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Friedrichstadt : Herbe Kritik an Baugebiets-Plänen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Keine Rettungsgasse, Parkplatzprobleme, feuchter Untergrund: Die Einwohner Friedrichstadts sind wenig begeistert von der Erweiterung der Fläche nördlich der B 202.

Turbulent ging es zu bei der jüngste Sitzung des Ausschusses für Bau, Planung und Denkmalpflege. Im Mittelpunkt stand die Erweiterung des Baugebietes Nr. 15 – und die bewegt offensichtlich die Gemüter. „Öffentlichkeitsbeteiligung“ war auf der Einladung zur Ausschuss-Sitzung vermerkt.

Beim Baugebiet Nr. 15 handelt es sich um das Areal nordöstlich der Eider-Treene-Schule. Nach mehr als 20 Jahren gibt es dort noch freie Plätze, doch nun will die Stadt es nach Nordosten erweitern. Die Gesamtgröße beträgt 44.518 Quadratmeter, 43 Grundstücke sollen darauf entstehen. Planer Sven Methner aus Meldorf stellte das Vorhaben detailliert vor. Schon nach kurzer Zeit meldete sich Dr. Helmut Langner aus den Zuhörerreihen zu Wort. Der Arzt war schon öfter in Erscheinung getreten. Er besitzt eine Koppel im nördlichen Bereich und hat mehrfach davor gewarnt, in diese Richtung zu erweitern – der Untergrund sei viel zu feucht, um dort Häuser zu errichten, ist der Seether überzeugt. Ausschussvorsitzender Jann-Peter Büddig unterbrach Langners Rede: „Sie können hier jetzt nichts sagen – reichen sie ihre Fragen gern schriftlich ein.“

Eine Einwohnerin wies auf Parkplatzprobleme hin und darauf, dass es nur eine sehr schmale Zuwegung gebe. Der ganze Verkehr rolle über die Skjerner Straße. „Wir haben einen extremen Flaschenhals am Eingang zum bereits bestehenden Baugebiet – dass nun noch tüchtig vergrößert werden soll. Ein Begegnungsverkehr ist da jetzt schon schlecht möglich, mit einem Lkw überhaupt nicht, geschweige denn mit dem Rettungswagen“, erklärte sie und fragte das Gremium, warum es jetzt eine weitere Baugebietserschließung über ausschließlich dieses eine Nadelöhr gebe. „Und warum ist erneut ein allgemeines und kein reines Wohngebiet geplant?“

Man versuche, so wenig wie möglich zu regeln, antwortete Planer Methner. Gewerbliche Einrichtungen wie Physiotherapie und Steuerbüros sollen nicht ausgeschlossen werden. „Und jeder muss Parkplätze auf seinem eigenen Grundstück bereithalten. Wir müssen keine Parkflächen auf öffentlichen Flächen bereitstellen“, fügte er hinzu. „Die Leute vom Ordnungsamt hatten vorgeschlagen, mehr öffentliche Parkplätze in diesem Wohngebiet zu schaffen. Diese jetzige Planung geht in die falsche Richtung“, entgegnete ein anderer Einwohner.

Unterdessen wollte Langner nicht aufgeben und seinen Vortrag fortsetzen. Büddig unterbrach ihn erneut: „Sie dürfen hier nicht reden.“ Wenig beeindruckt davon verteilte der Arzt nun Bilder an die Zuhörer. Darauf war seine überflutete Koppel abgebildet.

Jemand schlug vor, statt der geplanten Erweiterung ein Baugebiet im Industriegebiet an der Van-Wouwer-Straße zu schaffen. „Man muss wissen, dass Friedrichstadt nicht mit Flächen gesegnet ist, die sich als Baugebiet eignen. Nach Aussage des Bürgermeisters gibt es gerade mal zwei Grundstücke, die im Gebiet der Stadt noch frei sind. Es ist ein Erfordernis, Grundstücke auszuweisen“, machte der Ausschuss-Vorsitzende deutlich. Stadt-Oberhaupt Eggert Vogt nickte.

Zum Thema Flaschenhals wies Büddig darauf hin, dass die zweite mögliche Zuwegung nur vom Tegelweg aus erfolgen könne – die dortige Fläche aber im Privatbesitz sei und eine Enteignung nicht in Frage käme. „Bereits im bestehenden Neubaugebiet leben ältere Menschen und kleine Kinder – da passiert mehr, als man denkt. Oft genug ist die Zufahrt fast zugeparkt – insbesondere bei Veranstaltungen in der Schule und dann, wenn die Schulkinder mittags mit zahlreichen Autos abgeholt werden, nahm eine Anwohnerin den Faden wieder auf. „Wie kann man die Flaschenhals-Situation beseitigen?“, wollten die Zuhörer nun wissen. „Wir werden darüber sprechen“, antwortete Eggert Vogt.

Trotz aller Diskussion: Tagesordnungspunkt 2, der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für das betreffende Gebiet nördlich der B202 und östlich der Eider-Treene-Schule und Punkt 3, der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für die 4. Änderung des B-Planes Nr. 15, wurden einstimmig vom Gremium beschlossen.

„Ich finde, es war eine gelungene, konstruktive Diskussion mit unseren Bürgern“, erklärte Eggert Vogt nach der Sitzung auf Anfrage unserer Zeitung. Natürlich werde man sich mit dem Zufahrts-Problem weiter beschäftigen. „Doch wenn der Eigentümer des Grundstückes, über das eine zweite Zufahrt führen könnte, weder verkaufen noch ein Überwegungsrecht einräumen will, müssen wir mit dem arbeiten, was uns der Planer vorgestellt hat“, so Vogt. „Wir werden auf jeden Fall an dem Baugebiet festhalten“. Mit Glück könne die Erschließung des ersten Teils 2018 beginnen.

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