Digitale Schnitzeljagd : Hoch am „Baum der tausend Würfe“

Am Fuße des „Baumes der 1000 Würfe“ beratschlagen (von links) Mario Schwark und Frank Petersen zunächst die Vorgehensweise mit der der in der Krone versteckte Cache „gehoben“ werden soll.
Am Fuße des „Baumes der 1000 Würfe“ beratschlagen (von links) Mario Schwark und Frank Petersen zunächst die Vorgehensweise mit der der in der Krone versteckte Cache „gehoben“ werden soll.

Geocaching rund um Husum: Die modernen Schatzsucher nehmen einige Strapazen auf sich, um ans Ziel zu gelangen.

shz.de von
21. Juni 2018, 10:00 Uhr

Geocaching – oder die digitale Schnitzeljagd mit dem Handy via GPS-Koordinaten fasziniert Menschen auf der ganzen Welt. Rund drei Millionen Caches (Schätze) haben Anhänger dieser spannenden Freizeitbeschäftigung mittlerweile an geheimen Orten versteckt.

„Es gibt unterschiedlichste Cache-Arten, vom einfachen Cache, bei dem man praktisch mit dem Auto vorfahren kann, bis hin zu Routen, die nur mit speziellem Equipment, zum Beispiel mit Bergsteiger- oder Schnorchelausrüstung zu bewältigen sind“, erklärt Frank Petersen, der bereits viele Jahre zu den aktiven Geocachern zählt.

Zahlreiche Caches gibt es übrigens auch in Husum und in der Umgebung zu finden. Einige davon hat der Husumer selbst versteckt. „Manchmal sind die Dosen jedoch verschwunden oder aber das Logbuch, in das sich die Finder mit ihrem Code eintragen, ist voll. Wenn einer das bemerkt, meldet er es auf den einschlägigen Seiten im Internet und ich gehe dann los und überprüfe den Platz“, erläutert der 47-Jährige, bevor er unauffällig in einem Unterholz bei Schwesing verschwindet. Denn verraten werden die Verstecke nie. „Den Nachfolgenden soll ja nicht die Spannung genommen werden“, erklärt Petersen schmunzelnd.

Die Geocacher seien in ihren Ansprüchen sehr unterschiedlich. Gemein sei ihnen jedoch der Spaß in der Natur und am Draußensein mit Extra-Kick. „Viele treffen sich gern mit anderen zu gemeinsamen Touren. Außerdem tauschen wir uns in Foren über Erlebnisse und die Qualität der Caches aus“, erzählt der Fachmann.

Heute heißt das nächste Ziel „Baum der 1000 Würfe“. Dazu trifft sich Frank Petersen mit Mario Schwark auf einem kleinen Parkplatz bei Lindewitt. Die von Schwark mitgeführte Ausrüstung lässt darauf schließen, dass es ab jetzt hoch hergehen könnte. Denn neben Mückenspray und Proviant hat der 35-Jährige eine professionelle Kletterausrüstung sowie eine gewaltige Wasserbombenschleuder dabei.

Auf der Suche nach dem richtigen Baum erklärt Schwark einiges zu den Statuten, die unter Geocachern Beachtung finden. „Ein Cache hoch in einem Baum darf zum Beispiel nur mit Genehmigung des Försters gelegt werden. Zu den goldenen Regeln gehört außerdem, dass die Natur nicht gestört wird. Ebenso tabu sind Privatgelände und gefährliche Räume wie beispielsweise Truppenübungsplätze. Auf schwierige Touren geht man außerdem nie allein. Ebenso ist die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gruppe selbstverständlich“, führt er aus, während wir mit dem Blick auf den GPS-Bildschirm durch den lichten Wald stapfen.

Am richtigen Baum angekommen, wird sofort klar, woher dieser seinen Namen hat. Denn der gesuchte Cache hängt (nahezu unsichtbar) in stolzen 18 Meter Höhe in der Krone einer mächtigen Buche. Um die Dose zu erreichen, müssen Petersen und Schwark erst einmal die Wurfbeutelschleuder in Stellung bringen. Mit dieser wird ein Kletterseil über einen starken Ast in die Nähe des Verstecks katapultiert. Dafür braucht es viel Kraft, ein gutes Augenmaß – und (gefühlt) 1000 Versuche.

Konzentriert von Frank Petersen gesichert, macht sich Mario Schwark nach diesem ersten, nicht ganz einfachen Akt in voller Klettermontur gut gelaunt an den schwierigen Aufstieg. „In solchen Situationen muss man sich hundertprozentig aufeinander verlassen können“, erklären die beiden. Doch bereits nach wenigen Minuten ist die Dose erreicht und Mario Schwark trägt sich ins Logbuch ein. „Ich war hier nicht zum ersten Mal. Aber ich bin doch immer wieder erstaunt, wie viele es nach oben schaffen“, erklärt er, wieder auf sicherem Boden, schmunzelnd. Zurück auf dem Parkplatz planen die beiden Geocacher für diesen Tag noch einen weiteren Fund – aber wo und wie, verraten sie natürlich nicht.

Weitere Informationen zum Geocaching erhalten Interessierte unter www.geocaching.de.



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