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Schwabstedt : Hoffnung auf eine Freilichtbühne 2.0

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nachwuchssorgen bei der Laiengruppe: Im Nachtigallental wurde in diesem Jahr kein Stück aufgeführt – die Zukunft des Theaters ist ungewiss.

Das idyllische Treene-Dorf hat, gemessen an seiner Größe, in Sachen Freizeit und Kultur eine Menge zu bieten. Da ist zum einen das Flussfreibad, das in diesem Sommer gerade noch einmal aufgehübscht wurde. Zum anderen gibt es den Naturerlebnispfad im Lehmsieker Wald und das Wilde Moor. Schwabstedts Kirche ist eine der ältesten in der Region, darin befinden sich bedeutende Kunstschätze wie der Schnitzaltar. Nördlich des Ortes liegt ein Großsteingrab. Und es gibt das sagenumwobene Nachtigallental mit der einzigartigen Freilichtbühne, auf der seit Jahrzehnten Dorftheater aufgeführt wird.

In diesem Jahr jedoch traten die Schwabstedter Laienschauspieler nicht auf. Die Gruppe kommt nicht mehr auf Spielstärke. „Es gibt Personalprobleme“, erklärt Marion Deckmann, bei der zuletzt die Fäden zusammenliefen. 2018 feiert Schwabstedt 750-jähriges Bestehen, da wäre es doch jammerschade, wenn es ausgerechnet zum Jubiläum kein Theater gibt.

Doch an der Bühne schießt Farn in die Höhe, auf den Kunststoff-Sitzschalen bildet sich bereits zaghaft Moos. „Wir können die Freilichtbühne nicht mehr in Schuss halten”, sagt Deckmann. Wird die Open-Air-Spielstätte jetzt aufgegeben? „Wir möchten das gerne erhalten”, sagt Bürgermeister Jürgen Meyer. „Seit ich mich erinnern kann, gibt es das Freilichttheater“, so der Endsechziger. „Aber wir können hier auch nicht jede Menge Geld versenken, das ist nicht zu vertreten.“

Versenken kann man durchaus wörtlich nehmen, denn auf dem Gelände gibt es ein Feuchtigkeitsproblem. Nach Niederschlägen steht das Wasser regelrecht unter den gut 20 Sitzreihen mit insgesamt 500 Plätzen. Man kommt besser in Gummistiefeln. In der Vergangenheit wurden schon Holzspäne in den Boden eingebracht. „Das sorgt aber nur kurzfristig für Abhilfe“, erklärt Meyer. Für eine dauerhafte Lösung müsste man wohl etwas investieren. „Aber wie viel Geld sollen wir in die Hand nehmen?“, fragt der Gemeindechef. Zumal ja immer auch noch die Gefahr besteht, dass eine Aufführung wegen Regens zwei, drei Tage vorher abgesagt werden muss. „Das ist sehr frustrierend.“

Am liebsten wäre es dem Bürgermeister, wenn im Ortsteil Holbek viele Freilichtveranstaltungen stattfinden könnten. Er ist aber froh, dass es in Schwabstedt im Fährhaus, im Treenehotel und im Treenehaus Bühnen gibt, die bei anhaltend schlechtem Wetter genutzt werden können. Die Thoderlüüd aus Ramstedt-Wisch etwa treten traditionell im Fährhaus auf. Mit Blick auf die Freilichtbühne hat Meyer neue Ideen. Was ihm vorschwebt: Wenn es das Wetter zulässt, kann man dort kurzfristig etwas auf die Beine stellen. „Die modernen Medien machen das möglich.“ Also wird die Bevölkerung beispielsweise via Facebook informiert, wenn sich im Nachtigallental etwas tut. Freilichtheater 2.0 gewissermaßen.
Das lässt sich aber natürlich nur realisieren, wenn es wieder genügend Laienschauspieler gibt. Fürs Jubiläum im kommenden Jahr zeichnet sich übrigens eine Lösung ab. Die Mildstedter Theatergruppe greift der Schwabstedter unter die Arme. Gezeigt werden soll ein Stück aus der Feder von Frenz Bertram. Auf Platt, versteht sich.

Im Nachtigallental gibt es aber noch etwas, das wiederbelebt werden könnte. Direkt neben der Freilichtbühne steht das einstige Waldcafé Liebscher, das vor etwa 15 Jahren geschlossen wurde. Vorerst wird sich daran wohl auch nichts ändern, denn Eigentümer Ernst Liebscher hat keine Pläne mit seinem Anwesen, an dem unübersehbar der Zahn der Zeit nagt. „Das sieht nicht ohne Grund so aus“, sagt Liebscher, „das tut mir in der Seele weh.“ Der 83-Jährige hat dem Vernehmen nach keine Ambitionen mehr. Er führt das auf Ärger mit Behörden zurück. Verkaufen könne er sich vorstellen, doch darum bemüht hat er sich nach eigenen Angaben noch nicht.

So wird das idyllische Tal, in dem der Bärlauch wächst und in dem sich der Sage nach einst Seeräuber versteckt haben sollen, wohl auf unabsehbare Zeit im Dornröschenschlaf liegen bleiben.

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