zur Navigation springen

Lesung im Dünen-Hus : Hellmuth Karasek hatte alles im Griff

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach nur einem Satz hatte Hellmuth Karasek die Gäste seiner Lesung in St. Peter-Ording auf seiner Seite. Der Kulturjournalist und Literaturkritiker überzeugte im Dünen-Hus mit seinem Humor, der manchmal auch unter die Gürtellinie ging.

Genau genommen hatte Hellmuth Karasek nur einen Satz gesagt, als sich die Zuhörer bereits kaum noch vor Lachen halten können. Was an seinem Satz so komisch ist, weiß eigentlich keiner. Vielleicht ist es die humorvolle Art und Weise, wie er spricht. Oder es liegt daran, dass er jedes A so besonders betont. Plötzlich verwendet er auch nur noch Sätze, in denen das A auch möglichst maximal vorkommt und springt auf die Welle des Lacherfolges auf. „Ich habe mich in das A verliebt“, erklärt er trocken und erzählt vom Panama-Kanal-Skandal. Während das Publikum des lange im voraus ausverkauften Dünen-Hus noch mit der Fassung ringt, spricht Karasek einfach ruhig weiter. Das macht es noch schlimmer. Als nun auch noch ein Witz aus seiner Sammlung vorgetragen wird, gibt es kein Halten mehr und kein Auge bleibt trocken. Viele kennen offensichtlich seine Texte gut, denn etliche Passagen werden parallel mitgesprochen.

Zur Begrüßung hatte Professor Dr. Peter Jochimsen erläutert, dass dieser Abend zu der kulturellen Veranstaltungsreihe gehört, die von der Gesundheitsklinik Stadt Hamburg, deren Leiter er ist, ins Leben gerufen wurde. In der Tat sind viele Stammgäste dabei, aber auch neue Gesichter.Die Atmosphäre ist einmalig, Karasek hat seine Zuhörer nach wenigen Minuten eingefangen in ein Netz aus Satire, Ironie und sprachlicher Brillanz. Er traut sich auch an Witze unterhalb der Gürtellinie, liebevoll erzählt, mit absolut scharfem Blick. Dem Journalisten und Schriftsteller, der das Kulturressort des „Spiegels“ leitete und jetzt Autor der „Welt“ ist, gelingt ein Abend der Extraklasse. Er rezitiert aus seinen Büchern und Glossenbänden, Texte, die jeden Sonnabend im Hamburger Abendblatt und sonntags in der Berliner Morgenpost erscheinen.

Vieles streut Karasek einfach locker aus der Hüfte“ ein. Seine Stimme ist gut ausgebildet, eine Erzählstimme, die Ruhe, aber auch Kraft ausstrahlt. Glossen definiert er selbst in etwa so. „Glossen sind ein Nichts, verpackt in Seidenpapier.“ Vorbilder sind für ihn Kurt Tucholsky, aber auch Menschen wie Harald Schmidt, die einen intelligenten Sinn für Situationskomik besitzen.

Der Kulturjournalist, Autor, Literaturkritiker und Talk-Show Star war Mitstreiter beim „Literarischen Quartett“ im ZDF und gehörte auch zur Gruppe 47. Dort trafen sich seit 1947 deutschsprachige Schriftsteller der Nachkriegszeit. Er selbst schrieb „Mein Kino“, „Billy Wilder“ und „Auf Reisen“, um nur einige seiner Titel zu nennen.
Der erste Teil des Abends ist wie im Fluge vergangen. Karasek würde dazu gleich wieder ein Link einfallen – er verlinkt sich tatsächlich immer wieder mit Themen, die er kurz einstreut. Er würde sich jetzt vielleicht an eine langweilige Abendveranstaltung erinnern, die um acht begann und „als ich nach zwei Stunden auf die Uhr sah, war es halb neun.“

Natürlich ging es um Karaseks Erkenntnis, dass „Frauen auch nur Männer sind“, und so signierte er in der Pause seine Bücher mit diesem Titel. Das tat er natürlich nicht, ohne den nötigen Ernst einfach wegzulassen.

Dass er in diesem Jahr seinen Achtzigsten feierte, sieht man ihm nicht an. Und er weiß, dass eben dieses ein bisschen verrückte Leben, was er führt, ihn auch jung hält. Aktuell arbeitet er natürlich auch an etwas Neuem, Stoff dafür hat er jedenfalls in Hülle und Fülle. Am Ende hält er es so, wie es seiner Lebensphilosophie entspricht. „Wenn man aufhört, an etwas zu arbeiten, wäre man bereits am Ende.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen