Nächsten Stern im Visier : Holt sich Hattstedt heute Gold?

Die drei Übungsleiter in den blauen Shirts – (v. l.) Dorothee Bußmann-Lemke, Benjamin Zeischke und Tanja Schultz – zeigen den Frauen Techniken zur Selbstverteidigung.
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Zeigen den Frauen Techniken zur Selbstverteidigung: (v. l.) Dorothee Bußmann-Lemke, Benjamin Zeischke und Tanja Schultz.

Der TSV ist bei der Verleihung Stern des Sports in Berlin. Als Landesmeister wollen die Nordfriesen mit dem Angebot „Starke Frauen“ auch bundesweit Erster sein. Sie vertreten Schleswig-Holstein unter den 17 Teilnehmern.

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28. Januar 2015, 08:00 Uhr

Eine Delegation des TSV Hattstedt machte sich Dienstag, 27. Januar, auf den Weg nach Berlin. Im Sony-Center geht es Mttwoch, 28. Januar, für die Nordfriesen um einen Meistertitel des Deutschen Olympischen Sportbunds. Unter den elf Reisenden ist auch Hattstedts Bürgermeister Ralf Heßmann. Der Vorsteher des Amts Nordsee-Treene ist stolz auf seinen Verein. Zu Recht. Denn: der TSV hat sich bereits zwei Titel gesichert. Einen Bronze-Stern als nordfriesischer Kreismeister und eine silberne Auszeichnung als Landesmeister. „Heute noch Gold wäre unfassbar“, raunten sich der TSV-Vorsitzende Thorsten Schulze und Vize, Matthias Hansen, beim Abschlusstraining in der Bürgerschule zu.

Sein Stellvertreter ist beruflich in der Husumer Arche Unterstütztes Wohnen tätig. Durch ihn entstand 2010 eine Zusammenführung seines Arbeitgebers und seines Ehrenamts im TSV Hattstedt. Hansen initiierte gemeinsam mit seiner Kollegin Dorothee Bußmann-Lemke von der Arche eine Inklusionsport-Sparte im TSV. Der Verein hat die Initiative „Starke Frauen“ ins Leben gerufen. Dort kann das weibliche Geschlecht mit oder ohne Behinderung Selbstverteidigung erlernen.

Ein Schlagwort ruft Übungsleiter Benjamin Zeischke laut durch die Halle: „Selbstbehauptung!“ Das Programm, das der Trainer gemeinsam mit Tanja Schultz und Dorothee Bußmann-Lemke anbietet, vermittelt gerade Personen mit Handicap Strategien zur Selbstverteidigung. Es geht um Aktionen der friedlichen De-Eskalation bis hin zum Verhalten bei Angriffen, wenn Worte versagen. Nach ansicht des stellvertretenden Vorsitzenden werden aber montags in Husum in der Frauensportgruppe nicht nur Strategien im Selbstverteidigungstraining entwickelt, sondern auch die Fitness trainiert und Ballspiele erlernt – wie Floorball. „Die Frauen haben Spaß. Sie lernen mit Freude ihren Körper kennen, und wie sie sich zur Wehr setzen können“, erklärt Matthias Hansen das Rundum-Programm für den Körper und die Seele.

Studien waren für die Delegierten des TSV Hattstedt der erste Ansatz, Frauen, die häufig Opfer von Gewalt werden, zu helfen. Der Verein, die Behinderteneinrichtung „Arche“ und die beiden Jiu-Jitsu-Trainer lehren seitdem den Teilnehmern des vermeintlich schwachen Geschlechts, sich gezielt mit einfachen, aber effektiven Techniken zu verteidigen.

Nebenher bewarben sich die Initiatoren des Vereins vergangenes Jahr mit ihrem Gewaltpräventions-Programm „Starke Frauen“ für die Aktion des Deutschen Olympischen Sportbunds und der Volks- und Raiffeisenbanken „Stern des Sports“. Die Powerpoint-Präsentation wurde dann erst vom Kreis gesichtet und bewertet, dann vom Land und nun muss der Bunddarüber entscheiden, wer gewinnt, wer das beste Programm anbietet. In Nordfriesland setzte sich der TSV zunächst gegen die Mitbewerber des Kreises durch und bekam den bronzenen Stern. Im Herbst folgte dann der landesweite Wettbewerb, den Hattstedt auch gewann und den silbernen Stern einfuhr. Am Mittwoch, 28. Januar, findet dann von 10.30 bis 12 Uhr in Berlin der Vergleich unter den 17 nominierten Landessiegern statt. „Nein: der 17. ist nicht Mallorca“, scherzt der Vorsitzende Thorsten Schulze, es wurden zwei Vertreter aus Baden-Württemberg zugelassen, informiert sein Stellvertreter. Ob der TSV Bundessieger wird, und wie die Juroren bundesweit entscheiden, ist Donnerstag, 29. Januar, in unserer Zeitung zu lesen.

Derweil feilen die Nordfriesen an einer Idee, das Programm auszudehnen. Auch Jungen und Männern sollen die Möglichkeit bekommen, sich sportlich auf Gewaltübergriffe vorzubereiten. Die Idee entstand nach einem Fall in der Arche. Ein Sozialpädagoge hatte jahrelang einen lernbehinderten Jungen missbraucht. Das Programm ist guter Ansatz, dem auf jeden Fall ein Sympathie-Stern verliehen wird.

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