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Engagierte Abiturienten : Hilfe ist nicht immer nur materiell

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Fünf junge Leute, die in Husum ihr Abitur gemacht haben, zieht es hinaus in die Welt. Mit Hilfe verschiedener Organisationen wollen sie Menschen und Projekte unterstützen und andere Kulturen kennenlernen. Und danach soll es dann an die Uni gehen.

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erstellt am 31.Aug.2013 | 18:00 Uhr

Auf dem Papier verbindet die fünf jungen Erwachsenen nur ihr bestandenes Abitur, vielleicht noch, dass sie alle das dazugehörige Zeugnis in Husum ausgestellt bekommen haben. Ansonsten kennen sich die fünf Abiturienten kaum, sind aber alle durch dieselbe Motivation vereint. Gesa Bochen (20), Christian Jahnke (19) und Ellen Schröder (18) von Nordstrand sowie Olen Johannsen (18) aus Hattstedt und Julia Blank (19) aus Husum wollen andere Menschen unterstützen und entwicklungspolitische Hilfe in fremden Ländern leisten. Julia Blank hat dafür Kontakt zum Bundesfreiwilligendienst (BFD) aufgenommen. Alle anderen sind zur Organisation „weltwärts“ aufgebrochen, die wie der BFD Unterkünfte und Arbeitsplätze für freiwillige Helfer auf dem gesamten Globus heraussucht.

Aber warum nach Georgien, Südafrika oder Indien gehen, um zu helfen? „Ich möchte eine andere Lebenskultur kennenlernen“, erklärt Christian Jahnke, der in Kürze mit dem Verein Deutsch-Indische-Zusammenarbeit nach Nagpur aufbricht. In der „Kleinstadt“ mit 2,5 Millionen Einwohnern, wird er sechs Monate lang leben und Schulkinder unterrichten.

„Es ist aber kein Freiwilliges Soziales Jahr“, berichtet der 19-Jährige. Und auch Missionsarbeit ist nicht Teil des Programms. „Weltwärts“ hat das für seine Reisen sogar untersagt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernimmt für solche freiwilligen Hilfsreisen inzwischen bis zu 75 Prozent der Kosten. Der Rest muss von den privaten Trägerorganisationen, wie der Deutsch-Indischen-Zusammenarbeit getragen werden. Aber selbst mit der staatlichen Förderung koste ein Freiwilliger noch bis zu 1 000 Euro im Monat, sagen die Abiturienten.

Allerdings erhalten die fünf Schulabgänger davon auch ein monatliches Taschengeld, das die Lebenskosten decken soll. „Ich bekomme allerdings weniger, denn die Summe wird der Inflation angepasst“, erklärt Jahnke. So kriegt Ellen Schröder bei ihrer einjährigen Reise in die georgische Krisenregion Abchasien etwa 100 Dollar pro Monat, während Jahnke in Indien mit der Hälfte auskommen muss. „Ich möchte mich durch die Reise auch etwas von unserer Konsumgesellschaft lösen“, sagt Schröder, die während ihres Aufenthalts Workshops für junge Frauen zum Thema häusliche Gewalt geben wird. Wichtig sei zu lernen, was in anderen Ländern besser läuft als zu Hause. Und dafür sei zum Teil auch das wirtschaftliche System verantwortlich, meint die 18-Jährige.

Die Erwartungen solle man aber nicht zu hoch hängen, sagt Gesa Bochen. Vor allem nicht an sich selbst: „Wir sollen ja nicht gleich die Welt auf den Kopf stellen“, wurde ihr in der Vorbereitung mitgeteilt. Bochens Reise führt sie nach Stellenbosch in der Nähe von Kapstadt in Südafrika. Als „Mädchen für alles“ soll sie dort Schulpädagogen unterstützen. „Ich möchte aber auch tiefer in das Land hineinschauen. Mit Hilfe der Programme ist so etwas aber auch möglich“, berichtet die 20-Jährige.

Auch Julia Blank möchte das südlichste Land Afrikas erkunden. Die meiste Zeit ihres Auslandsjahres wird aber auch sie in der Nähe von Kapstadt verbringen. Eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen bietet ihr sowie zehn weiteren Freiwilligen Unterkunft. Als Gegenleistung hilft sie bei den Alltagsabläufen. „Ich werde auch als ,Mädchen für alles’ eingesetzt“, sagt die 19-Jährige. Sie wolle einfach gefordert werden und ihre Grenzen in einer fremden Umgebung austesten.

Das möchte Olen Johannsen – in China. „Ohne dieses Projekt hätte ich wohl nicht die Möglichkeit gehabt, längere Zeit dort zu leben“, erklärt der 18-Jährige. Besuchen wird er die kleine Wüstenstadt Yumen, die „nur“ 200 000 Einwohner hat. Dort soll er Englisch unterrichten und versuchen, mit den Schülern zu musizieren.

Die fünf jungen Erwachsenen sind sich der Kritik, die mit solchen exotischen Reisen verbunden sind, durchaus bewusst. Ethno- oder Krisen-Tourismus helfe schließlich niemandem, sagen sie. „Wir fahren aber im Sinne der Völkerverständigung hin“, erklärt Schröder. Man wolle helfen, wo und wie auch immer. „Außerdem muss unsere Hilfe ja nicht immer materiell sein“, wirft Jahnke ein. Ideelle Unterstützung sei genauso wichtig. Die richtige Arbeit beginne zudem erst nach der Reise, denn „wir sollen durch unsere Auslands-Erfahrungen ja einen Wandel in unserer Gesellschaft anstoßen“, erklärt Schröder.

Zwar wollen alle fünf gleich im Anschluss ein Studium beginnen, aber das sei sicherlich unter einen Hut zu bekommen. Und erst einmal zählt sowieso nur die Reise. Olen Johannsen ist bereits weg, Ellen Schröder fliegt in der kommenden Woche. Christian Jahnke, Julia Blank und Gesa Bochen folgen ihnen in den kommenden Tagen. Vier der fünf freiwilligen Helfer wollen übrigens während ihres Aufenthalts auch regelmäßig einen eigenen Blog schreiben. Und diese Blogs sind unter der folgenden Adresse verlinkt: ellen.schroeder@wordpress.com.

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