Training für eigene vier Wände : Hinterm Horizont geht’s weiter

Auch gesunde Ernährung ist ein Thema in den Kursen.
Auch gesunde Ernährung ist ein Thema in den Kursen.

Die neue Wohnschule „Husumer Horizonte“ des Kirchenkreises Nordfriesland hilft behinderten Menschen beim großen Schritt in die Selbstständigkeit.

shz.de von
03. Mai 2015, 16:00 Uhr

Der Abschied vom Elternhaus ist für jeden ein großer Schritt. Doch der Wunsch nach einem eigenständigen Leben entsteht bei allen jungen Frauen und Männern früher oder später. Damit dieser Traum für behinderte Menschen nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, da alltägliche Aufgaben, wie Einkaufen, Kochen oder die Wäsche nicht bewältigt werden können, hat der Kirchenkreis Nordfriesland als Projekt eine ambulante Wohnschule unter dem Titel „Husumer Horizonte“ initiiert. Für Menschen mit einem Handicap und Angehörige steht jetzt ein Kursangebot bereit, um Betroffene fit für ein Leben in den eigenen vier Wänden zu machen. Die Leitung haben Hans Pahl-Christiansen und Maike Krakat.

„Wir haben das Kursangebot bewusst so aufgestellt, dass es nicht nur um das Putzen, eine gesunde Ernährung und das Waschen geht“, erklärt Maike Krakat. „Die Teilnehmer sollen auch mit ihren Finanzen zurechtkommen, sich an der Haustür behaupten können, wenn jemand etwas verkaufen will oder sich am Telefon so melden, dass sie verstanden werden. Wichtig ist auch eine ausgefüllte Freizeit – dazu machen wir uns gemeinsam Gedanken.“ Themen wie Erste Hilfe und Selbstbehauptung stehen ebenfalls auf dem Stundenplan.

Zum Abschluss des einjährigen Kurses wird die Möglichkeit geboten, unterschiedliche Wohnformen kennenzulernen – eventuell sogar mit Probewohnen, um eine realistische Einschätzung der Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes Leben vornehmen zu können. Sämtliche Angebote werden nach den individuellen Bedürfnissen ausgewählt. „Husumer Horizonte“ ist ebenfalls für Behinderte gedacht, die noch im Wohnheim leben und mehr Eigenständigkeit ausprobieren möchten. „Wir setzen das Projekt vor allem in Husum und Schwabstedt um, bei Bedarf aber auch auf Eiderstedt oder in anderen Orten im Kreisgebiet. Das Interesse bei Menschen mit Behinderungen ist sehr groß. Der erste Kursus beginnt Anfang Mai, weitere Angebote werden folgen“, erklärt Hans Pahl-Christiansen.

Für die Kurse in Husum ist die Wohnschule eine Kooperation mit der Rungholtschule eingegangen, in deren Räumlichkeiten unterrichtet wird. „Alle Beteiligten sind darüber sehr glücklich“, weiß Maike Krakat. „Die Teilnehmer kennen die Räume und wissen, dass es darum geht, etwas für ihr Leben zu lernen.“

„Der Kreis Nordfriesland begrüßt dieses wegweisende Projekt ausdrücklich. Wir müssen daran denken, dass Eltern nicht auf Dauer diese Aufgabe schultern können, und dass dann die Kinder plötzlich vor einer Situation stehen, die sie ohne Vorbereitung nicht meistern können“, erklärt Landrat Dieter Harrsen. „ Das Vorhaben passt gut zu unseren Anstrengungen für eine sozialräumliche Arbeit in der Eingliederungshilfe. Die Kursangebote unterstützen die Menschen auf dem Weg in Selbstständigkeit und Teilhabe.“

Die Wohnschule ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Für das mit 223.000 Euro veranschlagte Projekt erhält der Kirchenkreis Nordfriesland von der „Aktion Mensch“ den Löwenanteil von 187.000 Euro, der Rest wird über Teilnehmerbeiträge und Spenden finanziert.

Nähere Auskünfte erteilt Hans Pahl-Christiansen (Einrichtungsleitung), Telefon 04841/969113.

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