zur Navigation springen

24 Stunden Husum: 1 bis 2 Uhr : Hilfe bei der Ankunft auf der Welt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zehn Hebammen betreuen werdende Mütter in der Klinik Husum rund um die Uhr. Wir haben Conny Hansen auf ihrer Nachtschicht besucht – um 1.12 Uhr war sie bei der Geburt von Luca Nikolaus Holm dabei.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 12:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedenste Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 21: Nachtdienst einer Hebamme.

Diese Fröhlichkeit und Herzenswärme, mit der Eileen Holm (24) begrüßt wird, nimmt ihr gleich viel von den Ängsten, die sie begleiten. „Na, wollen wir Dein Kind kriegen“, ruft ihr die Hebamme Conny Hansen (53) zu und geleitet sie in die Abteilung für Geburtshilfe der Husumer Klinik. Obwohl sich die beiden Frauen bis zu dem Moment nicht kennen, springt der Funke zwischen ihnen sofort über. Prompt stellt sich jene Nähe ein, die typisch ist für die Geburtshilfe seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte, der solidarischen Hilfe, die sich Frauen in diesen Stunden gegenseitig leisten.

Eileen Holm steht vor ihrer ersten Geburt, wird jedoch von erfahrenen Frauen begleitet: ihrer Mutter Christel Holm, die die ganze Nacht an ihrer Seite bleiben wird, und von Ina Sebelin, eine von Eileens engsten Freundinnen. Ina hat schon eine zweijährige Tochter, und diese Gespräche zwischen den jungen Frauen geben der jungen Mutter die Zuversicht, dass bestimmt alles gut gehen wird. Für die Begleitung in die Klinik hat Ina sich selbst schnell einen Babysitter organisieren müssen. Bald liegt Eileen in einem der Betten, plaudert gelassen mit ihrer Mutter und der Freundin. Ins Stocken kommt die Unterhaltung nur durch teils kräftige Wehen.

„Der Muttermund ist etwas geöffnet, sie bleibt auf jeden Fall hier“, beschreibt Conny Hansen die Lage. Die Hebamme rechnet fest mit einer Geburt in dieser Nacht. Sie hat das nötige Bauchgefühl dafür, die spontane Urteilskraft aus mehr als 30 Jahren Erfahrung in diesem Beruf. Die Wartezeit gibt Gelegenheit, im Stationszimmer mit ihr über diesen einzigartigen Beruf und die höchst emotionalen Stunden einer Geburt zu sprechen. Während ihrer ersten Ausbildung zur Kinderpflegerin absolvierte sie ein Praktikum im Kreißsaal, erzählt sie. „Die wunderbaren Ereignisse dort fesselten mich derart, dass ich mich fest entschloss, selbst Hebamme zu werden.“ Ein paar Fakten: Hebammen absolvieren an einer von rund 60 Schulen, die an Kliniken angegliedert sind, eine dreijährige Ausbildung. 1600 Stunden Theorie, 3000 Stunden Praxis. Bundesweit arbeiten 60 Prozent freiberuflich, wie jene, die Eileen Holm vor und nach ihrer Schwangerschaft begleitet.

An der Husumer Klinik teilen sich zehn Hebammen in drei Schichten: von 6 bis 14.15 Uhr, 14 bis 22.15 Uhr und von 22 bis 6.15 Uhr. Die viertelstündige Überlappung bietet genügend Zeit, die individuelle Situation jeder Frau zu erörtern und sie in die fürsorglichen Hände ihrer Nachfolgerinnen zu übergeben. Selbstverständlich bleibe jede Kollegin auch länger, wenn es die momentane Situation der Frauen erfordere, so Conny Hansen weiter – Ergebnis des engen Vertrauensverhältnisses, von dem schon die Rede war. Die Klinik Husum biete alle üblichen Verfahren an, ein Kind auf die Welt zu bringen, erläutert sie. In den drei Kreißsälen könnten die werdenden Mütter ihre Geburtsposition frei wählen, inklusive Unterwassergeburt in einer speziellen „Badewanne“. Die Hauptaufgaben der Hebammen seien, zur Entspannung und Beruhigung bei der Verarbeitung der Wehen beizutragen. „Nichts ist wichtiger, als die Frauen zu ermutigen und ihnen Vertrauen in den natürlichen Geburtsprozess zu vermitteln.“ Hebammen helfen im Team mit den Ärzten an der Husumer Klinik rund 600 Babys jährlich auf die Welt.

Ina verabschiedet sich derweil von Eileen, ihr Babysitter kann nicht länger auf ihr Kind aufpassen. Mutter Christel Holm bleibt an der Seite ihrer Tochter. Immer schmerzhafter werden die Wehen von Eileen. Bald zeichnet sich ab, dass ein Kaiserschnitt notwendig ist. Die Ärzte werden hinzugerufen. Und um 1.12 Uhr wird Luca Nikolaus Holm geboren, ein gesundes, kräftiges Baby.

Teil 22 morgen: Mit einer Zivilstreife der Polizei unterwegs.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen