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Fairtrade-Siegel : Hooge ist die erste Fairtrade-Hallig Deutschlands

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hallig Hooge erfüllt die Bedingungen für eine „Fairtrade Town“. Damit will sie ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 11:34 Uhr

Hooge | Produkte mit Fairtrade-Siegel gibt es mittlerweile nicht nur im Weltladen, sondern auch in Filialen großer Supermarkt-Ketten. Die Nachfrage nach fairgehandelten Produkten ist jedoch noch vergleichsweise gering. „Beim Kaffee – dem Standard-Produkt des fairen Handels – entspricht der Fairtrade-Kaffee nur etwa vier Prozent des in Deutschland gehandelten Kaffees“, sagt Markus Schwarz von „Bündnis Eine Welt Schleswig-Holsteins“. Damit das Thema Fairtrade populärer wird, hat der Verein TransFair die Kampagne „Fairtrade Towns“ entwickelt. In solchen Städten soll der faire Handel gezielt gefördert werden. In Schleswig-Holstein gibt es laut Schwarz, dem Promoter für fairen Handel, bereits 17 solcher „Fairtrade-Towns“. Im November kommt die erste Hallig hinzu: Hooge.

Das sind die Fairtrade-Towns in SH

Niebüll, Eckernförde, Neudorf-Bornstein, Kiel, Rendsburg, Heide, Meldorf, Neumünster, Kellinghusen, Eutin, Blunk, Lübeck, Stockelsdorf, Kaltenkirchen, Elmshorn, Bad Oldesloe, Norderstedt

 

„Ich hatte mir das einfacher vorgestellt. Das war ein sehr zäher Prozess“, sagt Michael Klisch, Leiter der Schutzstation Wattenmeer auf der Hallig. Er war es, der die Idee von einem Urlaub auf der ostfriesischen Insel Langeoog – erste Fairtrade-Insel Deutschlands – im Jahr 2015 mitbrachte. „Wir haben bereits einen Fairtrade-Schrank, wir könnten auch erste Fairtrade-Hallig werden“, kombinierte Klisch. Daraufhin beauftragte er seine Mitarbeiter, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) machen, mit der Umsetzung. Diese werden nun in der vierten Generation den Prozess zu Ende bringen.

„Es brauchte alles seine Zeit, aber jetzt ist es endlich rund“, sagt Erco Jacobsen, Mitglied der Steuerungsgruppe Hooge, die den Bewerbungsprozess zur „Fairtrade-Town“ auf der Hallig koordiniert hat. Seit Anfang 2016 läuft die Bewerbung der Hallig, nun hat sie die Zusage bekommen: Am 10. November wird den Verantwortlichen die Urkunde übergeben, ab dann darf sich Hooge die erste Fairtrade-Hallig nennen.

Um diese Auszeichnung zu erlangen, musste die Hallig Bewerbungsunterlagen einreichen, in denen sie darlegt, dass sie die fünf Kriterien für eine Fairtrade-Gemeinde erfüllt. „Es sind Kleinigkeiten, die aber so sinnig sind, dass sie nicht hinterfragt, sondern gelebt werden“, ist Jacobsen überzeugt.

1. Die Kommune verabschiedet einen Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels.
2. Eine lokale Steuerungsgruppe wird gebildet, die auf dem Weg zur „Fairtrade-Town“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert.
3. In den lokalen Einzelhandelsgeschäften und bei Floristen sowie in Cafés und Restaurants werden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten.
4. Produkte aus fairem Handel werden in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen verwendet.
5. Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zur „Fairtrade-Town“.

So muss beispielsweise laut Kriterium drei eine gewisse Anzahl von Einzelhandels- und Gastronomie-Betrieben mindestens zwei Fairtrade-Produkte in seinem Sortiment anbieten. „Die Anzahl wird nach Einwohnerzahl gestaffelt. Städte wie Husum oder Heide brauchen jeweils fünf Einzelhandelsgeschäfte und drei Gastronomie-Betriebe, Hallig Hooge von jedem nur eins“, erklärt Schwarz, der alle Städte, Gemeinden und Kommunen im Land während des Prozesses zur Fairtrade-Auszeichnung begleitet.

„Dieses Kriterium war nicht schwierig. Unser kleiner Kaufmannsladen bietet mittlerweile noch vielmehr Fairtrade-Produkte an“, sagt Jacobsen und will beobachtet haben, dass die Nachfrage an fair gehandelten Produkten steigt. Es habe sich das Bewusstsein der Bewohner – aber auch der Gäste – verändert.

„Der Entwicklungsprozess lief bisher nur bei den Mitgliedern der Steuerungsgruppe“, so Klisch. „Wenn wir die Urkunde in den Händen halten, wollen wir die Öffentlichkeit ansprechen.“ Das sei der nächste Schritt.

Die Entwicklung zur Fairtrade-Hallig ist für die Verantwortlichen naheliegend. „Wir leben hier draußen in der Nordsee im Einklang von und mit der Natur. Von daher war der Schritt zur Fairtrade-Hallig nur eine logische Schlussfolgerung“, ist Erco Jacobsen von der Kampagne überzeugt. Der Leiter der Schutzstation stimmt ihm zu: „Wir sind ein Biosphären-Reservat. Wir verfolgen eine Nachhaltigkeitsstrategie, die auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales beruht. Es ist also selbstverständlich, dass wir uns für das Thema interessieren.“

Ziel ist es, durch kleine Aktionen das gesellschaftliche Bewusstsein für fairen Handel zu schärfen. „Das heißt nicht, dass die Leute nur noch ausschließlich Fairtrade-Produkte kaufen dürfen. Es geht vor allem darum, die Menschen zu sensibilisieren“, so Jacobsen.

Einen direkten finanziellen Gewinn erzielt die Hallig nicht mit dieser Kampagne. „Aber indirekt ist es natürlich ein Gewinn für die Gemeinde. Sie zeigt Verantwortung schafft mit ihrem ehrenamtlichen Engagement einen Image-Gewinn“, sagt Schwarz.

Der Titel gilt zunächst für zwei Jahre. Danach muss die Hallig erneut nachweisen, dass sie die Kriterien erfüllt, erklärt der Promoter für fairen Handel das weitere Vorgehen. Bisher habe aber keine Kommune den Titel wieder abgegeben.

Es gab noch ein paar kleine Ungereimheiten im Bewerbungsprozess, die behoben werden mussten. Den Bearbeitern der Unterlagen war unter anderem nicht klar, dass es auf der Hallig keinen hauptamtlichen Bürgermeister gibt. „Der Bürgermeister hat hier kein eigenes Zimmer und keinen Kaffeeautomaten“, gibt Klisch ein Beispiel. Die Klarstellung solcher Einzelheiten hat den Prozess letztendlich in die Länge gezogen.

Die Urkunden-Übergabe zur Fairtrade-Town soll vormittags, während der Unterrichtszeit, stattfinden. „Wir haben den Termin bewusst gewählt, damit die Schüler auch daran teilnehmen können. Es ist wichtig, dass sie für das Thema sensibilisiert werden. Schließlich sind sie unsere Zukunft“, ist Erco Jacobsen überzeugt.

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