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Ein Hafen als Wirtschaftsfaktor : Hoffen auf 4,70 Meter Wassertiefe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husums Außenhafen muss ausgebaggert werden: Darin sind sich alle Akteure mit dem Betreiber einig. 50 Zentimeter fehlen zur gewünschten Wassertiefe von 4,70 Metern.

Wenn an der Südseite des Außenhafens große Frachtschiffe beladen werden, dann sieht das schon beeindruckend aus. Tatsächlich aber gibt es dort ein „kleines“ Problem: die zu geringe Wassertiefe. 4,70 Meter Tiefgang hätte zum Beispiel das MS „Värmland“, würde es in Husum die für sie maximale Fracht von 3000 Tonnen aufnehmen. Doch selbst bei besten Bedingungen lässt der Hafen nur einen Tiefgang von 4,20 Metern zu. 50 Zentimeter zu wenig. Eine volle Auslastung der „Seeschmid“-Flotte ist an diesem Standort demnach derzeit nicht möglich.

„Seeschmid“-Schiffmakler Volker Saupe stand bis Ende 2015 am Ruder bei Wilhelm E. F. Schmid. Fast 55 Jahre Hafengeschichte hat er in Husum mitgeschrieben und weiß daher, wie wichtig es für die Zukunft des Standortes ist, dass das Becken möglichst schnell ausgebaggert und vertieft wird. Er hat noch die Blütezeit des Hafens und seine Krisen in den 1960er- bis 1990er-Jahren miterlebt. Anfangs, so erinnert er sich, legten vor seiner Bürotür noch regelmäßig Postschiffe an; kleine Küstenmotorschiffe versorgten die Inseln und Halligen mit allem Nötigen. Auch der rege Personen- und Ausflugsverkehr trug dazu bei, dass die Stadt als „Tor zur Halligwelt“ wahrgenommen wurde; der Handel rund um den Hafen florierte – und schließlich wurde eine Erweiterung der Hafenanlagen durch den Ausbau der Südseite notwendig. Alte Fotos zeigen das Gelände der Rödemishallig noch als riesige, unbebaute Freifläche.

Die guten Zeiten endeten in den Siebzigern, als an der Westküste neue Fährhäfen gebaut wurden. Von Nordstrand, Schlüttsiel und Dagebüll aus waren die Schiffe deutlich schneller bei den Inseln und nicht mehr so abhängig von Ebbe und Flut. Als dann immer weniger Schiffe Husum ansteuerten, konzentrierte man sich dort verstärkt auf andere Geschäftszweige.

Der Schiffbau war zu der Zeit noch ein wichtiges Standbein des Hafens. Auf Rödemishallig unterhielt die Husumer Schiffswerft ein Baudock für Schiffe bis zu 10.000 Tonnen Tragfähigkeit und lange Reparaturslips. Die Werft beschäftigte in besten Zeiten bis zu 800 Menschen. Auch das „Seeschmid“-Unternehmen gab dort erste eigene Schiffe in Auftrag und schickte zuerst 1981 das MS „Tora“ und 1984 das MS „Ute“ auf große Fahrt, um tonnenweise Schnittholz aus Skandinavien zu holen. „Für den trockenen Transport wurden die Schiffe mit speziellen Schutzdecks ausgerüstet. Sie schützten das Holz vor dem Meerwasser“, erinnert sich Volker Saupe an eine Besonderheit des neuen Schiffstyps, dessen Entwicklung er mit begleitet hat.

Lange trotzte die Husumer Werft der damals bereits beginnenden Werftenkrise und versuchte Ende der 1980er-Jahre sogar noch, sich mit der Entwicklung und Produktion von Windkraftanlagen ein zweites Standbein zu schaffen. Doch das Ende war nicht mehr aufzuhalten: 1999 gingen auch in der Husumer Werft die Lichter aus. Ein bisschen Schiffbau-Atmosphäre herrscht immer noch auf dem Gelände, denn neben dem ATR-Landhandel hat dort auch die auf Schiffsreparaturen spezialisiere Husumer Dock und Reparatur GmbH & Co.KG ihren Sitz. Ebenfalls mit einer Produktionsstätte auf der Hafensüdseite ansässig ist der Windkraftanlagen-Hersteller „Senvion“.

Heute werden in den von der Hauptgenossenschaft Nord AG und dem ATR-Landhandel betriebenen Hafenanlagen pro Jahr fast 400.000 Tonnen Getreide, Futter- und Düngemittel umgeschlagen. Mit dem Gleisanschluss ans öffentliche Eisenbahnnetz, Kran und Waage ist die Infrastruktur im Grunde recht gut.

Für die neuen „Seeschmid“-Geschäftsführer Nicolay Wüst und Tom Brodersen hat der Husumer Hafen derzeit nur ein echtes Manko – die eingangs erwähnte zu geringe Wassertiefe. „Derzeit können wir den Außenhafen mit unseren Tonnagen nicht voll ausnutzen“, bedauern auch sie, loben zugleich aber die Bemühungen des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) mit Sitz in Husum als Betreiber des Hafens. „Die Mitarbeiter dort tun für die angestrebte Vertiefung, was sie können“, sagt Brodersen, überzeugt davon, dass die Zukunft Husums als Hafenstadt gesichert ist, wenn alle Akteure weiterhin an einem Strang ziehen.

Dabei helfen auch vereinbarte Sanierungs- und Unterhaltungskonzepte. Dass die Hafenvertiefung kommen wird, steht auch für LKN-Direktor Dr. Johannes Oelerich außer Frage, allerdings kann er noch keinen Zeithorizont benennen: „Bevor wir mit der Vertiefung beginnen, müssen erst die Ufer saniert werden“, sagt er – und dass diese Vorarbeiten ein paar Jahre in Anspruch nehmen.

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