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Nordfriesland : Holpriger Weg zum neuen Nahverkehr

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Öffentliche Personennahverkehr in Nordfriesland steht vor einschneidenden Veränderungen. Der demografische Wandel erfordert einen Systemwechsel. Für das Frühjahr 2015 ist eine große Konferenz geplant.

Sinkende Schülerzahlen und demografischer Wandel zwingen zum Umdenken: Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Nordfriesland muss neu aufgestellt werden, wenn er künftig noch funktionieren, sprich bezahlbar sein soll. Der Weg zu einem wie auch immer gearteten Systemwechsel droht allerdings ein holpriger zu werden. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelte der jüngste Kreistag. Denn schon die Frage, wie diese Zukunftsaufgabe sinnvollerweise angepackt werden sollte, sorgte für Auseinandersetzungen der Fraktionen.

Das politische Hin und Her um den ÖPNV, für den die öffentliche Hand jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag aufwendet, gipfelte schließlich in einem Appell von Landrat Dieter Harrsen, den gemeinsamen Weg – auch mit den Gemeinden – nicht zu verlassen. „Sonst gibt es zu viele Reibungsverluste bei diesem wichtigen Thema“, so Harrsen. Denn Mobilität sei eine der großen Herausforderungen der ländlichen Räume für die Zukunft, und Nordfriesland sei da mit seinem vorbildlichen, vom Bund bezahlten Mobilitätskonzept gut davor.

Um die Neuorganisation vorzubereiten, wollen die Fraktionen des Jamaika-Bündnisses – CDU, Grüne und FDP – zunächst noch weitere Informationen sammeln: So soll eine Delegation zu einer Tagestour zur Kreisverkehrsgesellschaft nach Pinneberg aufbrechen, um sich selbst ein Bild zu machen von der Anschaffung und dem Betrieb eines Elektrobusses, so der mehrheitlich gefasste Kreistags-Beschluss. „Ein Elektrobus-Pilotprojekt stünde auch dem Kreis Nordfriesland gut zu Gesicht“, erklärte Uwe Schwalm, Fraktions-Chef der Grünen. Bereits vor einigen Wochen hatte er zusammen mit einer kleinen Delegation bei einer dreitägigen Infotour weitere modellhafte Verkehrsprojekte unter die Lupe genommen.

Parallel zu eigenen Überlegungen soll gemäß Antrag der drei Mehrheitsfraktionen mit den zuständigen Stellen im Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg ausgelotet werden, welche Möglichkeiten, Chancen und Gefahren sich bei einer kreisübergreifenden Organisation der „öffentlichen Mobilität“ ergeben würden. Federführend dabei soll der Wirtschaftsausschuss sein. Voraussichtlich im Frühjahr 2015 wird es dann eine größere Veranstaltung in Husum geben, bei der alle Fakten und Ideen zusammengeführt werden und Vertreter von Politik, Verwaltung und Verkehrsbetrieben mögliche Organisationsmodelle für den künftigen ÖPNV diskutieren können.

Nicht mehrheitsfähig war ein auch von der SPD und der Wählergemeinschaft (WG-NF) unterstützter SSW-Antrag, die Diskussion über Zukunftsperspektiven des ÖPNV im mit Fachleuten besetzten Verkehrsbeirat des Kreises anzusiedeln. Ohnehin warnte SSW-Fraktions-Chef Ulrich Stellfeld-Petersen vor überhasteten Schritten. Um selbst zu wissen, wohin die Reise gehen soll, müsse zunächst eine kreisspezifische Analyse der Personenbeförderung in Nordfriesland erfolgen, ehe Gespräche mit benachbarten Kreisen anstehen. Stellfeld-Petersen bezweifelte, dass eine kreisübergreifende Organisation bis zum Jahr 2017 realisierbar ist. Dann aber stehen Ausschreibungen von ÖPNV-Leistungen an. Zudem mahnte er an, die Verkehrsbetriebe in der Region einzubeziehen, damit diese – und damit Arbeitsplätze – nicht am Ende auf der Strecke bleiben. Auch Erkenntnisse über Hybrid- und Elektro-Antriebstechnik gebe es hier bereits. Und mit Blick auf Schwalms Ausführungen warnte er vor übertriebenen Hoffnungen: „Der von den Hamburger Verkehrsbetrieben eingesetzte Hybrid-Elektrobus auf einer Teststrecke in Hamburg hat bisher Kosten von knapp 3,75 Millionen Euro erreicht.“

SPD-Fraktions-Chef Thomas Nissen bekräftigte, vorhandener Sachverstand könne über den Verkehrsbeirat optimal eingebunden werden. Außerdem bedürfe es offizieller Kontakte zu den Nachbar-Kommunen und einer vom Kreis initiierten – für alle offenen – Veranstaltung zum Thema ÖPNV.

 

Das leistet der Öffentliche Personennahverkehr:

Rund sieben Millionen Fahrgäste werden im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Nordfriesland jährlich befördert. Für den Schüler- und Versorgungsverkehr sowie die Behindertenbeförderung legen die eingesetzten Busse dabei pro Jahr zirka sechs Millionen Kilometer zurück. Zurzeit nutzen etwa 7800 Fahrschüler den ÖPNV. Deren Beförderungskosten werden durch die öffentliche Hand getragen. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro. Gut vier Millionen gibt das Land als Zuschuss, rund sechs Millionen Euro muss der Kreis Nordfriesland aus eigenen Mitteln schultern.

 

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erstellt am 14.Nov.2014 | 14:30 Uhr

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