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Medizinische Versorgung auf Pellworm : Herausforderungen für einen Landarzt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Studenten aus Kiel besuchten einen Workshop beim Pellwormer Inselarzt Dr. Uwe Kurzke, der seit Jahren seinen Nachfolger sucht. Doch nicht nur die medizinische Versorgung stellt für die Insel ein Problem dar.

Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum wird zunehmend schwieriger – in Krankenhäusern wie bei den Hausärzten. Der Pellwormer Arzt Dr. med. Uwe Kurzke hatte deswegen nun acht Medizinstudenten zu einem Workshop unter dem Titel „Allgemeinmedizin – Ländliche Versorgung“ auf die Insel eingeladen. Gemeinsam mit der Direktorin des Allgemeinmedizinischen Institutes der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Prof. Dr. med. Hanna Kaduszkiewicz, und dem Lehrbeauftragten Dr.med. Klaus Müller-Ott waren sie aus der Landeshauptstadt zu diesem vierteiligen Seminar angereist, um bei Kurzke etwas über seine Erfahrung zum Thema „Nähe und Distanz“ zu erfahren. Insbesondere ging es dabei um medizinische Probleme, die in einem ländlichen Umfeld zu lösen sind – häufig ohne die Möglichkeit zu haben, auf schnelle Hilfe vom Festland zurückgreifen zu können. Nach theoretischen Fallbesprechungen, Anamnesen und Berichten aus der Praxis, beinhaltete der Workshop auch einen praktischen Teil.

Wie berichtet, ist Pellworm ganz akut von diesem Problem betroffen: Kurzke ist 61 Jahre alt und sucht bereits seit Jahren nach seinem Nachfolger. Weil sich das bislang allerdings als schwierig herausstellt, will die Gemeinde gemeinsam mit den weiteren nordfriesischen Inseln und Halligen ein Konzept im Rahmen der Insel- und Halligkonferenz entwickeln, was im Notfall zu tun ist – und wie mit dem Kreis, den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung zusammengearbeitet werden könnte. Zudem brauche man eine Tages- und Kurzzeitpflege sowie mehr Hospizzimmer, sagt Bürgermeister Jürgen Feddersen (CDU). „Die Bevölkerung will im Alter die Möglichkeit haben, auf der Insel zu bleiben. Wir müssen uns darum kümmern, diese besser zu versorgen.“

Doch die medizinische Versorgung ist nicht das einzige Problem auf der Insel: Seit rund 30 Jahren ist die Gemeinde Bedarfsempfänger und erhält Konsolidierungshilfen des Landes. Der Schuldenberg liegt bei etwa zwölf Millionen Euro und wächst in jedem Jahr um weitere zwei. Die teuersten Posten sind das Kurhaus, das Schwimmbad und der Hafen, Einnahmen können kaum generiert werden. „Wir müssen aber trotzdem die Möglichkeit haben, uns weiterzuentwickeln“, sagt Feddersen. „Der Tourismus muss gefördert und die jungen Leute gehalten werden.“ Rund 60 Prozent der Einwohner sind bereits heute älter als 60 Jahre alt, bis zum Jahr 2025 wird auf Pellworm mit einem Bevölkerungsverlust von 25 Prozent gerechnet. Die Gemeinde hofft nun deswegen darauf, für Investitionen im touristischen Bereich weitere Sonderbedarfszuweisungen des Landes zu erhalten. Am Mittwoch, 2. Dezember, will die Gemeindevertretung ihren Haushalt für 2016 absegnen.

Sie hofft, mit dem Geld ihr Kur- und Gesundheitszentrum zu sanieren sowie ein Radwegenetz ausbauen zu können. Feddersen hat außerdem Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) eingeladen, im kommenden Jahr auf die Insel zu kommen. Denn auch das Defizit müsse irgendwann getilgt werden.

Das große Vorhaben für 2016 ist zunächst der Bau von 38 Ferienwohnungen (wir berichteten). Ein Investor plant, in der Nähe des Leuchtturms eine Vier-Sterne-Anlage zu errichten, die mit ihren wohngesunden Baumaterialien auch für Allergiker geeignet sein sollen.

Ein weiteres Projekt für das kommende Jahr: Die Gemeinde, die bereits 1983 mit dem damals ersten solaren Großkraftwerk Deutschlands Schlagzeilen machte, will ihren eigenen Strom vermarkten. Ein Weingut im rheinlandpfälzischen Maikammer, der Partnergemeinde von Pellworm, hat bereits zugesagt, den Insel-Strom beziehen zu wollen.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 18:06 Uhr

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