Husum : Helge Terno in Husum hat endlich Zeit für seine Modelleisenbahn

Auf seine Modelleisenbahn freut sich Helge Terno schon.
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Auf seine Modelleisenbahn freut sich Helge Terno schon.

Mehr als 40 Jahre Zeitschriftenhändler aus Leidenschaft – doch jetzt zieht sich Helge Terno (86) ins Privatleben zurück.

shz.de von
09. Januar 2018, 10:00 Uhr

Gähnende Leere herrscht in dem kleinen Laden in der Großstraße, in dem Helge Terno bis vor kurzem Zeitschriften verkaufte. Ein kleines Schild verweist auf die Schließung des Zeitschriftenhandels. Dabei wollte der 86-Jährige sein Geschäft noch bis zur Eröffnung des Shopping-Centers fortführen.

Gedankenversunken sitzt der gebürtige Husumer in seinem Wohnzimmer und kann die neue Situation, die über ihn plötzlich hereingebrochen ist, noch nicht so richtig in sein Leben einordnen: Eine Fingernagel-Entzündung lässt ein weiteres Arbeiten wie bisher nicht mehr zu. „Ich muss den Umstand als eine willkommene Gelegenheit sehen, endlich aufzuhören“, gibt er zu verstehen.

Doch es fällt ihm sichtlich schwer: Der Kontakt zu den Menschen ist es, der ihn angetrieben hat, den Verkauf fortzuführen und das Ende immer wieder rauszuschieben.

Eine Nachfolgeregelung sei nicht möglich gewesen. „Der Verkauf ist in den vergangenen Jahren immer weniger geworden“, lautet sein Resümee. Es sei am Ende eher ein Hobby gewesen, Zeitschriften zu verkaufen und mit den Kunden zu schnacken.

Vor 42 Jahren begann er mit seinem kleinen Geschäft in der Großstraße. Es ist sein Elternhaus, indem sein Vater in den 30er-Jahren das Kino Kammerlichtspiele eröffnet hatte. „Es könnte sein, dass ich auch in diesem Haus geboren bin, aber genau weiß ich das nicht“, sagt Terno. Woran er sich dagegen sehr gut erinnert: 25 Jahre lang habe er im Kino das „Mädchen für alles“ gespielt. „Das war eine harte Zeit, die mich überhaupt nicht befriedigte.“ An Urlaub sei nicht zu denken gewesen. Bei den Filmvorführungen musste er von der ersten bis zur letzten Minute dabei sein. „Die damalige Technik forderte von mir alles ab.“ Zwei Kohlestäbe sorgten damals für das notwendige Licht, um die Bilderreihe an der Leinwand sichtbar zu machen. „Die Kohlestäbe mussten alle paar Minuten nachgestellt werden, damit der Brennbogen nicht abbricht – das war sehr mühsam.“

Mit viel Mühe überredete er seinen Vater, im Kassenbereich doch einen Zeitschriftenverkauf einzurichten. Das war der Anfang seiner späteren Kiosk-Karriere. 1988 wurde das Haus komplett umgebaut. So entstand ein Textilgeschäft und der kleine Zeitungsladen. „Im Gegensatz zum Kino war der Verkauf von Zeitschriften eine Erholung für mich“, erinnert er sich. Und der Kiosk entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, womit er nicht gerechnet hatte. „In den ersten Jahren habe ich täglich bis zu 2200 Mark Umsatz gemacht.“

Ganz früher sei in dem Haus auch eine Buchhandlung namens Winkler untergebracht gewesen. Auch eine Gaststätte mit Zimmervermietung soll es gegeben haben. Wie alt das Elternhaus ist, sei nicht festzustellen.

Mit seiner neuen Lebenssituation hadert er – das will er nicht verhehlen: „Ich habe viel Geld verdient, habe viel gekämpft – doch am Ende hat es nicht viel gebracht.“ Vor gut neun Jahren verstarb seine Frau. Und besonders jetzt, nach der Schließung seines Geschäftes, fühlt er sich einsam und isoliert. „Mir fehlt der Kontakt zu den Menschen und das Gespräch.“

Ein Lichtblick für ihn: In einem kleinen Zimmer steht seine Modelleisenbahn, für die er sich immer sehr begeistern konnte. Sein damaliges Hobby übertrug sich auf seinen Sohn, der heute bei der Deutschen Bahn in München arbeitet. Für das Hobby blieb während der Berufstätigkeit wenig Zeit: „Vielleicht schaffe ich es jetzt, dieses Hobby wieder aufleben zu lassen.“

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