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Gesucht: Aktive Einsatzkräfte : Hilferuf der Feuerwehren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am 11. Februar gehen 57 von 132 Wehren in Nordfriesland in die Offensive: Sie stellen ihr wichtiges Ehrenamt den Bürgern vor und werben um Aktive.

Sinkende Zahlen bei den Einsatzkräften, eine in Teilen „reichlich dünne“ Tagesbereitschaft und mittlerweile sieben Feuerwehren, die sich unterhalb der Mindest-Sollstärke von 27 bewegen. Die Lage ist ernst für Nordfrieslands Blaujacken - es muss gehandelt werden. Und dazu hat Kreiswehrführer Christian Albertsen jetzt aufgerufen. Er erklärte bei einem Pressegespräch in Husum: „Die Leute auf dem Land müssen wissen, wo ihre Feuerwehr ist. Sie dürfen dabei nicht nur große Einsatzfahrzeuge hinter verschlossenen Hallentüren vorfinden, sondern sie müssen Gelegenheit haben, mit den Einsatzkräften ins Gespräch zu kommen. Jeder Arzt hat eine Sprechstunde – und jede Feuerwehr?“

Nicht alle – aber bislang immerhin 57 von 132 nordfriesischen Wehrführern haben sich deshalb einer Idee von Amtswehrführer Andreas Petersen (Amt Landschaft Sylt) angeschlossen: Am Mittwoch (11.) wollen sie ihre Gerätehäuser zwischen 18 und 20 Uhr öffnen, um mit Bürgern über ihr Ehrenamt ins Gespräch zu kommen. „Dröög“ sollen diese Begegnungen keineswegs ablaufen: Fast überall sind Aktionen und Aktivitäten geplant. Dass sich Aktionstage „rechnen“, hat die Feuerwehr Friedrichstadt bewiesen: „Dort haben wir 16 neue Leute gewonnen und die Einführung einer Pflichtfeuerwehr abwenden können“, freut sich Albertsen.

Kommt es zurzeit zu Engpässen, werden über die zentrale Leitstelle in Harrislee parallel andere Wehren alarmiert. „Doch“, so gab der Fachwart für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Amtswehrführer des Amtes Viöl, Rolf Schadwald, zu bedenken, „die haben aber keine Vor-Ort-Kenntnisse.“ Sein Appell: „Wir müssen die kleinen Wehren erhalten. Eine Zusammenlegung bringt uns nicht weiter, denn diese Rechnung geht nicht auf. Wenn ich zwei Feuerwehren mit jeweils einer Stärke von 15 zusammenlege, dann habe ich nicht automatisch 30 Einsatzkräfte. Das anzunehmen, wäre Illusion. Realistisch betrachtet, lässt sich vielmehr sagen, dass dann wahrscheinlich 16 nachbleiben.“ Kreiswehrführer Albertsen unterstrich: „Wir müssen überall innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein. Bei guten Ausrückzeiten von vier Minuten verbleiben uns dann im besten Fall noch sechs Minuten für die Anfahrt und den vorgeschriebenen Beginn der Rettungsarbeiten. Da kann der Einsatzradius nur entsprechend klein ausfallen.“ Schließlich gehe es „primär darum, Menschenleben zu retten – für die Häuser gibt es eine Sachversicherung“.

Rolf Schadwald: „Eine Besetzung mit hauptamtlichen Dienstposten rechnet sich auf keinen Fall. Bei einer Rund-um-die-Uhr-Abdeckung, wie sie die Feuerwehren leisten, muss ich jeden Dienstposten fünffach besetzen. Ich spreche mich auch ganz klar gegen eine Zentralisierung aus – denn die Hilfsfristen sind auf gar keinen Fall einzuhalten. Selbst die Berufsfeuerwehren in den vier kreisfreien Städten erhalten Unterstützung durch die freiwilligen Feuerwehren.“ Christian Albertsen stellte klar: „Jede Gemeinde hat eine leistungsfähige Feuerwehr vorzuhalten. Der jeweilige Bürgermeister muss sich um genügend Einsatzkräfte bemühen – und nicht der Wehrführer!“ Der Nachwuchs könne die sich unweigerlich anbahnende Lücke nicht auffangen, erklärte der Kreisbrandmeister: „In den Wehren fehlt das ‚Mittelalter‘ zwischen 30 und 40 Jahren.“

Bewährt haben sich nach Auskunft von Rolf Schadwald „Zweitmitgliedschaften“ – wenn beispielsweise ein Feuerwehrmann in einer anderen Region arbeitet und dann mit der dortigen Wehr zum Einsatz ausrückt. „Aber, dann muss er auch mit den dortigen Kameraden üben.“

5318 Einsatzkräfte

Zum Kreisfeuerwehrverband  gehören 132 Wehren mit 5318 Einsatzkräften (Stand  vom  31. Dezember 2014). Hinzu kommen 54 Jugendfeuerwehren mit  1094 Mitgliedern. Drei Prozent der Nordfriesen sind aktive Mitglieder ihrer Wehren – landesweit liegt der Prozentsatz bei 2,8 Prozent.

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