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24 Stunden Husum: 11 bis 12 Uhr : Höchste Konzentration bei jedem Handgriff

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Jeder Handgriff muss sitzen. Höchste Konzentration ist gefordert. Das Herzkatheterlabor des Klinikums Nordfriesland, in dem der Untersuchungsraum einem Operationssaal gleicht, steht im Blickpunkt unserer Serie „24 Stunden Husum“.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2013 | 17:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 7: Das Klinikum Nordfriesland gewährt einen Blick ins Herzkatheterlabor.

„Betreten verboten“ steht auf der großen braunen Schiebetür im Klinikum Nordfriesland. Dahinter verbirgt sich das Herzkatheterlabor, das 2007 eröffnet wurde. Es gehört zum Herzzentrum, das von Dr. Matthias Hoffmann geleitet wird. Wer diesen sensiblen Raum betreten möchte, muss vorher spezielle Bekleidung anziehen – dazu gehören auch die grünen Schuhe.

Es ist kurz nach elf und der Herzspezialist hat sich bereits einige Patienten angesehen. Und im Untersuchungsraum, der einem Operationssaal gleicht, wird soeben der nächste Herzkatheter vorbereitet. „In dieser Zeit werden die meisten Herzuntersuchungen vorgenommen“, berichtet Hoffmann und räumt damit gleich mit einem Gerücht auf. Die Häufung der Behandlung mit einem Herzkatheter ließe sich sehr schwer an Umständen festmachen. Landauf, landab gebe es die Meinung, dass ein Wetterwechsel Herzprobleme verstärken würde. „Grundsätzlich nimmt die Häufung zu – sowohl bei schönem als auch bei unbeständigem Wetter“, so der Spezialist.

Hoffmann spricht von einem aufwendigen Vorgang, der äußerste Konzentration erfordere. Die eigentliche Untersuchung, die er gemeinsam mit einem Team vornimmt, dauert in der Regel gut zehn Minuten. Die Vorbereitung des Eingriffs und die anschließende Nachsorge nähmen noch mehr Zeit in Anspruch. „Ich überprüfe zuerst, was der Anlass ist und ob diese Untersuchung tatsächlich nötig ist.“ Dabei führe man auch einen Gesundheits-Check durch, bei dem die Blut- und Organwerte unter die Lupe genommen werden. „Es wird überprüft, ob es Faktoren gibt, die gegen einen minimalinvasiven medizinischen Eingriff sprechen“, erklärt der Mediziner. „Früher wurde zwischen einem kleinen und einem großen Herzkatheter unterschieden.“ Nun gebe es dafür die Herzultraschall-Diagnostik. Allerdings ist der große Herzkatheter bis heute unverzichtbar.

Auf mehreren Monitoren können die Herzkranzgefäße dargestellt werden. „Unter Umständen muss auch eine intravaskuläre Ultraschall-Untersuchung vorgenommen werden, um Engstellen und unklare Veränderungen genauer beurteilen zu können“, erläutert der Fachmann. Das Ergebnis kann den Patienten sofort mitgeteilt werden.

Im Übrigen sei diese Behandlung, die bereits Anfang der 60er-Jahre entwickelt wurde, reine Routine. „Es gibt aber auch Situationen, in denen uns die Schweißperlen auf der Stirn stehen“, gibt Hoffmann unumwunden zu. „Wenn ein Herzpatient eingeliefert wird, dann ist jede Sekunde lebensnotwendig“, berichtet er und liefert gleich ein eindrucksvolles Beispiel. „Wenn wir nachts gerufen werden, dann müssen wir sofort hellwach und hochkonzentriert sein.“ Zum Glück käme so etwas nicht so häufig vor.

Doch selbst am Tag sei der Umgang mit einem Herzinfarkt eine besondere Herausforderung. Da müsse jeder Handgriff sitzen. Nach solch einer schwerwiegenden Behandlung ist es Zeit für die Mediziner, sich auf sich selbst zu besinnen. „Wenn Feierabend ist, müssen wir uns von den Geschehnissen des Tages auch innerlich verabschieden.“ Und das, so Hoffmann, müsse man zuerst einmal lernen.

Teil 8 morgen: Hinter den Kulissen eines Abfallbetriebs.

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