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Gotteshaus in Not : Hilfe für die Christophoruskirche

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an der Friedrichstädter Christophoruskirche sind unterbrochen worden, weil das Geld ausging. Doch jetzt gibt es Hilfe der ganz besonderen Art.

Es staubt – und zwar kräftig. Wenn hier gearbeitet wird, kann man die Hand vor Augen kaum sehen. Auf dem Baugerüst an der Ostwand der St.-Christophorus-Kirche herrscht reges Treiben. Dr. Ivalu Vesely und ihre Truppe sind gerade dabei, den Putz mit Hammer und Meißel abzutragen und die Teerpappe zu entfernen, die dahinter liegt. „In den 1970er-Jahren versuchte man, damit der Feuchtigkeit Herr zu werden – und hat so leider Staunässe produziert“, erklärt Christoph Sassenhagen, Pastor der evangelischen Kirchengemeinde in Friedrichstadt. Seit März wird der älteste Sakralbau der Grachtenstadt aufwendig saniert. Hausschwamm, Feuchtigkeitsschäden im Gebälk und rostende Maueranker haben der Saalkirche, die nach niederländischem Vorbild in den Jahren 1643 bis 1649 errichtet wurde, massive Schäden zugefügt. Die Kosten wurden vor vier Monaten auf 120.000 Euro geschätzt. Der Kirchenkreis Nordfriesland, der die Decken- und Dachstuhlsanierung der St.-Christophorus-Kirche als Notfall eingestuft hat, trägt den Löwenanteil. 20  000 kommen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 10.000 Euro von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland. Den Eigenanteil von 10.000 Euro muss die Gemeinde durch Spenden aufbringen.

Doch seit Mai liegen die Dinge anders. Das Geld ging aus, die Bauarbeiten mussten unterbrochen werden, die Handwerker abrücken. „Es gab einfach zu viele böse bauliche Überraschungen“, sagt Pastor Sassenhagen. Doch dann kam ein Anruf aus Lübeck – von Dr. Ivalu Vesely, zuständig für die dortige Niederlassung der Jugendbauhütten. Hier leisten junge Erwachsene unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ihr Freiwilliges Soziales Jahr in den Bereichen Denkmalpflege und Handwerk. Mit ihrem 20-köpfigen Team wollte die Architektin nach Friedrichstadt kommen und der Kirchengemeinde 100 Arbeitsstunden spenden. Das erklärt auch, warum seit wenigen Tagen schwarze Zelte vor dem Kirchbau aufgestellt sind, denn dort und im Gemeindehaus übernachten die jungen Helfer, die 18 bis 21 Jahre alt sind und aus Deutschland, Österreich und Eritrea kommen. „Friedrichstadt mit seiner besonderen Geschichte ist ein beliebter Einsatzort“, erklärt Vesely. In den vergangenen 14 Jahren hat sich die Stiftung immer wieder in irgendeiner Form für St. Christophorus engagiert. „Allerdings“, so betont Vesely, „wollen und können wir nicht mit dem Handwerk in Konkurrenz treten. Wir kommen immer dann, wenn Not ist.“

Was hier passiere, sei eine absolute Win-win-Situation, sind sich Sassenhagen und Vesely einig. Der Kirchengemeinde werde geholfen, und die jungen Erwachsenen, die meist gerade ihren Schulabschluss in der Tasche haben, wollen zum großen Teil später in den Bereichen Restauration und Architektur arbeiten. „So lernen sie, wie der Alltag in diesen Berufen funktioniert, sagt die Architektin. Mit Hilfe von Seminaren und Vorträgen haben sie sich auf diese Arbeit vorbereitet. Praktisch heißt das in Friedrichstadt zum Beispiel: Sie schlagen die Fugen an der Außenhaut der Kirche mit Hammer und Meißel aus und füllen sie mit Muschelkalk neu. Für die 18- bis 21-Jährigen ist ihr Einsatz in der Holländerstadt Teil eines einwöchigen Seminars. Am Sonnabend wird das Team wieder abreisen.

Doch zurück zur Kirche. „Es gibt gute Neuigkeiten“, erklärt Pastor Sassenhagen und lächelt. Vor wenigen Tagen habe der Kirchenkreis weitere 125.000 Euro für die Decken- und Dachstuhlsanierung freigegeben. Der Eigenanteil, den die Kirchengemeinde jetzt aufbringen müsse, erhöhe sich damit aber gleichzeitig auf 15.000 bis 25.000 Euro. Nun hofft Christoph Sassenhagen, dass es im kommenden Jahr grünes Licht für die zweite große Baumaßnahme gibt: Ab Mai soll dann der Chorraum saniert werden. Die Kosten dafür werden auf 127.000 Euro geschätzt.

Eine Kirche, die monatelang nicht für Gottesdienste und andere Feierlichkeiten genutzt werden kann – das ist für die rund 1400 Gemeindemitglieder schwer zu ertragen, da ist sich Sassenhagen sicher. „Zurzeit weichen wir ins Gemeindehaus, in die Kirche nach Koldenbüttel und in die Remonstrantenkirche aus“, sagt er. Der Theologe hat sich fest vorgenommen, die Türen des Gotteshauses zwischenzeitlich – von Advent bis Mai – wieder zu öffnen. „Aber wie Sie sehen, gibt es noch einiges zu tun“, erklärt er. Dann krempelt der Pastor die Ärmel hoch, nimmt die Schubkarre und bringt eine Ladung staubigen Schutt nach draußen.

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erstellt am 25.Jun.2017 | 08:00 Uhr

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