zur Navigation springen

Bordelum : HN-Leser gehen am Stollberg auf Spurensuche

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ob Siedlungsreste aus der Zeit des Eisenerzabbaus, Urnengräber oder ein ehemaliger Bunker: Nordfrieslands höchster Aussichtspunkt birgt Geheimnisse / Eine Expedition mit Überraschungen

Die Abendsonne scheint, es ist warm – ideale Bedingungen für einen Spaziergang in einem der schönsten Natur- und Kultur-Erlebnisräume der Region. 380 Hektar und neun Erlebnisrouten gehören dazu. Das Los hat 25 Leser der Husumer Nachrichten ausgewählt. Sie sind auf Entdeckungsreise am Stollberg – entstanden in der letzten Eiszeit. Die Fachleute Peter Linke, Heinrich Becker und Heiner Ehlers vom Verein Natur und Kultur um den Stollberg begleiten sie. Der Weg führt sie zunächst über den Streifraum mit einem Aussichtspunkt sowie einer Vegetation aus Sträuchern und Bäumen, die sich – bis auf wenig Ausnahmen – selbst geschaffen hat. Plötzlich ein Zaun. Zur Sicherheit der Besucher, erklärt Heinrich Becker, denn dahinter geht es sechs Meter in die Tiefe. Der Streifraum bildet den natürlichen Bewuchs einer Bunkeranlage, von deren Existenz lange kaum jemand wusste.


Im Bunker


Ein drei bis vier Meter breiter, gepflasterter Weg, einst von Lkw genutzt, führt hinab zu einer großen Parkfläche und einer Gebäudefront. Was kaum jemand weiß: Die Anlage hatte niemals eine militärische Funktion, sondern gehörte zum Innenministerium und damit zum Zivilschutz. Gebaut wurde sie in den Jahren 1962/63 dort, wo sich einst eine Kieskuhle befand, berichtet Peter Linke bei einem Gang ins Innere. Ein Aufenthaltsraum, Toiletten und Duschen, kleinere Funktionsräume sind zu sehen. Die nächsten beiden Räume sind riesig, erinnern an leer stehende Parkhäuser: weitläufig, durch viereckige Betonsäulen unterbrochen, lassen sie nicht vermuten, dass hier und im Nebenraum (beide haben eine Fläche von je 480 Quadratmeter) einst genug Ausrüstung lagerte, um zwei Lazarette mit je 70 Betten komplett bestücken zu können.

Es ist trocken, die Luft gleichbleibend kühl. Ein ausgeklügeltes Lüftungssystem, das heute noch zu sehen ist, sorgte für Frischluft, eine Heizung aber gab es hier – mit Ausnahme in den Aufenthaltsräumen – nie. Die Akustik ist schwer zu beschreiben. Echos hallen von den Wänden wieder, und doch muss man sehr aufpassen, Linke hier unten auch gut verstehen zu können. „Über uns befinden sich zwei bis zweieinhalb Meter Beton, dann noch einmal etwa zweieinhalb Meter Erde“, berichtet er – und beschert damit so manchem Besucher ein mulmiges Gefühl.

In der Zeit von 1989 bis 1991 nach Ende des Kalten Krieges wurde die Anlage geräumt. Jetzt befindet sich hier nichts mehr. Der Bunker wurde seinerzeit von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) angeboten – zu einem Preis von 50.000 DM.   Die Gemeinde bot zunächst 5.000 DM. Am Ende bekamen die Bordelumer die Anlage für 11.300 DM. Doch nicht bedingungslos. Viele Ideen, was man hier machen könne, seien im Umlauf gewesen, so Linke: „Eine Chamionzucht oder auch eine Disko waren im Gespräch“ Doch das alles wurde abgelehnt. „Die Anlage darf bis 2019/2020 – nicht kommerziell genutzt werden, und das wird auch alle zwei Jahre kontrolliert“, berichtet er. Und daran werde sich wohl auch danach nichts ändern, ist er sich sicher. „Denn die Gemeinde hat die Anlage aus dem Grunde gekauft, damit hier nichts verändert wird.“


Region im Wandel


Wieder draußen genießen die Besucher die Abendsonne und erkunden das umliegende Gelände. Heiner Ehlers berichtet auf seiner Führung anschaulich über den Wandel, den die Küste durchgemacht hat. Er erzählt von den Urnenfunden hier am Stollberg (50 waren es bisher) und führt die Gruppe schließlich zum liebevoll gestalteten Kulissendorf auf dem Stollberg – und damit auf einen Streifzug in die Eisenzeit. Auch Kinder können ihm folgen. Der „Schmiedejunge Brami“ begleitet sie –mit Hilfe eines Audioabspielgerätes und auf Tafeln – am Fuße des Fernmeldeturms durch sein Dorf und berichtet über das Leben damals.

Der von der EU, dem Land, dem Amt als Träger, vielen Organisationen und Privatleuten geförderte Naturerlebnisraum Stollberg hat noch mehr zu bieten. Doch dafür wollen die Gäste noch einmal wiederkommen – unbedingt.

Der Verein Natur und Kultur um den Stollberg möchte die Besonderheiten der Natur und Kultur im Mittleren Nordfriesland entwickeln, schützen und erlebbar machen. 30 Veranstaltungen bietet er jährlich an. Seine Aufgaben finanziert er aus Spenden, Stiftungen und Einnahmen aus Veranstaltungen. Mehr unter www.bordelum.de

zur Startseite

von
erstellt am 09.Aug.2017 | 11:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen