160 Asylbewerber im Amt Nordsee-Treene : Hilfe für Flüchtlings-Koordinatorin

Im Kaufhaus „Bunte Vielfalt“ können sich Flüchtlinge und andere Hilfsbedürftige mit gespendeten Dingen versorgen.
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Im Kaufhaus „Bunte Vielfalt“ können sich Flüchtlinge und andere Hilfsbedürftige mit gespendeten Dingen versorgen.

Für das Mildstedter Sozialkaufhaus „Bunte Vielfalt“ wird dringend ein neues Domizil gesucht. Dort können Flüchtlinge und andere Hilfsbedürftige Haushaltsartikel, aber auch Fahrräder, günstig erwerben.

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09. Juli 2015, 11:30 Uhr

Die Lage in Nahost ist nach wie vor katastrophal, auch in vielen anderen asiatischen und afrikanischen Staaten herrschen Krieg, Hunger und große Not. Kein Wunder also, dass der Flüchtlingsstrom nach Europa und nach Deutschland nicht abreißt. Im Bereich des Amtes Nordsee-Treene leben gegenwärtig 160 Asylbewerber, wöchentlich kommen fünf bis sieben hinzu. Bislang, so unterstreicht Amtsvorsteher Ralf Heßmann, funktioniere der Apparat Flüchtlingshilfe ganz ordentlich, wenn es auch an einigen Kanten knirsche. Doch daran seien nicht die Akteure vor Ort Schuld, vielmehr die vorgegebenen Regularien sowie die eigenen Zielvorgaben.

„Wir wollen möglichst alle Flüchtlinge in den wenigen zentraleren Orten des Verwaltungsbereichs unterbringen“, sagt er. Denn so sei die Integration viel leichter zu bewerkstelligen, beispielsweise, wenn direkt im Ort eingekauft werden könne. Doch von diesem Ziel sei man noch entfernt, einfach weil die Kapazitäten in den größeren Orten nicht vorhanden seien. Wohnraum für alle Asylbewerber gebe es bislang, doch eben auch in abgelegeneren Bereichen, wie beispielsweise in Ohrstedt-Bahnhof. Da sei es dann schon mit der Betreuung schwieriger, denn selbst zum Einkauf müsse eine Transportmöglichkeit gefunden werden.

Im so genannten Funktionsraum V, Amt Nordsee-Treene, Amt Viöl und Stadt Husum, ist für die Koordinierung der vielen ehrenamtlichen Helfer seit Januar dieses Jahres Urte Andresen vom Diakonischen Werk angestellt worden, Nun wird darüber beraten, eine weitere Kraft einzustellen, um ihr die reine Verwaltungsarbeit von der Hand zu nehmen. Heßmann sieht gute Chancen, dass das Vorhaben auch vom Sozialraumträger gebilligt wird.

Die Flüchtlinge würden sich überwiegend in den Gemeinden gut aufgenommen fühlen, dennoch werde in der Zukunft weiterer Wohnraum gesucht. Wer etwas anzubieten hat, sollte sich daher mit der Amtsverwaltung in Mildstedt in Verbindung setzen. „Für Vermieter ist das eigentlich ideal, denn die haben eine garantierte Mietzahlung durch uns“, sagt Heßmann. Neben Wohnraum wird dringend auch eine neue Halle, beziehungsweise ein neues Domizil für das Mildstedter Sozialkaufhaus „Bunte Vielfalt“ gesucht. Ende des Jahres muss die Halle an der Stadtgrenze zu Husum geräumt werden, Ersatz ist daher notwendig. Dabei muss es nicht unbedingt eine Halle sein, auch ein Wohnhaus würde sich für das Projekt eignen. Das Kaufhaus bietet eine bunte Vielfalt an Artikeln, von Kleinmöbeln über Fahrräder und Kleidung bis hin zu Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik. Vorwiegend ist die Ware im rund 250 Quadratmeter großen Lager für Flüchtlinge gedacht, doch natürlich, so betonte es Urte Andresen bei der Einweihung, könnten auch andere Hilfsbedürftige dort Unterstützung erfahren. Wie in den anderen Sozialkaufhäusern könnten Dinge des täglichen Bedarfs für einen kleinen Obolus erworben werden.

A und O der Integration sei aber die Sprache, daher würden Sprachkurse vielfach auch ehrenamtlich angeboten. Die Sprache ist aber nicht nur beim täglichen Miteinander wichtig. Viele der oftmals unter Lebensgefahr geflohenen Menschen sind traumatisiert, einige dadurch auch psychisch krank. Geholfen werden kann ihnen nur durch psychologische Fachkräfte, die aber auch nur dann Erfolge verzeichnen können, wenn sie mit Dolmetschern zusammenarbeiten, die auch die feinsten Nuancen der jeweiligen Sprache beherrschen. Auch an Lösungen für diese Fälle werde gearbeitet, sagt Ralf Heßmann und räumt mit einem Vorurteil auf. Auch für die Asylbewerber gelten die gleichen langen Wartezeiten wie für alle anderen Patienten auch.

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