Denkmalschutz auf Eiderstedt : Hilfe für historische Häuser

Das Ehepaar Rath (l.) bei der Übergabe der Stiftungs-Plakette mit Dr. Günter Klatt (2. v. r.) und Hans-Georg Hostrup vor dem ehemaligen Tetenbüller Pastorat.
Das Ehepaar Rath (l.) bei der Übergabe der Stiftungs-Plakette mit Dr. Günter Klatt (2. v. r.) und Hans-Georg Hostrup vor dem ehemaligen Tetenbüller Pastorat.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Sanierung eines Oldensworter Haubargs und des ehemaligen Tetenbüller Pastorats.

shz.de von
19. Juni 2018, 18:00 Uhr

Zwei Objekte und ein Motiv – das verbindet die Besitzer des unter Denkmalschutz stehenden Haubargs Pohns-Warft in Oldenswort sowie des ehemaligen, ebenfalls geschützten Pastorates in Tetenbüll: Sie wollen die historische Bausubstanz erhalten. Frank Carstensen aus Ellerbek bei Hamburg hatte sich in den klassischen Haubarg nahe des Oldensworter Eiderdeiches verliebt und erwarb das Gebäude Anfang 2017. Was alte Gemäuer betrifft, hat Carstensen viel Erfahrung, seit rund 30 Jahren beschäftigt er sich mit Altbausanierungen. „Ich wollte ein Stück Geschichte für künftige Generationen und für mich erhalten. Wirtschaftliche Aspekte habe ich dabei nicht gesehen“, sagt er.

Um bei der Sanierung alles richtig zu machen, nahm er Kontakt mit Hans-Georg Hostrup, Chef der Interessengemeinschaft (IG) Baupflege Nordfriesland/Dithmarschen, auf und ließ sich beraten. In enger Abstimmung und mit Genehmigung durch die untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Nordfriesland packte Carstensen die Sanierung kontinuierlich an. Insbesondere das typische Sechs-Ständer-Werk, das das zehn Meter hohe Bauwerk trägt, bedurfte einer teilweisen Erneuerung. Mit Hilfe von Fachfirmen wurden behutsam Teile der Balken ausgetauscht und so verarbeitet, dass sie nicht neu aussehen.

Zu den von den Vorbesitzern bereits eingebauten vier Ferienwohnungen wird in Kürze eine weitere dazukommen und zudem wird die dringend nötige Neueindeckung mit Reet beginnen. Für diese Maßnahme stellte Carstensen bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit Unterstützung der IG einen Förderantrag und der wurde nun mit einer Summe von 20.000 Euro positiv beschieden. Dr. Günter Klatt, DSD-Ortskurator Husum/Nordfriesland, überbrachte den symbolischen Fördervertrag sowie ein aus Messing gearbeitetes Schild mit der Aufschrift „gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Glücksspirale“, das der Besitzer am Hauseingang anbringen wird. „Der Haubarg gehört zu den mehr als 190 Projekten, die die Denkmalstiftung dank Spenden und Mittel der Glücksspirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Schleswig-Holstein fördern konnte. Jährlich werden im Land etwa 560.000 Euro ausgeschüttet. Ich bin begeistert, wie hier fachgerecht vorgegangen wird“, stellte Klatt fest. Der unveränderte Wirtschaftsteil sei sehr gut erhalten.

Eine Neuigkeit verkündete der Vorsitzende der IG Baupflege, der Klatt begleitete. „Vielleicht ist der Haubarg einer der ältesten seiner Art“, so Hostrup. Eine dendrochronologische Untersuchung durch das Thünen-Institut für Holzforschung im Auftrag der Uni Hamburg an den aus Süd- und Mittelschweden stammenden Hölzern habe ergeben, dass er schon etwa um 1650 erbaut worden sein muss, also etwas über 100 Jahre früher als bisher angenommen. „Ich bin froh, dass es Menschen gibt, denen die Historie so viel bedeutet. Haubarge sind wichtige Baudenkmäler. Etwa 40 sind von den Eigentümern in ihrer historischen Authentizität erhalten. Es gibt aber weitaus mehr“, so Hostrup.

Und noch ein Projekt wird auf Eiderstedt von der Stiftung unterstützt: die Dacheindeckung des ehemaligen Pastorats in Tetenbüll. Die gebürtigen Wiener und in Hamburg sowie in Wien tätigen Geschäftsleute Nicola und Christoph Rath haben ihn vor einem Jahr gekauft. Seither haben auch sie akribisch genau die Substanz des historischen Langhauses, vor 1780 erbaut, durch Fachleute aufarbeiten und insbesondere das Dach mit Reet eindecken lassen. „Wir hörten zufällig davon, und da wir Tetenbüll bei vielen Urlaubsaufenthalten regelrecht lieb gewonnen haben, war es für uns schnell klar: Wir müssen das Gebäude einfach erhalten“, berichtet Nicola Rath, die mit ihrem Ehemann bereits in der österreichischen Hauptstadt ein historisches Gebäude vor dem Zerfall gerettet hat. „Viele ältere Tetenbüller haben hier schon hereingeschaut und geäußert, dass irgendwie alles so wird wie es früher war. Das ist der größte Dank“, erzählt der Hausherr. Auch sie nahmen die IG Baupflege und den Kreis mit ins Boot und stellten einen Förderantrag zugunsten der Dacheindeckung. Auch hier trat der Vertreter des DSD in Aktion und überreichte einen zweckgebundenen Förderbescheid über 30.000 Euro sowie die obligatorische Tafel. „Etwas Besseres konnte der Gemeinde Tetenbüll nicht passieren, denn das Pastorat bildet mit der Kirche St. Anna, dem Kirchhof, den Grabmalen und Gruftbauten ein bedeutendes bauliches Ensemble“, so Klatt.

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