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Ein Haus voller Geschichte : Hertie-Immobilie: Countdown für Abriss läuft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Obgleich es schon weitgehend ausgeräumt ist, finden sich im Inneren des Husumer Kaufhauses noch immer Zeugnisse einer bewegten Vergangenheit. Karstadt, Hertie, Husumer Kaufhaus – hier ist noch von allem etwas da.

Der Kessel ist riesig – so groß wie der eines Tankwagens. Nur dass er tief unter der Erde steht – in den Katakomben des früheren Husumer Hertie-Gebäudes. Das Fassungsvermögen beträgt 30  400 Liter. Und damit das Wasser im Ernstfall nicht ausgeht, wurde gleich nebenan ein offenes Becken mit weiteren 30 Kubikmetern gebaut. Gebraucht wird die Sprinkleranlage nicht mehr, aber eindrucksvoll ist sie noch immer – wie vieles in diesem Haus, das das Stadtbild auf seine Weise prägte und nun daraus verschwinden wird.

Die Stille in der nahezu verwaisten Immobilie ist beinahe zu greifen. Wenn jetzt mal ja nicht die Lichter ausgehen! Aber auch bei Licht versprühen die Räume den spröden Charme einer oder – besser gesagt – mehrerer vergangener Epochen. Auch Hinweise auf die verschlungene Geschichte des Hauses finden sich noch reichlich Ein letzter Gruß des Hertie-Deko-Teams zum Beispiel: „Wir sagen buy-buy und sind traurig“ heißt es da, und: „Vielleicht ja bald wieder.“ Die Geschichte hat die Belegschaft eines Besseren belehrt und viele den Job gekostet. Ein Hauch von Wehmut kommt auf, als wir eine Tafel mit den Namen verdienter Karstadt-Mitarbeiter entdecken. Und in vielen Ecken liegen noch immer Versatzstücke von Schaufensterpuppen oder Plastiktüten mit dem Aufdruck „Husumer Kaufhaus“ herum.

Rund um das Gebäude wird schon seit Tagen gehämmert, gerissen und gebohrt. Doch jetzt geht es der Hertie-Immobilie selbst ans Leder. Seit dem Abverkauf im August finden sich hier nur noch Kleiderständer, Vitrinen, Regal-Bausätze. Alles andere ist raus. Doch vor dem Abbruch wird das Gebäude vom Hof her entkernt. „Da ist jetzt die Abbruchfirma dran“, sagt C.-J.-Schmidt-Chef Peter Cohrs. Bagger und Abrissbirne rücken erst an, wenn getrennt wurde, was nicht mehr zusammengehört – Kunststoff, Metall und andere Wertstoffe. 135 Tonnen Material haben Hauke Jordan, Michael Reusch und Klaus Hansen mit ihrem Team seit Eröffnung des Husumer Kaufhauses bereits entsorgt – im laufendem Betrieb. Jetzt geben die C.-J.-Schmidt-Haustechniker den Stab an andere weitere.

Die Technik im Haus ist ebenso eindrucksvoll wie überaltert. „Das meiste können wir nicht mehr gebrauchen“, sagt Jordan. Das gilt auch für Unmengen an Material, „das Hertie nach der Insolvenz zurückgelassen hat“. Und beim Blick auf die teilweise frei liegenden Rohrleitungen wird deutlich, dass hier eine Menge Geld in die Hand genommen wurde, um den Kaufhaus-Betrieb überhaupt aufrecht zu erhalten. Jordan erinnert sich noch mit Schrecken, wie es im Winter 2010 losging – „mit bei minus acht Grad, zugefrorenen, mitunter sogar geplatzten Leitungen“.

Der innere Abriss soll über die Rückseite des Gebäudes erfolgen und beginnt in der kommenden Woche. Aus diesem Anlass wird der Kaufhaus-Parkplatz am 13. Dezember geschlossen. Das City-Parkhaus bleibt dagegen noch bis zum Jahresende geöffnet. Mit seinem Abriss wird im Januar begonnen werden. Der Vorderfront des Kaufhauses rücken die Bagger zuletzt auf die Pelle. Wenn alles gut verläuft, dürfte das Haus Mitte März aus dem Stadtbild verschwunden sein. Danach wird für den Bau des neuen Shopping-Centers eine Grube ausgehoben, wie man sie in Husums Innenstadt so noch nie gesehen hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

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erstellt am 10.Dez.2016 | 17:00 Uhr

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