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Im Boden zum Umspannwerk : Hoffen auf 250 Meter Erdkabel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Friedrichstadt hofft im Rahmen der Westküsten-Stromtrasse auf ein kleines Stück Erdkabel. Die 380-KV-Leitung wird zwar in in luftiger Höhe entlanglaufen, aber der Abzweig zum Umspannwerk könnte im Boden verschwinden.

Noch knapp drei Jahre, dann soll durch die von Tennet geplante und betriebene Westküstentrasse der von den nordfriesischen Windparks produzierte Strom in die Industrie-Ballungsräume weitergeleitet werden. Allerdings wird die 380-KV-Höchstspannungsleitung von Niebüll bis nach Brunsbüttel nicht unter der Erde, sondern an riesigen, bis zu 65 Meter hohen Masten entlanglaufen. Und genau da liegt das Problem, denn viele Grundeigentümer wünschen sich andere Standorte für die Masten. Planerisch allerdings lassen sich nicht alle Wünsche erfüllen, wie der Tennet-Projektleiter Westküste, Dr. Bernd Brühöfner, sagt.

Beispielsweise würde die Verschiebung nur eines einzelnen Mastes eine ganze Kettenreaktion auslösen, da eine Stromleitung nicht im Zickzack-Kurs verlaufen könne, dann nämlich müssten die Tragmasten anders konstruiert werden. Doch es gibt auf dem geplanten Weg des Stroms nach Süden auch noch andere Problemfelder. So beispielsweise die Stadt Friedrichstadt, die mit dem Begriff Stadtdenkmal für sich wirbt. Und die Stadtansicht, da sind sich Brühöfner und Bürgermeister Eggert Vogt einig, würde durch die Stromleitung schon „anders wirken“. Doch eine wirkliche Alternative gibt es nicht.

Nach längeren Verhandlungen einigten sich Tennet und die Stadt schließlich darauf, in dem vorgesehenen Planungskorridor die Trasse so weit nach Osten zu verlegen, wie dies möglich ist. Dazu musste allerdings auch die Zustimmung der beiden Nachbargemeinden Seeth und Drage eingeholt werden. Beide stimmten dem Verlauf zu, da zu den wenigen Gebäuden der Mindestabstand eingehalten wird. Ein Dorn im Auge der Friedrichstädter ist allerdings nach wie vor das Umspannwerk im Osten der Stadt – besser dessen oberirdische Zuleitung. Zwar wird die bestehende 110-KV-Leitung auf die neuen Masten gelegt, doch der Abzweig zum Umspannwerk wird wieder kurz vor dem Neubaugebiet verlaufen. Eine Erdverkabelung, zumindest für diesen Abschnitt, wäre wünschenswert, sagt Vogt. Auch Brühöfner hält eine solche für machbar, da 110 KV-Leitungen unter der Erde bereits Standard seien, zumal es sich nur um eine Strecke von rund 250 Metern handele. Doch entscheiden müsse letztendlich in diesem Fall die Eon und nicht Tennet. Dennoch ist Bürgermeister Vogt optimistisch, dass dies gelingen könnte.

Eine gänzliche Erdverkabelung rundum die Stadt ist nach Auskunft von Brühöfner ausgeschlossen. Es gebe in Deutschland nur fünf Planstrecken für eine Erdverkabelung im 380-KV-Bereich. Und bei Friedrichstadt sei so etwas nicht vorgesehen. Zwar räumt er ein, dass es technische Fortschritte gebe, doch nach wie vor seien die Verbindungsmuffen bei einer solchen Leitung ein Problemfall. Alle 800 Meter müssten die Kabel miteinander verbunden werden. „Dies geschieht in der Fabrik in einem Reinluftraum, in einem Kabelkanal in freier Natur ist ein solcher nur bedingt herstellbar. Daher kann es zu Einschlüssen kommen. Die Folge: Die Muffen können regelrecht explodieren“, beschreibt der Projekt-Chef das Problem.

Eine Erdverkabelung rund um Friedrichstadt, einschließlich der Querung des Naturraumes Eider, sei also nicht vorgesehen. Außerdem erläuterte Brühöfner, dass solch ein Kabel nicht einfach in einem kleinen Kanal verlegt werde, sondern durchaus 25 Meter breite Trassen benötigt werden, auf denen dann später weder Häuser noch Straßen gebaut werden dürften. Die Kabel müssten im Falle eines Defekts sofort erreicbbar sein. Planerisch sei der Einsatz von Erdkabeln im Bereich der Westküstentrasse daher nicht vorgesehen.

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erstellt am 10.Mär.2015 | 15:00 Uhr

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