Westküsten-Stromleitung : Hoffnungen auf Erdkabel begraben

Eine neue Höchstspannungsleitung soll die im Norden erzeugte Energie nach Süden abführen.
Eine neue Höchstspannungsleitung soll die im Norden erzeugte Energie nach Süden abführen.

Die geplante Höchstspannnungsleitung an der Westküste ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Kreispolitiker sind deshalb bereit, sich mit einer Freileitung abzufinden. Die Bürgerinitiative setzt weiterhin auf ein Erdkabel-Konzept.

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05. November 2013, 17:00 Uhr

Sie gilt als das Kernstück der Energiewende in Schleswig-Holstein: Die geplante 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung soll die in Windparks und mittels Photovoltaikanlagen erzeugte Energie künftig entlang der Westküste nach Süden abführen. Schleswig-Holsteins zuständiger Minister Robert Habeck (Grüne) stuft die Trasse gar als „Lebensader der Energiewende“ im Norden ein. Den Bedarf einer neuen Stromtrasse stellen selbst Kritiker nicht in Frage. Die Bürgerinitiative „Eiderstedt unter Höchstspannung“ stößt sich allerdings daran, dass diese als Freileitung konzipiert ist mit – alle 400 Meter – bis zu 60 Meter hohen Masten. Die 500 Mitglieder befürchten gesundheitliche Beeinträchtigungen für Mensch und Tier sowie Landschaftsbild und Denkmalschutz. Die Initiative wirbt stattdessen weiterhin für eine Erdkabel-Lösung via Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) und bereitet parallel dazu eine Klage beim Europäischen Gerichtshof vor.

Auf Anregung der Initiative beschäftigen sich auch die politischen Gremien des Kreises Nordfriesland mit dem Thema. Am kommenden Freitag (8.) – Beginn 9.30 Uhr im Husumer Kreishaus – will sich der Kreistag abschließend positionieren hinsichtlich einer Verkabelung der geplanten 380-kV-Stromtrasse mittels HGÜ-Technik. Die erhoffte deutliche Unterstützung für ihr Anliegen wird die Eiderstedter Initiative dort freilich kaum erhalten. Denn schon im Umwelt- und Energieausschuss zeichnete sich ab, dass die Kreispolitik bei allem Verständnis für die Sorgen von Bürgern übergeordnete und auch andere Interessen nicht ausblenden kann. Eine Zwickmühle also. Das Meinungsbild am Ende: Das Planfeststellungsverfahren für die Freileitung soll weiter vorangetrieben werden, der mögliche Einsatz von HGÜ-Technik aber im Fokus bleiben.

Experten stufen diese nach Aussagen des Kreises zwar als interessante technische Option ein, deren Einsatz allerdings erst in 15 Jahren Stand der Technik sein könnte – Zukunftsmusik also. Denn Teststrecken sind zwar vorgesehen, aber nicht in Schleswig-Holstein, wie Verwaltungsmann Momme Zuppelli den Ausschussmitgliedern deutlich machte.

Die Ausgangslage ist eine andere: Der Bundesgesetzgeber stuft die geplante Westküstenleitung als energiepolitisch notwendig ein und hat auch die Art der Ausführung – als 380-kV-Freileitung in Drehstromtechnik – festgelegt. Dabei geht es zum einen darum, die Kosten, die auf die Endverbraucher umgelegt werden müssen, so gering wie möglich zu halten. Zum anderen um die Versorgungssicherheit: Fällt eine Leitung aus, muss die Energie umgeleitet werden können. Das sehen sowohl das zuständige Kieler Ministerium als auch der künftige Netzbetreiber Tennet beim Ansatz der Bürgerinitiative als nicht gegeben an und verwerfen deshalb das von dieser favorisierte Infranetz-Konzept (wir berichteten).

Einziger Ansatzpunkt für ein Erdkabel ist bisher: Falls im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung im Planfeststellungsverfahren festgestellt werden sollte, dass die Querung der Eider nicht via Freileitung erfolgen kann, wäre nach Informationen aus dem Energiewende-Ministerium allenfalls eine Erdverkabelung in 380-kV-Drehstromtechnik denkbar. Geprüft wird allerdings, bestehende 110kV-Freileitungen über die Eider bei Tönning in die Erde zu verlegen – als Kompensation für den Bau der Höchstspannungsleitung.

Mery Ebsen (WG-NF) erinnerte im Energieausschuss daran, dass sich der Kreistag in der Vergangenheit wiederholt vehement für die Erdverkabelung von Stromtrassen eingesetzt hatte, diese Möglichkeit bei der 110-kV-Leitung von Breklum nach Flensburg aber noch nicht zum Tragen gekommen sei. Jetzt gelte es keine Chance zu verpassen. Auch Hauke Jensen (CDU) plädierte dafür die HGÜ-Technik voranzutreiben.

Das große Ganze will niemand gefährden, wie Michael Drechsler (SSW) und Manfred Uekermann (CDU) deutlich machten. Allein in Schleswig-Holstein sollen im Jahr 2015 prognostiziert 9000 Megawatt erneuerbare Energie – die Größenordnung von sieben bis acht Atomkraftwerken, die bis 2022 vom Netz gehen – erzeugt werden. Uekermann: „Es wäre ein Irrsinn, wenn dieser Strom nicht verbraucht werden kann.“

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