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Neue Musik in Husum : Hörgewohnheiten neu justieren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Rittersaal des Schlosses steigt das erste Husumer Festival für Neue Musik. Profi-Musiker aus mehreren Ländern machen darüber hinaus Workshops in Schulen. Eine Matienée im Rathaus schließt das Festival ab.

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erstellt am 22.Jun.2016 | 10:00 Uhr

Neue Musik – das klingt irgendwie anstrengend. „Aber das ist es nicht“, versichert Boglárka Pecze, Klarinettistin von Trio Catch, und setzt ein entwaffnendes Lächeln auf. Gemeinsam mit der Schweizer Cellistin Eva Boesch und der koreanischen Pianistin Sun Young-Nam will die junge Ungarin – nomen est omen –, Menschen mit Neuer Musik „fangen“ oder besser noch verzaubern. Und das gelingt dem charismatischen Trio recht gut. Nach Veröffentlichung seines Debüt-Albums „In between“ wurde das Trio von der European Concert Hall Organisation für die Reihe „Rising Stars“ (aufgehende Sterne am Musikhimmel) ausgewählt. Seither tourt das Dreigestirn durch alle großen Konzerthäuser Europas. Ein Schwung, den die Musikerinnen nutzen wollen, um in der Storm-Stadt beim Aufbau eines neuen Musik-Festivals oder vielmehr eines Festivals für Neue Musik mitzuhelfen.

Die Idee zu dieser Reihe, die Husum neben den Raritäten der Klaviermusik, den Junge-Meister-Konzerten und vielem anderen mehr endgültig zu einem Wallfahrtsort der Musik machen dürfte, hatte Matthias Schenke – Zahnarzt im Unruhestand und spät berufener Freizeit-Klarinettist. Der kann mit dieser Art Musik zwar „gar nichts anfangen“, ist aber ein Fan von Trio Catch. „Als ich die Frauen zum ersten Mal gehört habe, spielten sie klassische Kompositionen“, sagt er fast entschuldigend und erinnert sich noch, wie sie danach ein Brett aus dem Baumarkt auspackten und diesem mit Wischen und Klopfen der Hände seltsame Töne entlockten.

Im Grunde genommen ist die Neue Musik eine Art Gegenstück zu jenen Kompositionen, die aus Igor Strawinsky und Maurice Ravel Lichtgestalten der klassischen Moderne machten. Die Schirmherrin und Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, Anke Spoorendonk, blickt in ihrem Grußwort an die Uraufführung von Ravels „Bolero“ anno 1928 zurück. Damals soll eine Dame aus dem Publikum „Hilfe, ein Verrückter“ gerufen haben. Ravel reagierte gelassen und antwortete: „Sehen Sie: Die hat’s kapiert.“

So etwas muss sich in Husum nicht wiederholen, finden Schenke und die Damen vom Trio Catch, hoffen aber auf die innovative Kraft, die von solchen Komposition auf die Musikgeschichte ausgehen kann – wie damals zu Strawinskys Zeiten. Wie zeitgenössisch Neue Musik ist, können Zuhörer auch daran ermessen, dass deren Komponisten nicht mehr nur auf den Kanon des klassischen Orchester-Instrumentariums zurückgreifen, sondern – das Brett ist da nur eines von vielen Beispielen – auf Tonträger und Klangkörper aus dem Lebensalltag.

Das erste Festival für Neue Musik, das vom Rotary-Club Husum, vom Husumer Kunstverein, von der Kreismusikschule und dem Kulturkeller Husum unterstützt wird, will es mit Konzerten aber nicht bewenden lassen. Ein weiteres wichtiges Element sind Workshops mit Schülern der Musikzweige von Hermann-Tast- und Theodor-Storm-Schule. Das Festival selbst beginnt am Freitag, 24. Juni, um 19.30 Uhr mit dem Solo-Rezital „recorder evolution“ im Rittersaal des Schlosses. Es spielt die renommierte Blockflötistin Susanne Fröhlich. Tags darauf, ebenfalls ab 19.30 Uhr, kommt dann Trio Catch mit einem Werkstattkonzert der Koreanerin Eun-Ji Anna Lee in die Aula der Hermann-Tast-Schule. Einziger Wermutstropfen: Für Sun-Young Nam, die an einer schweren Sehnenscheidenentzündung leidet, wird Andrej Koroliov einspringen müssen. Den Schlusspunkt setzt am Sonntag, 26. Juni, ab 12.30 Uhr eine Percussions-Matinée mit Dr. Jonathan Shapiro im Rathaus-Foyer.

Karten für sämtliche Konzerte gibt es in der Schlossbuchhandlung (Schlossgang 10), Telefon 04841/89214 oder unter info@schlossbuch.com.

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