworten aus der Verwaltung auf diese Kritik klingen werden: Man kann nicht, dieses ist schwierig, jenes ist schwierig . . . Das stimmt auch alles. Nur, man muss ja erstmal etwas anfangen, damit man scheitern kann. Das ist ein Punkt, der macht mir in der Husumer Verwaltung ernsthaft Sorgen.

Bei welchen aktuellen Themen sehen Sie dieses Manko denn noch?

Beispiel: die gefällte Blutbuche auf dem Baugrundstück an der Asmussenstraße. Ich habe immer gesagt, dass man mit so etwas wie einer Baumsatzung aufpassen muss: Sie bedeutet ja erst einmal Bürokratie, und ob sie ihren Zweck dann erfüllt, muss sich erst erweisen. Aber so wie das jetzt gelaufen ist, werden wir einen Antrag einbringen, dass zumindest im Bereich der Gestaltungssatzung auch so eine Baumsatzung erlassen wird, mit der Option sie zu einem späteren Zeitpunkt auf das ganze Stadtgebiet auszudehnen. Ohne ein solches Instrument scheint die Verwaltung nicht in der Lage zu sein, einen Baum zu erhalten.

Aber aus dem Bauamt heißt es doch, man habe keine rechtlichen Mittel, um den Baum zu retten. Sehen Sie das anders?

Ich weiß das nicht. Es wäre ja auch eine Option gewesen, in dem Moment, in dem die Grünen die Sorge um den Baum artikuliert haben, zu sagen: So what?

Zu sagen: Wir können da gar nichts machen, liebe Grüne?

Ja, zu sagen: Wenn Herr Sobottka (der Bauherr, Anmerkung d. Red.) den Baum umhacken will, dann hackt er ihn um und wenn er ihn erhalten will, dann macht er das. Also mit Ehrlichkeit und Transparenz an die Sache ran zu gehen. Stattdessen werden mit einem gewissen Aufwand Gespräche geführt, Berichte gehalten . . . Sich nach allen Seiten absichern zu wollen und es dann doch nicht zu schaffen – da frage ich mich: Wofür dieser Aufwand? Und steht man jetzt besser da als wenn man von Anfang an gesagt hätte, der Baum kann weg?

Was am Ende dabei rausgekommen ist, ist doch auch für den Investor nicht gut. Der ist jetzt der Buhmann, obwohl er ja eigentlich etwas macht, was in unserem Sinne ist: Er schafft Wohnraum.

Einer der letzten Beschlüsse vor der Sommerpause war ja, dass der geplante Parkplatz bei Harmsens Koppel ziemlich groß werden soll.

Möglicherweise muss es zu diesem Beschluss noch einmal eine Neuauflage geben, denn nach dieser Bauausschusssitzung, während der das entschieden worden ist, – ich war nicht dabei –, wussten die Beteiligten aus meiner Fraktion am Ende gar nicht mehr, wie es überhaupt zu dem Beschluss kommen konnte. Da ist offenbar etwas durcheinander gegangen.

Man muss zu diesen Parkplatz-Plänen aber auch realistisch sagen: Bis wir da Baurecht kriegen – man muss das ja alles noch mit der Bahn vertraglich regeln, gutachterlich abklären, was erforderlich ist – vielleicht sind wir bis dahin alle schon auf der Ebene des Car Sharings, und es wird niemals dazu kommen. Weiß man nicht.

Nun ist die Kommunalwahl schon ein paar Monate her. Das Ergebnis der SPD war wahrscheinlich schwierig zu verkraften?

Ja. Wobei wir im Gegensatz zur SPD in anderen Städten noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen sind. Sorgen macht uns die strukturelle Entwicklung, dass wir immer mehr die Wähler verlieren, für die und aus denen die SPD mal gegründet worden ist. Das zeigt mir, dass wir politisch nicht so weitermachen können wie bisher.

Was bedeutet das konkret für die Husumer SPD?

In Husum müssen wir, glaube ich, stärker den Schulterschluss suchen mit den abhängig Beschäftigten, besonders mit denen, die nicht in so gesicherten Feldern arbeiten.

Im Interview vom letzten Sommer haben wir auch darüber philosophiert, ob Sie als stellvertretender Bürgermeister der heimliche Bürgermeister Husums sind oder nicht. Mit der Kommunalwahl haben Sie das Stellvertreteramt nun verloren. War das für Sie schwer zu verknusen?
Das musste ich ganz und gar nichts verknusen. Ich bin jetzt zweiter stellvertretender Bürgermeister und habe genauso viel oder wenig beizutragen wie in den Jahren zuvor. Meinen politischen Möglichkeiten tut das keinen Abbruch.

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