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Freier Blick über Eiderstedt : Hilfe für St. Peteraner Binnendünen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf der Fläche zwischen Dorf und Böhl wurden Bäume und Sträucher entfernt. Das Land finanziert die Maßnahme in dem Biotop. Die Reetdächer der Wohnhäuser sind nun deutlich zu erkennen, und Anwohner haben von dort endlich Seeblick.

Die Binnendünen hinter dem Deich zwischen St. Peter-Dorf und -Böhl sehen aus wie eine Kraterlandschaft mit braunen und grauen Flecken, nur an den Rändern im Hintergrund blühen Traubenkirschen und grünen Birken. Der Leuchtturm ist weit in der Ferne zu sehen. Aber nun hat der Spaziergänger freien Blick in Richtung Dorf. Die Reetdächer der Wohnhäuser sind deutlich zu erkennen. Und die Anwohner haben von dort endlich Seeblick. Das war lange nicht möglich und freut die Eigentümer. Von Juli bis in den September hinein aber wird sich dieses Gelände in eine in Heiderot leuchtende Landschaft verwandeln, die eine Deichwanderung vom Südstrand nach Böhl und zurück zu einem Erlebnis werden lässt. Das jedenfalls erhoffen sich diejenigen, die dazu beigetragen haben, diese Dünenbereiche zu entkusseln, so der Fachausdruck.

Als Kussel wird das nachwachsende Gehölz auf Heide- und Moorflächen bezeichnet. Er besteht in den Binnendeichsdünen aus Pionierbaumarten wie Birke, Traubenkirsche und Küstenkiefern. Der Boden wird durch sie verschattet. Mit ihren Blättern entziehen die Bäume dem Boden Wasser. Die Folge: Heide und Moor verschwinden. Das soll nicht sein, daher werden die jungen Gehölze entfernt. Diese mit Entkusseln bezeichnete Maßnahme dient der Landschaftspflege. Ergänzend werden diese Gehölzer kontrolliert abgebrannt und betroffene Flächen beweidet. Die Heidegebiete werden damit offen gehalten und der übermäßigen Verdunstung in Mooren vorgebeugt. Biotypische Pflanzen- und Tierarten bleiben erhalten oder können sich wieder ansiedeln.

Die Maßnahme in den St. Peteraner Dünen ist von Hans Burmeister angestoßen worden. Der Naturfreund und Gemeindevertreter war beim Recherchieren im Internet auf den Bericht „Besonderheiten der Dünenlandschaft binnendeichs in St. Peter-Ording“ von Dr. Katrin Rohman von der Arbeitsgemeinschaft Geobotanik in Kiel gestoßen. Er fand schade, dass hier bisher nur wenig geschehen war. Besitzer des Geländes ist der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt (DHSV). Dieser hat in seiner Satzung die Pflege des rund 245 Hektar großen Wald- und Dünengeländes in St. Peter-Ording festgeschrieben. So wandte sich Burmeister 2011 erst an den DHSV sowie in der Folge an die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Nordfriesland. Dort fand er Ansprechpartner, die sein Anliegen bis heute unterstützen. Solche Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen geschützter Biotope und Gebiete erfolgen auf der Basis des Paragraphen 27 des Landesnaturschutzgesetz und werden durch das Land finanziert. Sie obliegen nicht den Grundstückseigentümern.

Es gab einen Ortstermin und in großer Einvernehmlichkeit zwischen allen Beteiligten von Land, Kreis und DHSV erfolgte dann die Abstimmung des Vorgehens. 13 000 Euro stellte das Land zunächst bereit. Der DHSV begann im Frühjahr 2013 mit den Arbeiten, die jetzt im März beendet wurden. Hans Burmeister freut sich: „Plötzlich kann man vom Weg wieder in die Fläche sehen. Davon profitiert unser Ort. Er lebt ja nicht nur davon, dass er zwölf Kilometer Strand und Wasser hat, sondern auch von der Landschaft.“ Landschaftspflegerische Modernisierungen zum Erhalt der Fläche hat die Untere Naturschutzbehörde mit ihrem Leiter Franz Brambrink nun aufgrund seines Engagements auch künftig weiter im Blick.

Es gibt jedoch auch andere Meinungen. Jochen Rother, Vorsitzender des Umweltausschusses, hält von solcher Landschaftspflege nur wenig. „Wir können doch nicht alle drei Jahre entkusseln. Dann müsste wie in der Lüneburger Heide mit Einsatz von Heidschnucken und Abbrennen auch nachhaltig diese Dünenlandschaft gepflegt werden.“

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