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Verein Nordseelichter : Hoffen auf ein eigenes Zuhause für Luca

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eltern von Kindern mit geistiger oder körperlicher Behinderung planen Neubau von betreuten Apartments.

Fast alle Eltern geistig oder körperlich behinderter Kinder haben einen Herzenswunsch: Dass ihre Kinder trotz Handicaps eines Tages in einer eigenen Wohnung leben und – bei entsprechend kompetenter Betreuung – ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen können.

So sieht es auch Andrea Lisa Kecinski, die sich vor vier Jahren erstmals Gedanken darüber machte, wie die Zukunft ihres nunmehr 19-jährigen Sohns aussehen soll, denn: „Wir können uns nicht ewig um unsere Kinder kümmern und müssen daher lernen, die Fürsorge irgendwann ein Stück weit abzugeben“. Luca war mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen und leidet zudem unter einer autistischen Erkrankung. In dieser Kombination war das Leben in der Familie so anstrengend und schwierig geworden, dass er seit seinem 15. Lebensjahr in einer Einrichtung an der Ostseeküste lebt. Aufgrund der Entfernung sehen Mutter und Sohn sich derzeit nur an den Wochenenden. „Ihn dort zu lassen war keine Herzensentscheidung – und sie tut bei jedem Abschied aufs Neue weh“, betont seine Mutter, die Luca dort zwar gut aufgehoben weiß, ihn aber künftig wieder näher bei sich haben möchte. „Ich will auch weiterhin Teil seines Alltags sein“, sagt sie.

Bei der Suche nach einer Lösung fand die Physiotherapeutin allerdings in ganz Nordfriesland keine Einrichtung, die zu ihrem Sohn gepasst hätte. „Die Heime leisten bestimmt eine tolle Arbeit. Für Luca erhoffe ich mir aber etwas anderes: Er soll in seinem eigenen Zuhause alt werden können. Damit wünsche ich mir nichts anderes als das, was auch die Eltern gesunder Kinder anstreben“, sagt Andrea Kecinski in der festen Überzeugung, mit diesem Wunsch nicht alleine zu sein. Kurzerhand startete sie über Facebook unter dem Stichwort „WG für Menschen mit Behinderungen ab 18 J. in NF“ eine Umfrage – und stieß auf erstaunlich große Nachfrage. Nachdem sie im Mai acht Interessierte gefunden hatte, gründete die Hattstedterin den Verein Nordseelichter, der sich an Familien richtet, deren Kinder 18 Jahre bis Anfang 30 sind und eine körperliche oder geistige Behinderung haben. „Unser Verein plant einen Neubau mit kleinen Apartments, die den Bedürfnissen unserer Kinder heute und in der Zukunft gerecht werden“, erklärt Andrea Kecinski, die in einer Husumer Randgemeinde bereits eine Option auf ein geeignetes Grundstück hat. Dort sollen Luca und die anderen jungen Erwachsenen ein gemütliches Zuhause finden. Den Initiatoren schwebt eine Art Ersatzfamilie vor, die den Bewohnern Halt und Geborgenheit gibt und bei Bedarf eine dem Handicap angepasste Unterstützung bieten kann. Das barrierefreie Haus soll über einen gemeinsamen Küchen- und Wohnbereich verfügen und Rund-um-die-Uhr-Betreuung gewährleisten. Da die pädagogischen und pflegerischen Aufgaben einem qualifizierten Pflegedienst übertragen werden sollen, kann das Projekt auch neue Arbeitsplätze mit sich bringen.

Die Vereinsvorsitzende hofft nun auf einen Investor, der den Lebenstraum der jungen Behinderten erfüllt, auf weitere Unterstützer und Spenden: „Bei der Realisierung des Projektes werden wir auf Hilfe angewiesen sein“, ist sie sich bewusst.

Interessierte können das Wohnkonzept per E-Mail unter andrealisa@gmx.de und telefonisch unter 04846/2120696 anfordern. Die Idee, die dahinter steckt, fasst Andrea Lisa Kecinski so zusammen: „Eine eigene Wohnung – aber nicht allein gelassen. Selbstbestimmt leben – bei Bedarf Rat und Hilfe in Anspruch nehmen.“

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